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Formel 1

02.11.2020

Gutes Rennen, trotzdem kein Sieg: Vettel kann es nicht glauben

Sebastian Vettel schaut sich nach Rang zwölf in Imola noch einmal genau seinen Rennwagen an. Mit dem Ferrari kommt er weiter nur schwer klar.
Bild: Nordphoto

Vettel fährt in Imola eines seiner besten Rennen in dieser Saison – dann stoppt ihn ein schlechter Boxenstopp. Warum er Ferrari trotzdem keine Vorwürfe macht

Sebastian Vettel muss das schmerzen. Auch wenn er in seiner Zeit bei Ferrari schon weit abgehärteter ist als zuvor. Als viermaliger Weltmeister mit Red Bull hatte er sich an gute Zeiten gewöhnt. Mit der Scuderia bekommt er nun die gesamte Härte des Geschäfts geboten.

Glaubt man, schlimmer kann es nicht werden, so greift Ferrari einfach noch mal in die Schublade und zaubert einen Pressluftschlagschrauber heraus, der sich weigert, an einem schnellen Boxenstopp mitzuwirken. Mehr als 13 Sekunden stand Vettel am Sonntag in Imola in der Boxengasse.

Er wollte sich einfach seine vier Reifen wechseln lassen. Von der Medium- auf die harte Mischung. Ein Vorgang, für den die besten Reifenwechsler der Formel 1 gut zwei Sekunden brauchen. Vettel hätte wohl auch mit drei Sekunden leben können. Aber 13? Ein Unding. Ein Fehler, der ihm WM-Punkte kostete.

Keine schlechte Laune bei Sebastian Vettel

"Im ersten Stint war unser Tempo sehr gut", sagte Vettel hinterher. Er hatte deutlich länger mit dem Reifenwechsel gewartet als die Konkurrenz. Eine gute Taktik, die ihn auf Rang acht oder neun gebracht hätte. Für seine momentane Situation wäre das ein gutes Ergebnis gewesen. Der schwache Boxenstopp aber verhinderte das. "Das ist natürlich schade. Das ist nicht das Ergebnis, das wir heute verdient gehabt hätten", sagte Vettel lediglich. Keine Vorwürfe, keine schlechte Laune. Dafür hat Vettel in seiner letzten Saison schon zu viel erlebt.

Im Rennen hatte sich Vettel diesmal in seinem Dienstwagen wohlgefühlt. Das war in diesem Jahr nicht immer so. Das große Problem aber ist die Qualifikation. Da fehlen dem 33-Jährigen einfach das richtige Gefühl und das Vertrauen. Von Startplätzen außerhalb der besten Zehn ist es schwierig, gute Ergebnisse zu erzielen. Vettel weiß das. Er sagte: "Wenn wir etwas weiter vorne starten können, könnten uns die nächsten Rennen bessere Ergebnisse bescheren." Das wäre immerhin ein einigermaßen versöhnliches Ende einer schauderhaften Saison. Für Ferrari, aber speziell für Vettel.

Die Saison setzt allen Beteiligten zu

Im Frühjahr hatten sich die Bosse der Scuderia dazu durchgerungen, Vettel den Abschied mitzuteilen. Teamchef Mattia Binotto hatte dreimal die richtigen Worte geübt, ehe er zum Telefon griff. Sagte er zuletzt zumindest. Soll wohl heißen: So richtig leicht gefallen ist die Entscheidung in Maranello keinem. Getroffen aber wurde sie trotzdem.

Gegen Vettel und damit zeitgleich für Charles Leclerc, den sie bei der Scuderia als Mann der Zukunft sehen. Schaut man auf die reinen Ergebnisse, wohl zurecht. Denn Vettel hat gegen den 23-Jährigen derzeit keine Chance. 85 zu 18 WM-Punkte, das ist ein deutliches Zeichen. Aber kann es wirklich sein, dass Vettel gänzlich das Talent als Rennfahrer abhandengekommen ist? Wohl nicht. Er und das Team aber leisten sich zu viele Fehler.

Die Saison aber setzt allen Beteiligten zu. So sehr, dass sogar schon darüber spekuliert worden war, Leclerc bekomme von Ferrari ein besseres Auto als Vettel. Dem widersprach Binotto zuletzt heftig. Unbestritten aber ist, dass der Ferrari in diesem Jahr kein Spitzenauto und auch dem Fahrstil von Vettel nicht nützlich ist. Der Ferrari ist eher stabil auf der Vorderachse und hat ein unruhiges Heck. Vettel mag es lieber, wenn der hintere Teil des Fahrzeugs wie auf Schienen auf der Strecke liegt. So ist er auch mit Red Bull viermal Weltmeister geworden. Das alles wirkt lange her.

Feiern dürfen andere: Lewis Hamilton feiert mit seinem Team Mercedes.
Bild: Luca Bruno, dpa

Toto Wolff sucht schon Nachfolger bei Mercedes

Nun muss er ein weiteres Mal aus der Ferne anschauen, wie ein anderes Team feiert. Zum siebten Mal in Folge holte sich Mercedes den Konstrukteurs-Titel. Noch kein Team war über einen solchen Zeitraum so dominant wie die Silberpfeile.

Teamchef Toto Wolff und der bald siebenmalige Weltmeister Lewis Hamilton sind die treibenden Kräfte. Ausgerechnet bei beiden gibt es Zweifel über die Zukunft. Hamilton hatte nach dem Sieg in Imola angedeutet, dass nicht garantiert sei, dass er auch 2021 für Mercedes fahre. Wolff dagegen hat zwar ausgerechnet im nicht einfachen Jahr der Pandemie wieder mehr Freude an der Rennstrecke, aber ob er auch künftig jedes zweite Wochenende im Jahr dort verbringen möchte? "Ich fühle mich nach dem ersten Lockdown und durch die letzten Monate stark verjüngt. Plötzlich liebe ich es auch wieder, zu den Rennen zu fahren", sagte er.

Dennoch sucht er bereits einen Nachfolger, den er 2021 einarbeiten möchte. Kandidaten sollen Technik-Chef James Allison oder Strategieboss James Vowles sein. Wolff könnte sich künftig als Aufsichtsratchef einbringen – so wie Niki Lauda sieben Jahre lang.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Bei Vettel läuft alles schief

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