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Deutsche Fußball-Legende
03.12.2021

Letzter "Held von Bern": Weltmeister Horst Eckel gestorben

Verstarb im Alter von 89 Jahren als letzter 54er-Weltmeister: Horst Eckel.
Foto: Bernd Thissen/dpa

Horst Eckel war der letzte Weltmeister, der vom "Wunder von Bern" erzählen konnte. Jetzt ist das Idol des 1. FC Kaiserslautern und der einst große Freund von Fritz Walter gestorben.

In der vergangenen Woche wurde Horst Eckel eine besondere Ehre zuteil. Der Weltmeister von 1954 wurde im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund in die Hall of Fame des DFB aufgenommen. Eckel gehörte zu jener legendären Nationalmannschaft um Kapitän Fritz Walter, die 1954 Weltmeister wurde und das "Wunder von Bern" vollbrachte. Der rechte Außenläufer aus der Pfalz, der Titel und Erfolge mit dem 1. FC Kaiserslautern feierte, bestritt 32 Länderspiele. Am Freitag starb er im Alter von 89 Jahren.

Sein größtes Spiel war das WM-Finale im Berner Wankdorf-Stadion gegen die Ungarn. Mit 22 Jahren war Horst Eckel der Jüngste im Nationalteam, trotzdem war der schmächtige Läufer einer der wichtigsten Spieler. Im Finale gegen die Magyaren stellte er den Top-Stürmer Nándor Hidegkúti kalt. Trainer Sepp Herberger hatte ihm diese Aufgabe anvertraut.

Horst Eckel.
Foto: Uwe Anspach/dpa

Der Spitzname Horst Eckels lautete "Windhund"

Rund um das Sommermärchen 2006 wurde Eckel, der in der ersten Elf von Bern ein unspektakulärer Fleißarbeiter mit dem Spitznamen "Windhund" war, noch auf seine alten Tage zum Medienstar. Wohl selten hat es ein Ex-Sportler mit über 70 Jahre auf so viele öffentliche Auftritte binnen weniger Wochen gebracht wie Eckel. Kein Veranstalter wollte auf den rüstigen Herrn verzichten, der sich nach der Fußball-Karriere über den zweiten Bildungsweg zum Realschullehrer für Werken, Kunst und, natürlich, Sport qualifiziert hatte.

Seit 1995 im Ruhestand, führte er zunächst ein beschauliches Leben in Vogelbach. Er spielte Tischtennis, Tennis und Fußball in Prominententeams. Auch "nuff uff de Betze", zu seinem FCK, ging er gerne – selbst als der in die dritte Liga abgestiegen war. Eckel selbst hatte nie so weit unten gespielt, nicht seit er den SC Vogelbach mit 16 Jahren verließ.

Mit 19 stand er schon in der ersten Meistermannschaft der Kaiserslauterer. 1953 kam die zweite Schale dazu. Die Karriere endete 1964 bei Röchling Völklingen. Im Saarland hatte er ab 1959 gekickt. Das Herz aber blieb immer beim FCK, für den er in 213 Spielen 64 Tore schoss.

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Mit 15 durfte Eckel bei seinem Verein in der ersten Mannschaft spielen

Seine professionelle Einstellung in Vorprofizeiten war sein Glück, hochtalentiert war er nicht. Aber ehrgeizig. Mit 15 durfte er mit ärztlicher Sondergenehmigung in der ersten Mannschaft des Sportklubs Vogelbach ran und schoss über 40 Tore – als Mittelstürmer. In der C-Klasse.

Als ihm einmal sechs Tore in einer Halbzeit gelangen, war zufällig Richard Schneider unter den Zuschauern, der Juniorentrainer und spätere Meistertrainer des 1. FCK. Der rief ihn schon am nächsten Montag an und bestellte ihn zum Probetraining. Das war 1949. Eckel kam mit dem Fahrrad – und wollte schon nach fünf Minuten wieder heim. Denn er konnte nur mit der Pike und der Innenseite schießen und war frustriert: "Ich wusste damals noch nicht, was ein Spannschlag ist. Ich dachte mir: Schnell zurück nach Vogelbach, diese Spielerei ist eine Nummer zu groß für dich."

Zum Glück war der Trainer anderer Meinung und empfahl ihn schon bald für die erste Mannschaft, die in der Oberliga spielte. Auch Eckels Debüt im Mai 1950 misslang, aber der große Fritz Walter baute ihn auf. Das trieb Eckel an. Er legte Sonderschichten nach dem Training ein, spielte zudem noch Tischtennis im Verein, fuhr morgens um sechs Uhr mit dem Zug nach Kaiserslautern, wo er bei Nähmaschinen Pfaff eine Lehre als Feinmechaniker absolvierte. Als einer von nur noch vier Helden von Bern durfte er 1958 noch einmal mit zur WM nach Schweden (vierter Platz).

Das Debüt in der DFB-Elf gab Eckel im Augsburger Rosenaustadion

Zu seinem Teamkollegen von 1954, dem Augsburger Uli Biesinger, pflegte Eckel freundschaftliche Kontakte bis zu Biesingers Tod im Jahre 2011. Fritz Walter war bereits im Juni 2002 gestorben, Eckel übernahm dessen Aufgaben in der Sepp Herberger-Stiftung. Zusammen mit einem anderen Augsburger, Helmut Haller, engagierte er sich für wohltätige Zwecke. Sie besuchten zusammen Strafgefangene und versuchten diese auf ihr Leben nach dem Gefängnis vorzubereiten.

Übrigens: Sein Debüt in der Nationalmannschaft hatte der Pfälzer Bub 1952 im Augsburger Rosenaustadion gegeben. Er war beim sensationellen 5:1-Sieg gegen die Schweiz dabei.

Eckel hinterlässt seine Frau Hannelore und zwei Töchter, Dagmar und Susanne.

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