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Wechsel nach Berlin

18.05.2012

"Bis Weihnachten ist Luhukay wieder weg"

Trainer Jos Luhukay erhält bei Hertha BSC einen Zweijahresvertrag. Foto: Oliver Mehlis
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Trainer Jos Luhukay erhält bei Hertha BSC einen Zweijahresvertrag.
Bild: dpa

Jos Luhukay und Hertha BSC Berlin - manche zweifeln, ob das passt. Vor allem die raue Hauptstadtpresse könnte zum Stolperstein für den eher zurückhaltenden Niederländer werden.

Während die Fans von Hertha BSC Berlin noch uneins sind, wie sie die Verpflichtung von Jos Luhukay bewerten sollen, schwärmen Teile der Hauptstadtpresse bereits vom "idealen Aufbauhelfer". Doch nicht alle sind überzeugt. Es gibt es auch Zweifel, dass Luhukay der Richtige für den Job bei der Hertha ist.

Einer der Skeptiker ist Andreas Rüttenauer. Den Sportredakteur der Tageszeitung taz dürfte vielen FCA-Fans noch gut in Erinnerung sein. Seine ironische Bundesliga-Kolumne mit dem Titel „Die Kicker aus der Antistadt“ rief im April heftige Reaktionen beim Augsburger Anhang hervor. Als Kenner der Berliner Fußball-Szene haben wir uns mit ihm über Jos Luhukay und seinen neuen Arbeitsplatz unterhalten.

Herr Rüttenauer, zuletzt haben Sie sich noch aus der Ferne ausgiebig mit dem FC Augsburg beschäftigt. Nun kommt mit Jos Luhukay sogar ein Protagonist der Erfolgsgeschichte zu Ihnen in die Hauptstadt. Was sich viele jedoch fragen: Passt Luhukay zur Hertha?

Rüttenauer: Nein. Überhaupt nicht. Luhukay ist ein Versuch des Managements, es nach dieser Saison ganz anders zu machen. Nach Otto Rehagel, also einem Trainer der immer im Fokus steht und alle Aufmerksamkeit auf sich lenkt, kommt nun ein zurückhaltender Fußball-Fachmann. Die Hertha ist aber darauf angewiesen, große Geschichten zu schreiben.

Was genau meinen Sie damit?

Rüttenauer: In Berlin befeuern sich die Zeitungen gegenseitig. Jeder will Geschichten, die andere nicht haben. Da wird es schwer für jemanden, der im Fußball "nur arbeiten" will.

Sie meinen also, Luhukays eher ruhige Art und sein zurückhaltender Umgang mit der Presse könnte für ihn zum Problem werden?

Rüttenauer: Ja. Das war bereits bei Lucien Favre so. Als es in seiner Amtszeit dem Ende entgegenging, und einige Spieler damit begannen, sich öffentlich über ihn lustig zu machen, hatte Favre nichts entgegenzusetzen. Luhukay sollte sich also gut vorbereiten. Berlin tickt anders: Wenn er etwa sagt "Augsburg war toll", oder "Ich hatte eine schöne Zeit in Gladbach", dann nimmt man ihm das hier übel. Dann sind die Menschen beleidigt. In Berlin ist Berlin das Schönste.

FC Augsburg - Hamburger SV
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FCA: Jos Luhukay nimmt Abschied
Bild: Fred Schöllhorn / Ulrich Wagner

Und neben der persönlichen Komponente?

Rüttenauer: Die sportliche Erwartungshaltung könnte ein Problem werden. Gehen wir davon aus, dass Berlin kommende Sasion in der 2. Liga spielt, unter dem Motto Neuaufbau: Man wird Luhukay sicherlich eine gewisse Zeit geben, wenn es aber nach einem halben Jahr immer noch nicht läuft, spielerisch nichts zu erkennen ist, wird es ungemütlich. Die gleiche Zeit und Ruhe wie in Augsburg wird Luhukay hier sicherlich nicht haben. Schlussendlich: Luhukay gilt als Produkt von Manager Michael Preetz, den viele für die ganze Misere verantwortlich machen. Mit ihm sollte man derzeit nicht in einem Boot sitzen.

Das klingt schwer nach einem harten Job, auf den sich Jos Luhukay einstellen muss. Wie lange hält er durch?

Rüttenauer: Ich glaube, bis Weihnachten ist Luhukay wieder weg. Auch wenn ich ihm das nicht wünsche. Es ist keine schöne Zeit, wenn man in Berlin als Trainer abgesägt wird.

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