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Corona-Krise

08.06.2020

So kämpft der Profisport ums Überleben

Die Basketball-Bundesliga ist am Wochenende in ein dreiwöchiges Turnier gestartet, an dessen Ende der deutsche Meister feststeht. Möglich ist das dank eines ausgeklügelten Hygienekonzeptes. Zuschauer sind nicht zugelassen.
Bild: Ulf Duda/fotoduda.de/BBL/POOL/dpa

Die Taktiken in den großen deutschen Profi-Ligen sind sehr unterschiedlich. Nur eines haben alle gemeinsam: eine unsichere Zukunft.

Der Fußball hat es um der TV-Gelder Willen geschafft, mit seinen Profiligen den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Am Wochenende ist auch die Basketball-Bundesliga in ihr dreiwöchiges Meisterschaftsturnier eingestiegen. Dessen sportlicher Wert ist zwar mager, da mehrere Teams die Teilnahme verweigerten und zahlreiche Spieler aus den USA lieber in der Heimat blieben – die Signalwirkung ist trotzdem enorm. Fußballer und Basketballer sind weltweite Vorreiter.

Selbst Vertreter der nordamerikanischen NBA sollen nachgelesen haben, wie das ausgeklügelte Hygienekonzept der BBL funktioniert. Die stärkste Basketball-Liga der Welt will Ende Juli wieder spielen. Dazu sollen die 22 teilnehmenden Teams im Freizeitpark Disney World in Orlando kaserniert werden.

Zehn Mannschaften sind drei Wochen im Hotel kaserniert

Ganz so spektakulär geht es in Deutschland nicht zu. Aber auch dort sind die zehn Mannschaften für drei Wochen in einem Münchner Hotel von der Außenwelt abgeschnitten. Die Auflagen sind streng. Wie streng, steht in einem 48-seitigen Konzept, das im Internet heruntergeladen werden kann. Der Süddeutschen Zeitung sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz, dass er auch mit seinen Kollegen aus der Handball-Bundesliga und der Deutschen Eishockeyliga im Austausch sei. Alle basteln derzeit an Plänen, wie in dem ganzen Corona-Schlamassel wieder gespielt werden kann.

Der Fußball nimmt dabei eine Sonderrolle ein. Dort geht es in erster Linie darum, an die üppigen TV-Gelder zu kommen. Denn diese sind daran geknüpft, dass es auch etwas zu übertragen gibt. Zuschauereinnahmen spielen in der Bundesliga eine untergeordnete Rolle.

Ganz anders ist die Situation in den großen deutschen Profiligen des Eishockeys, Basketballs und Handballs. Sie leben großteils von Zuschauereinnahmen und Sponsorengeldern. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass das Finalturnier der BBL für alle Beteiligten ein finanzielles Wagnis ist. Sieben Klubs sagten gleich komplett ab, die verbliebenen zehn spielen nun den Meistertitel aus. Das Hauptargument dafür war, dass der Basketball die klaffende Lücke im Sportkalender nutzen will. Außer Fußball gibt es momentan nämlich: nichts. Das Problem könnte sein, dass die meisten Spiele der kommenden drei Wochen nur im Internet zu sehen sein werden. ARD und ZDF haben immerhin Zweit- und Drittrechte und wollen Zusammenfassungen zeigen. Es wird spannend, ob sich der riesige Aufwand für ein sportlich eher zweitrangiges Turnier lohnt.

Im Eishockey können sie entspannt sein - noch

Im Eishockey können sie nach dem Abbruch der vergangenen Saison noch einigermaßen entspannt sein. Geplanter Neustart ist Mitte September. Allerdings dürfte dieser Termin nur schwer zu halten sein. Hinter den Kulissen werden deshalb schon Szenarien entwickelt, die einen späteren Start beinhalten. Ziel ist es, die 26 Heim- und 26 Auswärtsspiele irgendwie unterzukriegen. Länderspielpausen könnten dafür gestrichen werden, englische Wochen zur Regel werden. Klar ist nur, dass Spiele ohne Zuschauer ein Draufzahlgeschäft sind. Bevor es so weit kommt, dürfte die Saison wohl eher komplett abgesagt werden.

Die wichtigste Stellschraube auf der Ausgabenseite sind die Spielergehälter. Sie machen bis zu 70 Prozent der Kosten aus. Umstritten ist der Weg, den die DEL dabei geht. 25 Prozent der Gehälter sollen gestundet werden. Nur wenn die Klubs in der kommenden Saison wirtschaften wie sonst auch, erhalten die Spieler ihr volles Gehalt. Heikel ist, dass die DEL die Lizenzvergabe daran geknüpft hat, dass alles Spieler eines Klubs diese Corona-Klausel unterschreiben. Momentan wird erbittert gestritten, erst vier Vereine haben alle Unterschriften beisammen. Viele Spieler weigern sich. Hauptkritikpunkt ist die pauschale Vorgabe, unabhängig von der finanziellen Lage des Vereins und dem Gehalt der Spieler.

Die Handballer, die ihre Saison ebenfalls abgebrochen haben, wollen einen anderen Weg gehen. Zwar werden auch dort 25 Prozent Verzicht angestrebt. Teil der Lizenzierung soll das aber nicht sein. „Das ist aus meiner Sicht eine Vereinbarung, die zu Lasten Dritter getroffen wird. Das ist nicht unser Weg“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann dem NDR. Anders als im Eishockey gibt es im Handball eine Spielergewerkschaft, mit der nun verhandelt wird. Im Basketball deuten sich ebenfalls geringere Gehälter an. Noch aber wird ja gespielt.

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