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Formel 1

17.04.2020

Sebastian Vettel lehnt "Geisterrennen" ab

Sebastian Vettel will nicht vor leeren Rängen fahren.
Foto: Tom Boland/The Canadian Press/AP/dpa

Sebastian Vettel spricht über die aktuelle Situation, seinen Zeitvertreib während der Corona-Krise und warum plötzlich ein Rennsimulator in seinem Haus steht.

Sebastian Vettel hat seinen Spaß. Immer wieder lacht er herzhaft. Die Situation ist ungewohnt. Wegen der Corona-Krise ist eine normale Pressekonferenz nicht möglich. Also hat Ferrari zu einer virtuellen Gesprächsrunde mit dem Formel-1-Fahrer eingeladen. Es dauert eine Weile, bis alle technischen Probleme überwunden sind. Immer wieder sind Gesprächsfetzen zu hören von Leuten, die ihr Mikrofon nicht leise gestellt haben oder sich verspätet einwählen. Vettel amüsiert das.

Vettel vertreibt sich die Zeit im Garten

Er sitzt in seinem Haus auf der Schweizer Seite des Bodensees. Der 32-Jährige trägt ein rotes Ferrari-Team-Shirt, hinter ihm sind Balken eines Fachwerks zu sehen. Vettel hatte sich eine alte Mühle in Ellighausen gekauft und sie nach seinen Wünschen umgebaut. Gerade sind wieder seine handwerklichen Fähigkeiten gefragt. Er arbeite viel im Garten, erzählt er. "Dinge, die sonst eher liegen bleiben", sagt der viermalige Weltmeister.

Wegen der Corona-Krise pausiert die Formel 1, der Saisonstart ist verschoben. Frühestens im Juli kann es wohl losgehen. Eine lange Zeit des Wartens. "Natürlich will jeder zurück zu seinem Leben, wie es vorher war. Wir alle aber brauchen Geduld, viel Geduld", sagt Vettel immer wieder.

Vettels Entschuldigung bei den englischen Journalisten

Seine Laune ist gut. Mehr als eine Stunde nimmt er sich für das ungewöhnliche Gespräch Zeit. Erst auf Englisch, später auf Deutsch und Italienisch. Bei den englischen Reportern entschuldigt er sich sogar für die frühe Anfangszeit. Um 8.25 Uhr geht es los, in England ist es da erst 7.25 Uhr. „Entschuldigung dafür“, sagt Vettel und lacht. Er selbst ist Frühaufsteher. Wegen seiner drei Kinder."Da ist es nichts mit lange im Bett bleiben", sagt er. Seine Frisur ist leicht zerzaust, das aber hängt auch damit zusammen, dass ein Friseurbesuch schon länger her ist. "Es gibt Leute, die eher den Drang haben zum Friseur zu gehen als ich", sagt Vettel. Sollten die Lockerungen ausgeweitet werden, wäre das also nicht sein erster Gang. Ebenfalls nicht zum Shoppen. "Ich bin nicht der Typ, der jeden Tag ins Kaufhaus geht und sich was aussuchen muss", sagt Vettel. Freunde treffen, die Familie, darauf freut er sich nach Corona am meisten. Und natürlich aufs Rennfahren. Wie auch immer das aussehen wird.

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Foto: Tony Gutierrez/AP/dpa

Einen wirklichen Plan gibt es nicht, ein paar Ideen schon. Geisterrennen scheinen eine Option. Also Veranstaltungen ohne Zuschauer. Gefallen würde Vettel das nicht. "Keiner will vor leeren Rängen fahren", sagt er. "Wir dürfen keine Schnellschüsse machen. Lieber abwarten und keine Geisterrennen", sagt der Ferrari-Fahrer. Zuallererst gehe es aber darum, die Gesundheit aller Beteiligten zu schützen. Dafür seien die getroffenen Maßnahmen entscheidend. Also Kontaktverbot und Ausgangsbeschränkungen.

"Wir gehen nur zum Einkaufen vor die Türe", erzählt Vettel. Und natürlich zum Sporttreiben. Vettel ist begeisterter Radfahrer rund um den Bodensee. Zudem hat er sich ein kleines Fitnessstudio eingerichtet. "Ich bin bereit, wenn es losgeht", sagt er. Er sei jetzt fitter als im März, als die Saison hätte starten sollen. "Jetzt hat man auch mehr Zeit, vorauszuplanen", sagt Vettel.

Vettel wollten den Simulator nicht zwingend

Seit wenigen Tagen steht zudem ein Rennsimulator in seinem Haus. Auf Druck von außen habe er sich den angeschafft, gesteht Vettel. Auch in der Formel 1 finden derzeit virtuelle Rennen statt, das letzte hat sein Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc gewonnen. "Ich habe da noch nicht viel Übung", sagt Vettel, zudem müsse sein Simulator erst noch richtig installiert werden. "Ich strebe keine virtuelle Karriere an, aber man will sich ja auch nicht blamieren", sagt der 32-Jährige. Er sei zwar mit Videospielen aufgewachsen, heutzutage aber sei alles viel professioneller. Und nicht unbedingt sein Lieblingszeitvertreib.

Ein wenig genießt Vettel auch die viele freie Zeit. Er nutzt sie zum Reflektieren. "Das ist eine große Möglichkeit, manche Dinge auf Anfang zurückzudrehen“, sagt Vettel. Oder um nachzudenken über die Zukunft, auch in der Formel 1. Änderungen sind hier schon länger im Gespräch. Mit dem Ziel, den Sport besser zu machen, das Feld zusammenrücken zu lassen, aber auch umweltbewusster zu werden.

"Die Probleme, die da waren, werden nach der Corona-Krise nicht verschwunden sein", sagt Vettel. So seien die Formel-1-Motoren zwar äußerst effizient, fänden aber zu selten den Eingang in die Serie. "Da ist Nachhaltigkeit natürlich sehr fraglich", sagt der viermalige Weltmeister. Er hat durch seine Zeit bei Ferrari viele intensive Kontakte zu Italienern. "Die Bilder dort sind schockierend und prägend", sagt der Heppenheimer. Deswegen: "Wir müssen alle weiter geduldig sein und verantwortungsvoll handeln."

Vertragsgespräche mit Ferrari ruhen derzeit

Die Zeit auf der Strecke fehlt ihm. Das Rennfahren. Natürlich. Die Ferrari-Fabrik in Maranello ist geschlossen, es gibt keine Möglichkeit, gerade am Auto zu arbeiten. Dabei wäre das wohl nötig gewesen, nach den Testfahrten in Barcelona sah der Ferrari nicht siegfähig aus. "Ideen und Gedanken sind ja erlaubt. Hoffentlich können wir alle Geistesblitze in die Tat umsetzen, wenn es wieder losgeht", sagt Vettel. Wobei das alles viel Zeit in Anspruch nehmen wird.

Auch seine Vertragsverhandlungen mit Ferrari ruhen gerade. Sein aktueller Kontrakt endet nach dieser Saison. "Wir sollten nun genug Zeit haben, das zu Ende zu bringen", sagt Vettel. Im Zweifel eben virtuell. Wie eine solche Konferenz funktioniert, weiß er nun ja bestens.

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