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FC Bayern

09.11.2018

Bayern-Präsident Uli Hoeneß spricht von Rückzug

Seit über 30 Jahren leitet Uli Hoeneß die Geschicke des FC Bayern in unterschiedlicher Funktion. Nun ist ein Abschied von seinem Verein absehbar.
Bild: Teresa Tropf, dpa (Archiv)

Der Präsident der Münchner spricht davon, sein Amt in den nächsten drei Jahren abzugeben. Wer sein Nachfolger werden soll, ist noch völlig offen.

Uli Hoeneß überrascht gerne. Dem Präsidenten des FC Bayern gefällt es, in verdutzte Gesichter zu schauen. So war es vor wenigen Wochen, als er auf der jetzt schon legendären Pressekonferenz die Medien ansatzlos angriff und nebenbei noch eine fundierte Analyse für den Verkauf des Linksverteidigers Juan Bernat lieferte. Der habe einen gehörigen „Scheißdreck“ gespielt. Nach dem Champions-League-Spiel seiner Bayern gegen Athen verblüffte der 66-Jährige schon wieder. Diesmal ließ er Züge von Demut erkennen. Demnach sei die Führungsetage der Münchner „nicht so arrogant, wie ihr alle glaubt“. „Ihr“ – das sind die Journalisten, die den Münchnern aus unerfindlichen Gründen nachsagen, den deutschen Fußball immerzu dominieren zu wollen.

Die größte Überraschung aber lieferte Hoeneß tags darauf. Im Rahmen des sächsischen Wirtschaftsdialogs „saxxess“ in Dresden kündigte der Präsident der Münchner an, sein Amt nicht mehr allzu lange fortführen zu wollen. „Ich mache diesen Job noch zwei, drei Jahre und will meinem Nachfolger eine volle Kasse übergeben. Dann können sie mit dem Geld machen, was sie wollen“, sagte er laut Bild. Offenbar hängt die prägende Figur des FC Bayern der vergangenen 30 Jahre nicht mehr derart fest an seinem Verein, wie viele annahmen. Ginge es nach ihm selbst, würde er schon schnell seine Ämter abgeben. „Der Nachfolger sollte jemand sein, der eine menschliche Seite hat. Und einer, der aus dem Fußball kommt. Wir müssen die Eier legende Wollmilchsau suchen. Das wird schwer. Wenn ich wüsste, der oder der kann das, würde ich nächstes Jahr aufhören.“ Hoeneß ist Vorsitzender des Aufsichtsrats und Präsident des FC Bayern. In dieser Funktion ist er bis zum November 2019 gewählt.

Hoeneß kündigt Rücktritt an - wer wird sein Nachfolger?

Durch seine Rücktrittsankündigung hat Hoeneß Druck von der Mannschaft genommen. Bereits nach dem Spiel gegen Athen hatte er gesagt, dass die Münchner natürlich auch gerne ein siebtes Mal in Folge die Schale in Empfang nehmen würden, „aber wenn es mal nicht so ist, wird der FC Bayern auch nicht untergehen“. In das Spitzenspiel am Samstag in Dortmund würde die von Niko Kovac trainierte Mannschaft als Außenseiter gehen. „Wir haben eine Mannschaft, die im Umbruch ist. Wir haben einen jungen Trainer, der sich hier reinarbeiten muss. Da muss man Geduld haben“, so Hoeneß – der bislang nicht durch ein Übermaß an Geduld mit den Trainern seines Vereins aufgefallen ist.

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Mit dem Ausblick auf eine Zeit ohne den Patriarchen richtet sich der Fokus nun verstärkt auf Hoeneß – und mögliche Nachfolger. Gäbe es einen natürlichen Erben, wäre er bekannt. So aber kann nur spekuliert werden, wer die Bayern künftig derart selbstbewusst präsentieren soll, wie es bislang nur Hoeneß im Stande war. Möglicherweise zieht der Rückzug von Hoeneß größere strukturellere Umbauten nach sich. Kandidaten wie Philipp Lahm oder Oliver Kahn sind eher am operativen Geschäft interessiert denn am Repräsentieren. Dafür aber müssten Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic Teile ihrer Befugnisse abgeben.

Einmal in Laune, verblüffte Hoeneß die Zuhörer in Dresden noch ein weiteres Mal. Zur Pressekonferenz vor drei Wochen sagte er, man habe die „Wertigkeit mit dem Grundgesetz etwas zu hoch gesetzt. Dadurch bekam alles einen etwas pathetischen Anstrich.“ Einsicht bei Hoeneß. Und dann war da auch noch die Sache mit dem ehemaligen Linksverteidiger. „Ich habe den Ex-Spieler Bernat in einer Art und Weise beleidigt, die nicht in Ordnung war. Ich würde das nie mehr in der Öffentlichkeit sagen, ich würde es höchstens denken.“ Das geht ja beinahe schon als Entschuldigung durch. Der Macher des FC Bayern ist immer für eine Überraschung gut. Das soll ihm erst mal einer nachmachen. (dpa/AZ)

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