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Tennis
17.03.2020

Wie Tennis-Profi Brad Gilbert einst Boris Becker zur Verzweiflung brachte

Seine größten Erfolge feierte Brad Gilbert als Trainer von André Agassi.
Foto: Imago Images

Der US-Amerikaner Brad Gilbert war einer der unbeliebtesten Spieler auf der Tennis-Tour. Kein Trick war ihm fremd – worunter auch Boris Becker litt.

Der Typ hatte keine vernünftige Vorhand. Seine Rückhand: ein mittelmäßiger Witz. Den Aufschlag brachte er meist ins Feld. Mehr Positives lässt sich darüber aber auch nicht erzählen. Ein Kritiker bezeichnete Brad Gilbert einmal als einen „Neandertaler, der zufällig einen Tennisschläger gefunden hat“. Brad Gilbert ist wahrscheinlich der untalentierteste Spieler, der jemals aktives Mitglied der Top Ten der Tennis-Weltrangliste war.

Gilbert spielte Verletzungen vor, um Gegner zu verunsichern

„Ich weiß nicht, was härter ist: Gegen Brad zu spielen – oder ihn spielen zu sehen“, sagt André Agassi über den mittlerweile 58-Jährigen. Agassi muss es wissen. Er stand Gilbert acht Mal auf dem Court gegenüber, ehe er ihn später zu seinem Trainer machte. Agassi gewann lediglich vier seiner acht Partien gegen Gilbert. Boris Becker immerhin verließ in seinen zehn Begegnungen sechs Mal den Platz als Gewinner – eine immer noch bescheidene Quote gegen den überschaubar begabten US-Amerikaner.

Gilbert war das Kryptonit der Spitzenspieler. „Es war herrlich, ihn greinen zu hören. Ich wusste dann, dass ich gewinnen würde“, erinnert sich Gilbert an seine Duelle mit Becker. Gilbert spielte mit den Stimmungen seiner Gegner. Er nahm sich dann und wann eine Verletzungspause während des Spiels, um den Rhythmus seines Gegenübers zu brechen, ließ sich bei Aufschlägen extrem viel Zeit, starrte übertrieben lang in die Augen. Gilberts Stärke war die Schwäche seiner Gegner.

Brad Gilbert machte Agassi zur Nummer eins im Tennis

Nach seiner Karriere schrieb er ein Buch mit dem Titel „Winning ugly“ (Hässlich gewinnen). Keiner konnte das besser als er. Nie außerhalb des Regelwerks, aber den Rahmen sportlicher Konventionen ausreizend. Bis auf Platz vier der Weltrangliste brachte er es 1990 so. Für einen Grand-Slam-Titel reiche es nie, dafür immerhin für 20 Turniersiege auf der Tour. „Er war sehr stolz darauf, schlecht zu spielen und dennoch einen Weg zu finden, um zu gewinnen“, beschreibt Agassi die größte Stärke Gilberts als Spieler.

Noch besser aber sollte er als Trainer sein. Mit Gilbert als Coach holte Agassi sechs Grand-Slam-Turniere, er führte ihn von Platz 141 der Weltrangliste auf Platz eins. Acht Jahre lang bildeten die beiden ein Team auf der Profi-Tour. Anschließend begleitete er Andy Roddick zu seinem einzigen Grand-Slam-Titel und an die Spitze der Weltrangliste, ehe sich der Jungstar von ihm trennte.

Ivan Lendl war eine Nummer zu groß für Gilbert

Weil Gilbert Stars betreute, die hochtalentiert waren, konnte er darauf verzichten, ihnen die hässliche Seite des Spiels näherzubringen. Ein bisschen Taktik und etwas Psychologie genügten meist schon. Nach einem miesen Training baute er Agassi beispielsweise folgendermaßen auf: „Morgen wird es wieder besser. Ich bin ein Statistik-Typ. Ich schaue auf die Gewinnchancen und weiß, dass du auf keinen Fall schlechter spielen kannst als heute.“ Es funktionierte.

Lediglich an einem Spieler scheiterte auch Gilbert. Ivan Lendl war nicht zu knacken. Der laufenden Ballmaschine war mit Psychotricks nicht beizukommen. 16 Spiele, 16 Niederlagen. Keiner gewann hässlicher als Lendl. Nicht mal Gilbert.

Dieser Artikel ist Teil der Serie "Schwarze Schafe des Sports". Sie erscheint in loser Abfolge auf www.augsburger-allgemeine.de.

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