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Ski nordisch

22.10.2020

Ski-Meisterschaften in Oberstdorf: Allein im Stadion

Jeder Athlet, jeder Trainer, jeder Sprungrichter und jeder Medienvertreter muss einen negativen Corona-Test vorlegen, wenn er Teil dieser Meisterschaft sein will.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Plus Leere Tribünen und strengste Hygieneregeln: In Oberstdorf finden bis Sonntag deutsche Ski-Meisterschaften statt. Ein Testlauf für die große WM im Februar?

Bloß keine Blasenschwäche! Nein, Oberstdorf veranstaltet keine medizinische Fachtagung gegen übermäßigen Harndrang und etwaiges Bettnässen, sondern eine ganz normale nordische Skimeisterschaft, wie sie im südlichen Oberallgäu in den letzten Jahrzehnten dutzendfach über die Bühne gegangen ist. Doch in Pandemiezeiten ist nichts normal.

Und so wird bei der deutschen Meisterschaft im Skispringen und in der Nordischen Kombination ab diesem Donnerstag peinlich genau darauf geachtet, dass die sogenannten Bubbles, also die Blasen, für alle Teilnehmergruppen auch ja dichthalten. So wie die Zuschauer ausgesperrt werden, so soll auch das Covid-19-Virus draußen bleiben aus der riesigen und für die WM eigens umgebauten Schanzen-Anlage am Fuße des Schattenbergs.

 

Die Vorschriften für die Nordische Ski-Meisterschaft sind streng

Jeder Athlet, jeder Trainer, jeder Sprungrichter und jeder (ohnehin vorselektierte) Medienvertreter muss einen negativen Corona-Test vorlegen, wenn er Teil dieser Meisterschaft sein will. Auch eine FFP2-Maske ist zwingend vorgeschrieben. „Bloß kein Risiko eingehen“, ruft Stefan Schwarzbach, der Marketing-Geschäftsführer des Deutschen Skiverbandes (DSV), das Motto aus. Schließlich soll diese Kleinveranstaltung mit nur etwa 70 Sportlern und 50 Betreuern einen Vorgeschmack auf das geben, was im kommenden Winter auf Oberstdorf zukommt – nämlich ein außergewöhnliches Auftaktspringen zur Vierschanzentournee Ende Dezember und eine noch außergewöhnlichere Nordische Ski-Weltmeisterschaft, bei der vom 23. Februar bis 7. März über 700 Athleten bei 23 Entscheidungen um Medaillen kämpfen sollen.

Moritz Beckers-Schwarz, einer der Geschäftsführer der WM-GmbH, tut seit Wochen nichts anderes, als gebetsmühlenartig darauf hinzuweisen, dass die WM auch tatsächlich stattfindet. Sein Standardsatz: „Wir sind vertraglich ja dazu verpflichtet.“ Ein einseitiger Vertragsbruch gegenüber dem Internationalen Skiverband, den Sponsoren und den Fernsehanstalten käme für die Oberstdorfer nicht infrage.

Deshalb werden seit langem mehrere Szenarien durchgespielt, die der Corona-Pandemie Rechnung tragen. Das Wort Hygienekonzept kommt in den Gesprächen von Beckers-Schwarz fast häufiger vor als der Begriff WM, „weil davon letztlich alles abhängt“, sagt der 40-Jährige, der als ehemaliger Manager der „Arena auf Schalke“ seine Kontakte zum Fußball gerade in Corona-Zeiten nutzt. „Die Deutsche Fußball-Liga hat gezeigt, wie es weitergehen kann.“ Von Oberstdorf ausgehend hat der Deutsche Skiverband zusammen mit der Agentur Apa, die auch beim DFL-Konzept maßgeblich beteiligt war, in den vergangenen Wochen ein Sicherheitspapier ausgearbeitet, das nun am Freitag von DOSB-Präsident Alfons Hörmann deutschlandweit für alle Sportarten vorgestellt werden soll. „Damit können wir auch die Gesundheitsämter bundesweit entlasten“, sagt Schwarzbach, der an diesem Hygienekonzept mitgearbeitet hat.

 

Hörmann will auf Bundesebene noch zusätzliches Geld lockermachen

Auch Alfons Hörmann hofft auf eine Signalwirkung gegenüber der Politik. Der 60-jährige Sulzberger hatte in den letzten Wochen wiederholt darauf hingewiesen, dass auf den Profi- und Breitensport in Deutschland schwere Zeiten und Milliardenverluste zukommen könnten. Nicht alle Veranstalter hätten sich mit Ausfallversicherungen so gut abgesichert wie der DSV und die Oberstdorfer. Und doch kommen durch die aufwendigen Testreihen und die nötigen Umbauten in den Stadien massive Mehrkosten auf die Oberstdorfer zu. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat der DSV-Spitze bei einem Treffen am Dienstag in der Staatskanzlei aber schon in Aussicht gestellt, dass der Freistaat den Oberstdorfern finanziell noch einmal unter die Arme greift. Es brauche nur einen entsprechenden Antrag.

Auch Hörmann will auf Bundesebene noch zusätzliches Geld lockermachen. Cortina d’Ampezzo, Ausrichter der Alpin-WM, habe von der Regierung in Rom beispielsweise eine Garantie von 14 Millionen Euro bekommen. „Es gilt Ähnliches auszuhandeln, denn noch kann keiner sagen, ob und wie viel Zuschauer am Ende ins Stadion dürfen“, sagt Hörmann. „Eine Geister-WM ist immer noch besser als eine ausgefallene WM.“

Derweil läuft der Kartenvorverkauf für die WM „erstaunlich gut“, findet Beckers-Schwarz. 25.000 Tickets seien für die Titelkämpfe bereits verkauft. Das hieße bei einer momentan geplanten maximalen Zuschauerzahl von 2500 zehn „ausverkaufte“ WM-Bewerbe. Skispringerin Katharina Althaus blickt gelassen auf die Heim-WM: „Wir ziehen unser Ding durch, ob mit oder ohne Fans. Uns bleibt ja gar keine andere Wahl.“

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