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Augsburger Panther

13.09.2019

AEV-Trainerduo: "Der Druck, gewinnen zu müssen, ist immer da"

In den Spielen der Champions Hockey League klappte die Zusammenarbeit zwischen Jamie Bartman (links) und Tray Tuomie bereits gut.
Bild: Siegfried Kerpf

Tray Tuomie wurde vor der Saison vom Co- zum Cheftrainer. Jamie Bartman ist künftig sein Assistent. Die beiden verbindet eine alte Vorgeschichte.

Tray Tuomie, verläuft der Sommer eines Cheftrainers anders als der des Assistenten?

Tray Tuomie: Auf jeden Fall. Wir haben noch einen Spieler benötigt, ich musste die Mannschaftszusammenstellung planen. Ebenso war viel Organisatorisches mit Sportmanager Duanne Moeser zu besprechen.

Blieb Ihnen ein wenig Zeit für die Familie?

Tuomie: Ich habe mir insgesamt etwa zehn Tage frei genommen und war mit meiner Frau und meiner Tochter im Urlaub in Griechenland. Ein paar Tage ohne Eishockey zu verbringen, hat gut getan.

Und wie hat Jamie Bartman den Sommer verbracht?

Jamie Bartman: Ich war kurz bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in der Slowakei, dann ein wenig Mountainbiken in Griechenland. Dann war ich mit meinem kleinen Sohn in Medicine Hat in Kanada. Das ist meine nordamerikanische Heimat. Ansonsten war ich zu Hause, das ist in Buchenberg bei Kempten. Dort standen Bergwandern mit meinem jüngsten Sohn, der noch zu Hause wohnt, und ein wenig Golfen auf dem Programm.

Tuomie: "Ich wollte unbedingt Bartman haben"

Tray Tuomie, wie viele Bewerbungen für die Assistentenstelle gingen über Ihren Schreibtisch und warum haben Sie Jamie Bartman herausgepickt?

Tuomie: Ich habe viele Mails, SMS und Anrufe bekommen, das Interesse war groß für diese Stelle. Aber ich wollte unbedingt Bartman haben und er war in dem Moment frei. Ich freue mich, dass es jetzt gepasst hat und wir endlich miteinander arbeiten können.

Verstehen sich auf und neben dem Eis: Assistenztrainer Jamie Bartman (links) und Chefcoach Tray Tuomie gehen in ihre erste gemeinsame Panther-Saison.
Bild: Ulrich Wagner

Woher kennen Sie sich?

Tuomie: Wir haben vor vielen Jahren in einer Mannschaft aber auch oft gegeneinander gespielt. Dann habe ich für den Trainer Bartman gespielt, später sind wir als Coaches aufeinandergetroffen. Unsere Wege in Deutschland haben sich oft gekreuzt.

Jamie Bartman, wie haben Sie den Weg nach Augsburg gefunden?

Bartman: Ich war nach dem Jahr in Iserlohn noch ohne Job und als ich mit Tray telefoniert habe, war es die optimale Situation. Es spielt eine große Rolle, dass wir zwei uns gut kennen. Und zweitens ist es wichtig für mich, dass meine Familie nicht weit entfernt wohnt. So nah an Buchenberg habe ich noch nie gearbeitet. Ich habe davor nie an eine Stelle in Augsburg gedacht. Aber umso so schöner, dass es jetzt geklappt hat.

Wie würden Sie Ihren neuen Chef charakterisieren?

Bartman: Ein Top-Mensch, ehrlich, respektvoll, ein charakterlich einwandfreier Familienvater.

Und wie sieht der Chef den neuen Assistenten?

Tuomie: Ich sehe die Augsburger Panther immer als eine große Familie. Da brauchen wir Leute, die hier hereinpassen und Jamie Bartman passt herein. Außerdem verfügt er über eine langjährige Erfahrung im deutschen Eishockey und in der Deutschen Eishockey-Liga. Er hat fast in jeder Klasse gespielt und in der Topliga trainiert. Er ist bereits auf beiden Trainerstühlen gesessen, deswegen wird mir Jamie hier eine große Hilfe sein.

