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Megan Rapinoe gewinnt das Kräftemessen mit dem US-Präsidenten

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Kommentar Von Andrea Bogenreuther
08.07.2019

Donald Trump hat sich mit der Falschen angelegt - er beißt sich an der amerikanischen Soccer-Ikone Megan Rapinoe die Zähne aus.

Man weiß ja, dass Politik und Sport nicht mehr so gut zusammengehen wie noch vor einigen Jahren. Wie etwa 2014, als Mesut Özil und seine Teamkollegen die deutsche Kanzlerin am Rande des Entmüdungsbeckens empfingen und sich von ihr zum Weltmeister-Titel gratulieren ließen. Oder ein Jahr später, als die amerikanischen Fußballerinnen mit ihrem WM-Pokal stolz an der Seite von US-Präsident Barrack Obama im Oval Office posierten.

Bei der Frauenfußball-WM in Frankreich war schnell klar, dass die Siegerinnen weder eine Kabinenparty, noch überhaupt irgendeine Feier mit ihrem Staatsoberhaupt anstreben würden. Die Empfangs- und Willkommenskultur zwischen Sport und Politik hat Risse bekommen. Athleten lassen sich generell immer weniger vor den Karren der Politik spannen. Schon gar nicht, wenn diese ihrer Weltanschauung entgegenläuft.

Das mit dem "fucking White House" tat Rapinoe leid - wegen ihrer Mutter

Wie bisher kaum eine andere Mannschaft lehnen sich die Weltmeisterinnen aus den USA gegen ihre Regierung auf. Allen voran Mannschaftsführerin Megan Rapinoe. Die amerikanische Soccer-Ikone verkörpert alles, was den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump auf die Palme bringt. Sie vertritt die Rechte von Minderheiten, ist selbst homosexuell und nutzt ihre Popularität, um soziale Missstände und Justiz-Willkür anzuprangern. Ungerührt bezeichnet sie Trump als Rassisten und Sexisten.

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Konsequent verweigert Rapinoe das Absingen der Nationalhymne, solange es in ihrem Heimatland keine Gleichberechtigung zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Frau und Mann gibt. Dass sie den legendären Amtssitz in Washington mit Blick auf den aktuellen Hausherren als „fucking White House“ bezeichnete, tat ihr danach leid. An ihrem Entschluss, keinen Fuß über dessen Schwelle setzen zu wollen, hält sie unerschütterlich fest. Egal, wie viele ungehobelte Twitter-Meldungen ihr Trump um die Ohren jagt. Sie solle siegen, nicht reden, hatte er ihr geraten.

Nun, Rapinoe hat geliefert. Und weiß es geschickt zu nutzen, dass sie als exzellente Fußballerin und große Sympathieträgerin gefeiert wird. Sie lässt die Welt daran teilhaben, wie sie dem US-Präsidenten die Stirn bietet. Für seine Verhältnisse recht kleinlaut hat Donald Trump den US-Girls nun zum Titelgewinn gratuliert. Die Einladung ins Weiße Haus hat er nicht wiederholt. Sein Gesicht hat der Macho im Kräftemessen mit der Fußballerin eh schon verloren. Rapinoe darf sich dank ihrer Fußballkunst und ihrer Charakterstärke als zweifache Siegerin fühlen.

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