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Die Arbeit eines Schornsteinfegers

Rund 50 Prozent seiner Arbeitszeit, so schätzt Lars Eggers, verbringt er auf dem Dach.
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Rund 50 Prozent seiner Arbeitszeit, so schätzt Lars Eggers, verbringt er auf dem Dach.
Bild: adrenalinapura, stock.adobe.com

Althergebrachtes Können trifft auf moderne Technik: Lars Eggers erzählt im Interview von seinem Beruf als Schornsteinfeger und was er daran am Liebsten mag.

Wenn Lars Eggers bei seinen Kunden klingelt, wird er eigentlich immer mit einem Lächeln begrüßt. Der 37-Jährige ist Kaminkehrermeister und Energieberater (HWK) mit Betrieb in Boos im Unterallgäu. Außerdem fungiert er als stellvertretender Obermeister und ist verantwortlich für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit der Kaminkehrerinnung Schwaben. Er beantwortete einige Fragen zu seinem Beruf.

Herr Eggers, wie lange arbeiten Sie bereits als Kaminkehrer?

Lars Eggers: Seit 1999. Bis 2002 war ich in der Lehre, damals in Schleswig-Holstein. Danach habe ich meinen Grundwehrdienst verrichtet, bin dann zehn Jahre Mitarbeiter in Schleswig-Holstein gewesen, habe nebenbei meine Meisterprüfung gemacht und bin anschließend relativ schnell mit meiner Frau nach Bayern gezogen, weil wir eine berufliche Veränderung in meinem Handwerk wollten.

Lars Eggers ist als Schornsteinfeger unterwegs.
Bild: Privat

Wie kam es zum Umzug nach Bayern?

Eggers: Wir haben immer viel Urlaub im Allgäu gemacht und über die Gewerkschaft habe ich mitbekommen, dass hier unten Leute gesucht werden. Die Entscheidung fiel uns nicht schwer. 2013 zogen wir dann ins Unterallgäu.

Wie kam es zu Ihrem Berufswunsch als Jugendlicher?

Eggers: So wie Jim Knopf Lokomotivführer werden wollte, wollte ich schon immer Schornsteinfeger werden. Als ich sieben, acht Jahre alt war, schaute ich aus dem Küchenfenster und sah den Schornsteinfeger auf dem Dach des Nachbarhauses. Ab da wollte ich Schornsteinfeger werden.

Inwiefern hat sich Ihr Beruf in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten verändert?

Eggers: Die letzten 15 Jahre ungefähr hat der Beruf mit der Änderungen durch das europäische Recht [Wegfall des Kehrmonopols 2008, Anm. d. Red.] eine komplette Kehrtwende gemacht. Früher machte man seine Meisterprüfung und bekam, wenn man auf Platz 1 der Liste angelangt war, einen frei werdenden Kehrbezirk zugeteilt. Seit zehn Jahren werden Kehrbezirke nicht mehr vergeben, man muss sich darauf bewerben. Außerdem darf man inzwischen auch nebenher andere Tätigkeiten ausüben. Ich arbeite zum Beispiel auch als Energieberater, Brandschutzbeauftragter und Brandschutztechniker.

Gibt es etwas, das heute noch (fast) genau so gemacht wird wie vor 100 Jahren?

Eggers: Ja, gibt es! Das Kehren und Reinigen hat sich nicht wirklich verändert. Früher war nur die Häufigkeit höher pro Jahr. Inzwischen lagert sich durch die modernen Anlagen weitaus weniger Ruß in den Schornsteinen ab als früher.

Wie wichtig ist es, dass auch heute noch jährlich der Kaminkehrer beispielsweise die Kamine kontrolliert und reinigt?

Eggers: Sehr. Denn wir entfernen Asche und Ruß und stellen sicher, dass es nicht zu Bränden kommen kann. Die Betriebssicherheit ist wichtig.

Wie viel Prozent Ihrer Arbeit macht die Energieberatung inzwischen aus?

Eggers: Das ist zu 100 Prozent in der täglichen Arbeit mit drin. Das kann man inzwischen nicht mehr voneinander trennen.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Eggers: Das Zusammensein mit den Kunden. Mein Bezirk ist auf dem Land, ich kenne alle meine Kunden. Ich bin immer in traditioneller schwarzer Kluft und mit Zylinder unterwegs. Wir gehen von Haus zu Haus und die Menschen freuen sich, wenn sie uns sehen. Sie drehen am Knopf, streichen mir über die Schulter. Ich mag das.

Gibt es Nachwuchsprobleme in Ihrer Branche?

Eggers: In Augsburg sieht es gut aus, in anderen Gegenden könnten es gerne mehr sein. Viele denken, dass wir eine absolute Männerdomäne sind, aber das stimmt nicht. Wir erfüllen unsere 20 bis 25 Prozent Frauenanteil. Meine besten Auszubildenden waren immer Frauen. Man muss körperlich fit sein, das ist klar. Aber es ist kein Beruf, bei dem man schwere Lasten heben muss.

Wie wichtig ist der Kaminkehrer für den Umweltschutz?

Eggers: Wir hoffen, dass wir es schaffen, die Klimawende mit herbeizuführen. Ich berate meinen Kunden auch dahingehend, in welche umweltschonende Heizungsanlage er investieren und welche Zuschüsse er vom Staat bekommen kann. Zum Beispiel ist die Umstellung von Öl auf Holzpellets oder Wärmepumpen attraktiv. Oft hilft es auch schon, einzelne Komponenten auszutauschen, um die Effizienz zu steigern. Wir erklären, was das in etwa kostet und ob sich das rechnet. Das ist wichtig. Denn die meisten Menschen investieren nur, wenn es sich finanziell rechnet. Der Vorteil, den wir haben, ist, dass wir unsere Kunden und unsere Häuser kennen.

Weitere spannende Geschichten aus unserer Beilage "Typisch Wir" finden Sie hier.

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