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Fußball
24.06.2014

Van Gaal grantelt: Taktikfrage überlagert Gruppensieg

Trotz der Erfolge wird Louis van Gaal für sein Spielsystem kritisiert.
Foto: Sebastiao Moreira (dpa)

Louis van Gaal hatte gerade zum ersten Mal in seiner nicht gerade erfolglosen Karriere die K.o.-Runde einer Fußball-Weltmeisterschaft erreicht, aber seiner Laune merkte man das nicht an.

Im Gegenteil, der Bondscoach der niederländischen Nationalmannschaft machte nach dem 2:0 (0:0) gegen Chile das gleiche, was seine Spieler zuvor schon auf dem Rasen getan hatten: Er verteidigte sich mit Verve und fuhr seine Krallen aus.

"Können Sie mir eine Definition von Angriffsfußball geben? Sie stellen mir eine Frage, jetzt stelle ich Ihnen eine", blaffte van Gaal einen niederländischen Journalisten an. Oder nur zwei Antworten später, die gleiche Empörung im Ton: "Mich interessiert nicht, was der Nationaltrainer von Chile sagt."

Jorge Sampaoli, ebenjener Nationaltrainer von Chile, hatte sich zuvor über die unholländische Taktik der Holländer mokiert. Dabei fielen Aussagen wie: "Wir wollten spielen, sie nicht." Oder: "Wir wollten diese Mauer einreißen, die sich vor uns aufgebaut hat."

Es ist das Irritierende an diesem niederländischen Team, dass es gerade mit drei Siegen in drei Spielen die WM-Gruppe B dominiert hat, dass es mittlerweile als ernstzunehmender Titelkandidat gilt und in Bayern-Star Arjen Robben "den besten Spieler der gesamten Vorrunde" in seinen Reihen hat, wie der frühere englische Weltklassestürmer Gary Lineker meint. Und trotzdem wird um dieses Team herum nichts so leidenschaftlich und kontrovers diskutiert wie van Gaals zugegeben sehr sicherheitsorientiertes 5-3-2-System. Als würde man den WM-Titel in den Niederlanden am Ende nicht annehmen wollen, wenn er auf diese Weise zustande käme.

"Eine Beleidigung der alt-holländischen Schule", kritisierte die Tageszeitung "Algemeen Dagblad". Das Blatt "De Volkskrant" wurde noch deutlicher und schrieb von "Poldercatenaccio mit perfektem Ergebnis". Und: "Oranje spielt wie eine Investorengesellschaft: Wenn das Resultat gut ist, kommen die Boni von selbst....Es ist noch ein bisschen schlimmer als vor vier Jahren mit Bert van Marwijk als Bondscoach. Die Spezialität war einmal: Begegnungen mit fantastischem Spiel zum Leben erwecken. Und jetzt? Erst totmachen, dann zuschlagen."

Van Gaal schien die Minuten nach dem 2:0-Sieg gegen Chile durch Tore von Leroy Fer (77.) und Memphis Depay (90.+2) für den richtigen Moment zu halten, sich noch einmal öffentlich zu rechtfertigen. Der nächste Achtelfinal-Gegner heißt Mexiko, im Viertelfinale wären dann Costa Rica, Japan oder die Elfenbeinküste vorstellbar: Die Chance, "in diesem Turnier so weit wie möglich zu kommen" (Robben), scheint auch dank oder gerade wegen der Taktik des Trainers zum Greifen nah.

"Die Sache ist: Man muss eine Mannschaft genauso spielen lassen, wie es ihren Qualitäten entspricht", meinte van Gaal. "Ich will gewinnen. Also wähle ich das System aus, von dem ich am meisten verspreche." Und außerdem, betonte der 62-Jährige: "Ich habe schon bei AZ Alkmaar so spielen lassen. Damals haben wir die Meisterschaft gewonnen." Das war unmittelbar vor seinem Wechsel zu Bayern München im Sommer 2009.

Aus van Gaals Mund klingt ein solcher Pragmatismus immer noch ungewohnt. Schließlich fiel der selbstbewusste Coach bislang eher als eine Art Hohepriester des Ballbesitz- und Dominanz-Fußballs auf. Entscheidend ist aber wie in jedem Team der Welt, dass die Spieler ihm folgen. Und dass ist bei dieser "Elftal" der Fall.

"Wir glauben an dieses System. Und zwar nicht nur die Stammspieler, sondern alle 23 Mann im Kader", sagte Routinier Dirk Kuyt. Auch Wesley Sneijder meinte: "Es ist verdammt schwer, gegen uns zu spielen. Wir wollen den Pokal holen, alles andere interessiert mich nicht."

Robbens Brillanz und van Gaals Taktik - dieser Mix könnte die Niederländer bei dieser Weltmeisterschaft weit bringen. Der Bayern-Stürmer erzielte gegen Chile zwar kein Tor, wurde aber erneut zum "Mann des Spiels" gewählt. "Neun Punkte in drei Spielen sind ein fantastisches Ergebnis - aber wir wollen an diesem Punkt nicht stoppen", sagte er. (dpa)

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