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Die seltsamen Handball-Spiele im Land des Pharao

Kommentar Von Milan Sako
12.01.2021

Eine Mammut-WM mit Handball-Mannschaften aus 32 Ländern ist für den schillernden Chef des Internationalen Handball-Verbandes kein Problem. Hassan Moustafa wird gerne als Pharao tituliert.

Es hätte ein Traum an den Ufern des Nil im Schatten der Pyramiden werden sollen. Hassan Moustafa hatte die Handball-Weltmeisterschaft nach Nordafrika geholt. Tausende Touristen sollten die Kassen der Hoteliers in Ägypten füllen. Die Untertanen sollten dem ewigen Präsidenten der Internationalen Handball-Föderation IHF huldigen. In der Ehrenloge wollte der Herrscher über den klebrigen Ball die Darbietungen goutieren, um anschließend mit Kleopatra ein Bad in Eselsmilch zu nehmen. So oder ähnlich hatte sich der Pharao, wie Moustafa wegen seines Führungsstils und seiner Herkunft genannt wird, seine Titelkämpfe erträumt. Der 76-Jährige ist es gewohnt, zu bekommen, was er für richtig hält.

Handball-Funktionär besuchte die Sepp-Blatter-Schule

Der Handball-Herrscher besuchte die Sepp-Blatter-Schule und hat im Unterricht gut aufgepasst. Besonders in Latein, wo es über die Macht heißt: divide et impera, teile und regiere. Über Jahre hält sich Moustafa an der Spitze, weil er die kleinen Verbände umgarnt. Der Pharao fädelte den Deal mit dem Vermarkter Lagardere Sports ein, der 160 Millionen Euro für die Rechte an den internationalen Handball-Events zwischen 2019 und 2025 überweist. Gewiss, Fußball-Fuzzi Blatter würde dafür nicht einmal den Ball aufpumpen, aber für die Handballer bedeutet der Vertrag einen Quantensprung.

Die am Mittwoch beginnende WM sollte der prunkvolle Höhepunkt seiner fast 21 Jahre währenden IHF-Regentschaft sein. Ein wenig vom Glanz des Tutanchamun sollte auf die Handballer fallen, die den Matchplan jedoch änderten. Moustafa wollte eine 20-prozentige Hallen-Auslastung retten, um dem Fernsehen schönere Bilder zu liefern. Wahnsinn – ein Turnier mit 32 Mannschaften aus aller Herren Länder auf dem Höhepunkt der Pandemie, noch dazu mit Zuschauern.

Bitter und Gensheimer gegen ein Turnier mit Zuschauern

Da schrien selbst die schmerzresistenten Handballer auf. Kapitäne von 14 europäischen Mannschaften, darunter Johannes Bitter und Uwe Gensheimer aus Deutschland, hatten einen Brief an den IHF-Chef formuliert. Sie wollten keine schlechten Vorbilder sein oder schiefe Bilder liefern. Der Pharao lenkte zähneknirschend ein. Dennoch bleiben sie seltsam – die Spiele des Re im Schatten der Pyramiden von Gizeh.

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