Wie sieht die Arbeitsteilung zwischen dem Chef und dem Assistenten aus?

Tuomie: Ich werde die letzte Entscheidung treffen, aber ich werde zuvor alle Themen mit Jamie Bartman besprechen. Es kann auch sein, dass Jamie ab und an ein Training leitet und ich werde nur beobachten. Er wird unter anderem dafür verantwortlich sein, unseren nächsten Gegner vorab zu analysieren.

Verteidiger Steffen Tölzer hat in einem Interview mit unserer Redaktion gesagt, dass die Aufteilung unter dem alten Trainer-Duo folgende war: Mike Stewart war der bad cop, der strenge Chef. Tray Tumie war eher der good cop, der verständnisvolle Typ. Müssen Sie jetzt in die Rolle des strengen Polizisten schlüpfen?

Tuomie: Ich denke nicht, dass ich mich als Mensch verstellen muss. Aber wenn ich auf dem Stuhl des Cheftrainers sitze, werde ich gewiss mal einen anderen Ton haben, den die Jungs bisher nicht gewohnt waren. Das werde ich machen, weil das zu meinem Job dazu gehört. Deswegen, sehe ich mich nicht als bad cop, wir Trainer sind ein Team. Wenn es schwere Entscheidungen zu treffen gibt, dann werden wir es tun. Es kann gut sein, dass auch Jamie Bartman einen Spieler mal in die richtige Position rücken muss.

Bartman: "Als der Spielplan herauskam, habe ich immer zuerst geschaut, wann wir in Augsburg spielen"

Jamie Bartman, als Gast sind Sie bereits unzählige Male im Curt-Frenzel-Stadion gewesen, wie hat sich das angefühlt?

Bartmann: Zunächst einmal war es arschkalt. Augsburg und Straubing waren die gefürchteten Stadien in der Liga. Als der Spielplan herauskam, habe ich immer zuerst geschaut, wann wir in Augsburg und Straubing spielen. Wenn die Spiele erst im Dezember oder später waren, habe ich geflucht. Natürlich war das immer ein Vorteil für Augsburg, weil wir die Kälte überhaupt nicht gewohnt waren. Aber mittlerweile ist alles Top hier im Curt-Frenzel-Stadion. Augsburg hat als Eishockey-Standort einen guten Namen. Der AEV ist respektiert. Nicht nur als Mannschaft und von den Ergebnissen her. Über den Klub habe ich nie etwas Negatives gehört. Auch deshalb habe ich mich gefreut, als es für mich in Augsburg geklappt hat.

Dabei rangiert Augsburg trotz einer Steigerung auf einen Jahresetat von 6,5 Millionen Euro im hinteren Drittel der DEL-Geldtabelle.

Bartman: Natürlich haben die großen Klubs mehr Geld zur Verfügung, aber das spielt nicht die entscheidende Rolle. Die Liga ist so ausgeglichen geworden. Man kann es sich nicht erlauben, zu sagen: Ach, heute geht es nur gegen Augsburg oder Straubing. Jeder weiß, dass es in jedem Spiel verdammt hart ist, sich die drei Punkte zu holen. Augsburg hat über die Jahre und vor allem auch letzte Saison bewiesen, dass man mit einem kleineren Budget die Topteams schlagen kann. Für die Panther ist es von Vorteil, dass die Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr fast komplett zusammen geblieben ist.

Nach dem überragenden dritten Vorrunden-Platz und dem Halbfinal-Einzug der Panther dürften die Erwartungen nicht zuletzt auch der eigenen Anhänger vor der neuen Saison gestiegen sein. Spüren Sie beide deswegen mehr Druck?

