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Deutscher Fußball-Bund

10.02.2021

Wie der unscheinbare Herr Curtius ins Zentrum des DFB-Machtkampfs geriet

Friedrich Curtius (rechts) ist einer der mächtigsten Männer des DFB.
Foto: Arne Dedert, dpa

Friedrich Curtius ist als Generalsekretär des DFB gemeinhin unauffällig. Ging es nach Präsident Fritz Keller, wäre er aber trotzdem seinen Job los. Noch aber hält die Seilschaft.

Schwer vorstellbar, eine führende Rolle im großen DFB einzunehmen, ohne sich auf das Flechten von Seilschaften und Spinnen von Intrigen zu verstehen. Gegen den Vizepräsidenten Dr. Rainer Koch wurde zuletzt ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue eröffnet. Möglich war dies einzig, weil im Haus des ehemaligen Präsidenten Reinhard Grindel eine einkuvertierte, aber nicht abgeschickte Strafanzeige gegen Koch gefunden wurde. Die Beamten waren wegen eines Steuerverfahrens gegen den DFB ausgerückt. Grindel hatte seinen Posten im Deutschen Fußball-Bund 2019 wegen einer Luxus-Uhr aufgeben müssen, die ihm ein ukrainischer Sportfunktionär geschenkt hatte.   Wer die Medien über den teuren Chronografen ins Bild setzte? Unbekannt.

Hier der hemdsärmelige Fritz Keller, dort der Karrierist Friedrich Curtius

Es fällt nun aber wiederum recht leicht anzunehmen, mit welchem Gestaltungswillen Fritz Keller als neuer Präsident des DFB einstieg. Filz beseitigen, gewohnte Annehmlichkeiten kappen. Schnell hatte Keller den Generalsekretär als Paradebeispiel des alten DFB ausgemacht. Friedrich Curtius mag ein in der Öffentlichkeit kaum bekannter Mann sein, viele Fäden des DFB laufen aber bei ihm zusammen. Medienrechte, Marketing und Sponsoring: ein Fall für den Generalsekretär. Dem hemdsärmeligen Keller ist der diplomatisch versierte Curtius zu sehr Karrierist. Allerdings bietet der 45-Jährige auch kaum Angriffsfläche, weshalb Keller schon häufiger daran scheiterte, Druck aufzubauen, um ihn zum Rücktritt zu bewegen.

Curtius engagierte einst unter anderem einen Markenberater, um sich besser zu präsentieren. Einer der Slogans der Agentur: "Perception beats Performance" – Wahrnehmung schlägt Leistung. Vor einem Monat wurde schließlich öffentlich, dass der DFB eine Agentur bezahlt hat, um den Wikipedia-Eintrag Curtius’ zu überarbeiten . Kosten: mindestens 15.000 Euro. Zufälligerweise kam der Spiegel rund um eine Präsidiumssitzung des DFB an diese Information. Es ging mal wieder um die Zukunft des Generalsekretärs.

Rainer Koch ist ein mächtiger Verbündeter von Curtius beim DFB

Dass Curtius immer noch im Amt ist, hat auch mit seinen Fähigkeiten als Netzwerker zu tun. Kaum einer, der den DFB besser kennt als er. 2006 stieg der Jurist ein, wenig später war er schon Büroleiter von Wolfgang Niersbach, begleitete diesen auf dessen Weg vom Generalsekretär zum DFB-Präsidenten. Niersbach stolperte über die Sommermärchen-Affäre. Grindel fiel später. Curtius ist immer noch Generalsekretär, hat mit Vizepräsident Koch einen mächtigen Verbündeten. Ohne Seilschaft: keine Chance.

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