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Austausch

17.06.2019

Afrikanischer Besuch in Wertingen

Diese Delegation wird am 21. Juni in Wertingen eintreffen und von dort aus eine Tour durch die Region starten, um über ihr Land und ihre Lebensweise zu informieren.
Bild: Freundeskreis Sunganani

Der Freundeskreis Sunganani setzt sich für eine verstärkte Hilfe und Verständigung mit den Bewohnern Malawis ein. Nun reisen zum ersten Mal seit der Gründung vor zwölf Jahren Gäste nach Wertingen

Am 20. Juni um 6.10 Uhr ist es so weit. Am Frankfurt Airport landet dann eine Maschine der South African Airlines und fünf neugierige Malawier, zwei Frauen und drei Männer, betreten nach einem 12-stündigen Non-Stop-Flug zum ersten Mal Boden nördlich des Äquators.

Mitglieder des Freundeskreises Sunganani nehmen sie in Empfang, fahren mit ihnen in das Untergeschoss zum Bahnhof FrankfurtFlughafen und nehmen im ICE Platz in Richtung Donauwörth. Dort schließlich steigen sie in Autos um, die sie ans Ziel der über zehntausend Kilometer langen Reise – nach Wertingen – bringen. Soweit der Plan.

Der Freundeskreis wurde vor zwölf Jahren gegründet, nachdem die Wertingerin Barbara Lienert für ein Jahr Missionarin auf Zeit in Malawi gewesen war. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Austausch mit und der Hilfe von Hörgeschädigten aus dem afrikanischen Land.

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Nach einer Vorbereitungsdauer von rund einem Jahr kann nun das Besuchsprogramm für die nächsten zehn Tage seinen Lauf nehmen. Für alle Gäste stellt der Aufenthalt der fünf Malawier eine einzige Reihe überraschender Premieren dar – angefangen von dem bürokratischen Hürdenlauf der Visabeschaffung bis hin zum Interkontinentalflug und schließlich zum öffentlichen Vortrag vor einem Wertinger Publikum.

Malawi liegt etwa dreihundert Kilometer südlich des Äquators. Die geografischen Verhältnisse haben zur Folge, dass es dort quasi keine Dämmerung gibt. Nach 18 Uhr fällt stockfinstere Nacht über das Land. In Wertingen angekommen, erleben die Gäste die kürzeste Nacht und den längsten Tag. Wie werden sie diese Umstellung verkraften?

Mrs. Jere, Schwester Melia, Mr. Chikwenga, Mr. Lungu und Mr. Namacha haben ein Besuchs- und Arbeitsprogramm vor sich, das sich sehen lässt. Als Einleitung werden die Afrikaner von Bürgermeister Willy Lehmeier ins Schloss eingeladenn, um sie dort nach der Begrüßung um einen Eintrag ins Gästebuch der Stadt zu bitten. Eine besondere Ehre für die Gäste und ein für die Stadt seltener Anlass, Grüße direkt aus Afrika zu erhalten.

Dem Stadtoberhaupt ist es auch ein Anliegen, den Gästen mit dem Wertinger Weltladen das Engagement der Stadt für einen fairen Kontakt mit der sogenannten „Dritten Welt“ unter Beweis zu stellen. Der Wertinger Weltladen ist es auch, der die Arbeit des Freundeskreises und damit der „Mountain View School“ in Malawi immer wieder mit gewichtigen Geldzuwendungen Unterstützung anbietet.

Die folgenden Tage sind gefüllt mit Schulbesuchen, wo Mrs. Jeres Gruppe versucht, den Kindern und Jugendlichen das Land Malawi, seine Schulen, seine Lebensweise und sein Weltverständnis näher zu bringen. Mit bilderreichen Kurzvorträgen und Frage-Runden sollen Informationen aus erster Hand eindringlich und verständlich an die Schüler herangetragen werden. Dies ist eines der Hauptargumente des Freundeskreises für die Legitimation eines Besuchs aus Afrika: Schüler und Erwachsene kommen wie selten sonst mit „originalen“ Afrikanern in Kontakt, können Fragen stellen und Antworten erhalten, die sie, wenn überhaupt, sonst nur aus zweiter oder dritter Hand erhalten können. Damit kann es vielleicht gelingen, nachhaltig Klischees und Vorurteile abzubauen oder erst gar nicht entstehen zu lassen, hoffen die Mitglieder des Freundeskreises.

Dies wird auch der Wunsch für die Schlussveranstaltung am Freitag, 28. Juni, um 19.30 Uhr im Atrium der Anton-Rauch-Realschule sein. Beide, der Freundeskreis wie auch die malawischen Gäste, wollen mit diesem Besuch auf ein engeres, gegenseitiges Verständnis hinwirken. Umgekehrt ist es das Anliegen der Gastgeber, den Gästen aus Malawi das Leben im Speckgürtel der Erde verständlicher werden zu lassen. Für jemanden, der Wohlstand in einem Ausmaß wie in Deutschland zum ersten Mal wahrnimmt, sollte die Zeit ausreichen, zumindest die Gelegenheit für einen kritischen zweiten Blick hinter die Kulissen zu erhalten.

Die abschließende Sitzung der malawischen Gäste mit dem Freundeskreis am Abend vor der Rückreise wird Rückblick und Vorausschau zugleich sein. Eine Bestandsaufnahme beinhaltet neben gegenseitiger Dankbarkeit und Wertschätzung auch ehrliche kritische Aspekte noch optimierbarer Zusammenarbeit. Aber auch Wünsche und Anliegen sollen an diesem Abschlussabend nicht fehlen. So wird diese Reise die Nachhaltigkeit und Vitalität der Zusammenarbeit eines kleinen Vereins mit einer kleinen Schule über Ländergrenzen hinweg fördern und reichen Gewinn für beide Seiten abwerfen, hoffen die Verantwortlichen des Freundeskreises Sunganani. (pm, wz)

„Herzlich willkommen in Wertingen“ Der Gesprächsabend mit den malawischen Gästen und mit vielen Bildern am Freitag, dem 28. Juni, beginnt um 19.30 Uhr und findet im Atrium der Anton-Rauch-Realschule statt. Der Eintritt ist frei.

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