Tuomie: Der Druck, gewinnen zu müssen und sich in Topform zu präsentieren, ist immer da. Ich versuche, nicht zu oft daran zu denken, weil es zum Sport dazu gehört. Ich bin lange genug in dem Geschäft, um das zu wissen. Wenn man sich zu sehr auf den Druck konzentriert, dann wird es nichts, dann verkrampft man womöglich. Ich sehe das Abschneiden des Vorjahres als Herausforderung. Wir müssen hart arbeiten und als Mannschaft auftreten. Dann bin ich zuversichtlich, dass wir wieder eine gute Saison haben werden. Unsere Spieler wissen, dass sie für den Erfolg hart gearbeitet haben und sie werden versuchen, das zu wiederholen.

Bartman: Druck gehört zum Geschäft. Mannheim ist Deutscher Meister geworden und muss nun wohl die Champions Hockey League gewinnen. München war nur Zweiter in der Meisterschaft und muss jetzt Erster werden. Das ist normal, dass man sich hohe Ziele setzt. Wir freuen uns auf die Aufgabe. Was die Leute von außen sagen, nehmen wir nicht so wichtig.

Wie sehen Sie die Champions Hockey League – ein Nachteil weil die Spiele zusätzliche Belastungen bringen? Oder kann der europäische Wettbewerb ein Vorteil sein?

Tuomie: Eher ein Vorteil. Zum einen ist die erstmalige CHL-Teilnahme für den Klub und die Fans eine tolle Sache. Wir spüren die Begeisterung bei unserem Anhang. Zum anderen ist es besser, in der Champions Hockey League wirklich gefordert zu werden, statt ein Vorbereitungsspiel zu absolvieren. Nach so einer guten Saison einen anspruchsvollen Start zu haben, ist genau richtig für unsere Mannschaft.

Wer sind die Favoriten auf den Deutschen Meistertitel?

Tuomie: An erster Stelle Mannheim. München zählt für mich auch zu den Anwärtern.

Welche DEL-Klubs haben sich am besten verstärkt?

Tuomie: Wolfsburg hat sich mit dem neuen Trainer Pat Cortina einen erfahrenen Coach geholt. Auch Köln und Schwenningen haben viel getan. Aber egal, was die anderen den Sommer über veranstaltet haben: Es wird ein hartes Stück Arbeit wieder unter die besten zehn Mannschaften zu kommen und damit die Play-offs zu erreichen.

Wird es nach einem bärenstarken Jahr eine ebenso harte Arbeit, die eigene Mannschaft neu zu motivieren?

Tuomie: Das sehe ich nicht als Problem. Wir als Trainer sind gefragt, aber das sind die Spieler ebenso. Sie wollen Eishockey spielen und die gute Leistung des Vorjahres bestätigen.

Bartman: Es sieht nicht gut aus, wenn ein Spieler in einer Saison top spielt und in der nächsten Spielzeit enttäuscht. Jeder will sich bestätigen und einen überzeugenden Lebenslauf vorweisen können.

Die DEL-Saison beginnt für die Augsburger Panther an einem Freitag, dem 13. - der Unglückstag schlechthin. Oder? Wir haben fünf AEV-Spieler gefragt, wie abergläubisch sie sind.
Video: Andreas Kornes, Marina Mengele

Sie sitzen hier tagelang im Trainerzimmer Schreibtisch an Schreibtisch, ohne Tageslicht. Wenn man am Abend nach Hause geht, sagt man sich dann: Ich kann den Typen nicht mehr sehen oder gehen Sie dann gemeinsam auf ein Bier?

Tuomie: Das wird man noch sehen, die Saison ist noch zu jung. Aber in den ersten fünf Tagen sind wir abends immer auf ein Getränk gegangen, auch um ein wenig an der frischen Luft zu sein. Dann ist meine Frau gekommen und ich musste Jamie alleine lassen. Aber ich habe ihn gefragt, ob er mich schon vermisst hat.

Bartman: Mit Sicherheit werden wir nie ein Problem haben. Da sind wir beide zu offen.

Hören Sie sich auch unseren Podcast mit dem AEV-Kapitän an: Steffen Tölzer erzählt – über Dorfleben, Faustkämpfe und die CHL

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