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Nationalmannschaft: Deutsche Fußball-Gastarbeiter in der Türkei: Einmal so geliebt werden

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Deutsche Fußball-Gastarbeiter in der Türkei: Einmal so geliebt werden

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    Toni Schumacher wurde bei seinem Empfang 1988 frenetisch von den Fenerbahce-Fans empfangen.
    Toni Schumacher wurde bei seinem Empfang 1988 frenetisch von den Fenerbahce-Fans empfangen. Foto: Witters

    Es hätte ja nicht einmal Liebe sein müssen, aber ein bisschen mehr Respekt hätte Stefan Kuntz dann schon erwartet. Der Deutsche Fußball-Bund nahm die Erfolge der von Kuntz trainierten U21 zwar immer wohlwollend zur Kenntnis, der Übungsleiter aber blieb der Verbandsspitze immer seltsam fremd. Da wird seit Jahren über den mangelenden befähigten Nachwuchs für die Nationalmannschaft diskutiert und er führt diese Truppe durchschnittlicher Fußballer drei Mal in Folge in ein EM Finale und gewinnt sogar noch zwei davon.

    Als es darum ging, einen Nachfolger für Joachim Löw als obersten Fußballtrainer der Nation zu finden, stellte ihm der für die Akquise zuständige Oliver Bierhoff zwar ein Gespräch in Aussicht, ließ aber keinerlei Zweifel, dass er mit Hansi Flick schon eine Wunschlösung an der Hand hat.

    Im Wunsch nach deutschen Trainern schwingt auch viel Vorurteil mit

    Kuntz verlässt nun diese Vernunft-Ehe, um ein Trainerleben in wilder Leidenschaft zu führen. Nichts anderes erwartet ihn als Trainer der türkischen Nationalmannschaft. Am Montag unterschrieb er einen bis 2024 gültigen Vertrag. Er soll eine Ansammlung hoch eingeschätzter, zuletzt aber immer wieder enttäuschender Spieler erst mal noch zur WM nach Katar führen und dann in der erweiterten europäischen Spitze etablieren. Dort nämlich gehören die Türken hin – zumindest wenn man ihrer Selbsteinschätzung glaubt. Dass sie für dieses Unterfangen einen deutschen Trainer verpflichten, überrascht nicht. Immer wieder versuchten sie in der Vergangenheit, die als janusköpfig verschrieenen Ballartisten mithilfe deutscher Stabilitätstugenden zu bändigen. Viele Vorurteile, sicherlich, aber was bitte wäre der Fußball ohne brasilianische Ballartisten, mauernde Italiener oder Elfmeter verschießende Briten?

    Der Erfolg Werner Lorants in der Türkei war eher übersichtlich.
    Der Erfolg Werner Lorants in der Türkei war eher übersichtlich. Foto: Witters

    Anders ist auch kaum zu erklären, wie beispielsweise Werner Lorant zur fragwürdigen Ehre gelangte, gleich drei türkische Klubs zu trainieren. Bei keinem blieb er länger als ein Jahr. Der gute Ruf deutscher Trainer basiert zu einem großen Teil auf dem guten Ruf deutscher Spieler in der Türkei. Toni Schumacher wurde bereits bei seiner Ankunft 1988 von den Fenerbahce-Fans auf Händen getragen. Als Kapitän führte er den Klub anschließend zur Meisterschaft.

    Christoph Daum wurde an seinem 50. Geburtstag von den Fenerbahce-Fans auf Schultern getragen.
    Christoph Daum wurde an seinem 50. Geburtstag von den Fenerbahce-Fans auf Schultern getragen. Foto: Witters

    Gleiches gelang Christoph Daum als Trainer Fenerbahces. Zuvor aber war es Lokalrivale Besiktas, der ihn nach dem Kokain-Skandal als erstes Team beschäftigte. Weniger erfolgreich verliefen allerdings die beiden Engagements Joachim Löws in der Türkei. Das allerdings sollte seiner Karriere keinen Abbruch tun. Er ging den entgegengesetzten Weg von Stefan Kuntz, kehrte den leidenschaftlichen türkischen Fans den Rücken und wurde später kurzzeitig doch tatsächlich von den deutschen Anhängern geliebt. Was so ein WM-Pokal doch alles auslösen kann. Das Gute für Kuntz: In der Türkei wird kein WM-Titel erwartet. Die schlechte Nachricht: Recht viel weniger allerdings auch nicht.

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