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Glosse

22.11.2017

Zum 50. Geburtstag der Tennislegende: Als Boris ins Allgäu kam

Der Moment des größten Triumphes: Boris Becker gewinnt am 7. Juli 1985 das Turnier in Wimbledon. Der Tag, an dem wir uns Boris zu eigen gemacht haben.
Bild: Wolfgang Eilmes, dpa

Gejammert, gelitten, getanzt: Zu seinem 50. Geburtstag fordert Herr Becker Boris zurück. Der Abschied fällt Anton Schwankhart 33 Jahre nach der Besitznahme von Boris schwer.

Lieber Herr Becker, der Abschied von Boris fällt uns schwer. Schließlich hat er uns Jahrzehnte lang begleitet. Wir haben mit ihm gejammert und gelitten, sind an ihm verzweifelt und wegen ihm um den Fernseher getanzt. Aber jetzt, da Sie 50 sind – herzlichsten Glückwunsch! – fordern Sie Boris zurück. Bitteschön!

Er gehört Ihnen. Wir haben ihn uns damals ja auch ungefragt genommen. Das Schicksal junger Helden, die sich nie selbst gehören. Für alle jetzt nur noch "Sie" und "Herr Becker".

Opa feierte an diesem 7. Juli 1985 an dem wir uns Boris zu eigen gemacht haben, seinen 89. Geburtstag nach. Ein wunderbarer Sommersonntag. Boris kam damals nicht nur nach Niederrieden ins Allgäu sondern in jeden Winkel der Republik. 17 Jahr rotblondes Jahr; erster deutscher und jüngster Wimbledonsieger überhaupt. Wer wollte da förmlich bleiben?

Sie waren unser Boris. Wer einen Tennis- von einem Golfball unterscheiden kann weiß, wo er diesen Tag erlebt hat. Es war Mondlandung in Wimbledon. In Opas Garten haben wir den Beckerhecht imitiert. Dass Sie auch später Boris blieben, war schön aber nicht immer leicht für uns. Als Sportromantiker hätten wir Sie gerne in Blutsbrüderschaft mit Michael Stich gesehen.

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Aber Sie konnten sich für "den Spieler Stich" nicht erwärmen. Genauso wenig wie für Steffi Graf, die wir uns an Ihre Seite gehofft hatten, nicht zuletzt um Ihren Reifeprozess zu beschleunigen. Was wäre Ihnen mit ihr nicht alles erspart geblieben. Aber für Sie musste es ja immer etwas Besonderes sein. Bis zu, nun ja Herr Becker, Sie wissen schon.

Was hatten wir danach für Sie abzuwehren und auszuhalten. Dabei hat doch keiner eine Ahnung, welchen Versuchungen Wimbledonsieger ausgesetzt sind. Auf diese Weise blieb Boris an Ihnen hängen wie Berti an Vogts. Der eine ist nicht groß geworden, der andere nicht erwachsen. Jetzt gibt es nur noch Herrn Becker, wohnhaft in London, angestrebte letzte Ruhestätte Wimbledon. Die Schulden, die man Ihnen zuschreibt – sorgen Sie sich nicht. Sollte London zu teuer werden, in Niederrieden ist immer ein Platz für Sie frei. Wir haben für diesen wunderbaren Wimbledon-Sommer 1985 noch etwas zurückzugeben.

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