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Randbemerkung
16.06.2015

In Österreich tut sich Erstaunliches in Sachen Fußball

Marcel Koller ist Trainer der österreichischen Nationalmannschaft, die er gerade zur EM führt.
Foto: Helmut Fohringer, dpa

Skifahren, das mögen sie, die Österreicher. Das können sie auch. Aber Fußball? Bislang marschiert Österreich erstaunlich souverän durch die EM-Quaifikation.

Skifahren, das mögen sie, die Österreicher. Das können sie auch. Olympiasieger, Wöidmeister – gibt’s alles regelmäßig in Rot-Weiß-Rot. Auf den Brettln macht den Sportlern aus der Alpenrepublik so schnell keiner was vor. Komisch, dass die gleichen Menschen auch Fußball mögen. Denn sicher ist: Skifahren können die Österreicher besser. Viel besser. Während die Alpinen regelmäßig ganz oben stehen, hecheln die Fußballer der Musik meist nur hinterher.

Das hat zwei Konsequenzen. Erstens erhöht es den Erfolgsdruck auf die Abteilung Wintersport ins Unmenschliche. Kaum vorstellbar, welchen Erwartungen zum Beispiel Slalom-Ass Marcel Hirscher in jedem Rennen gerecht werden muss. Im Gegensatz dazu (zweitens) haben sich die Erwartungen an die österreichische Fußball-Nationalmannschaft am anderen Ende der Skala eingependelt. Gekickt wird nach dem Motto: Wer nichts erwartet, der kann auch nicht enttäuscht werden. Die wenigen Erfolge haben sich zwar ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, liegen allerdings schon ein paar Tage zurück.

Umso erstaunlicher, was sich momentan tut. Österreich marschiert schier unaufhaltsam durch die Qualifikation für die Europameisterschaft. Am Sonntag gewann die Mannschaft von Teamchef Marcel Koller gegen Russland und führt ihre Gruppe mit 16 Punkten vor Schweden (12) und den Russen (8) an. In den ersten sechs Qualifikationsspielen blieb Österreich ungeschlagen. Das gab’s erst einmal: vor der WM 1978 in Argentinien.

2008 durften sie mal mitspielen - als Gastgeber

Mit Europameisterschaften dagegen hatten es die Österreicher bislang noch nicht so. 1960, bei der ersten Auflage des Turniers, schafften sie es ins Viertelfinale, vier Jahre später ins Achtelfinale. Danach wurde es zappenduster. Nur noch einmal reichte es überhaupt zur Teilnahme. Das war 2008, als Österreich zusammen mit der Schweiz als Gastgeber automatisch qualifiziert war. Nach der Vorrunde war Schluss. Unter anderem setzte es eine knappe 0:1-Niederlage gegen Deutschland, das später im Finale von Wien den Spaniern unterlag. Es soll damals den ein oder anderen Österreicher im Stadion gegeben haben, der darüber nicht besonders unglücklich war.

Vergangenheit. Die Zukunft heißt EM 2016. Nur die größten Pessimisten befürchten noch, dass Österreich die Teilnahme daran verspielen könnte. Realistisch ist das nicht. Österreich fährt nach Frankreich. Dort könnte es dann auch wieder ein Aufeinandertreffen mit Deutschland geben. Es soll schon jetzt den ein oder anderen Österreicher geben, der dabei voll freudiger Erregung an eine Stadt in Argentinien denkt. Deren Name: Córdoba. Und eines ist sicher: Ums Skifahren geht’s diesmal nicht

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