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Wertingen

01.08.2020

Als zuhause noch geschlachtet wurde

Mit diesem Fleischwolf der Firma Rieger aus den 1920er-Jahren wurde mit Hilfe der Handkurbel Wurst hergestellt.
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Mit diesem Fleischwolf der Firma Rieger aus den 1920er-Jahren wurde mit Hilfe der Handkurbel Wurst hergestellt.

Plus Die Probleme der heutigen industriellen Verarbeitung von Fleisch werden immer offensichtlicher. Ein Fleischwolf aus dem vergangenen Jahrhundert erlaubt einen Blick in die Zeit der Hausschlachtungen.

Im Juli war aufgrund der Corona-Vorfälle in den Medien viel von industriellen Schlachtbetrieben die Rede, in denen pro Tag 30000 bis 40000 Schweine verarbeitet werden. Für den Normalverbraucher eine unvorstellbare Zahl. Man bekam durch die Bilder auch einen kleinen Einblick in die Fertigung, findet Wertingens Museumsreferent Cornelius Brandelik. „Da mutet eine Zeit, in der Hausschlachtungen stattfanden, schon fast idyllisch an“. Im Juni erhielt das Heimatmuseum zwei Gerätschaften, die bei der Hausschlachtung im Einsatz waren: Einen mobilen Fleischwolf und ein Werkzeug zum Füllen von Wurst.

Auch die Wertinger Schüblige wurden mit dem Fleischwolf gemacht

Beide Geräte stammen aus den 1920er Jahren. Der Fleischwolf aus Eisen wurde von der Firma Rieger hergestellt und ist um einiges größer als der im normalen Haushalt übliche. Der Innenraum wurde aus Hygienegründen emailliert. Das Werkzeug besteht aus einer Kurbel mit der die emaillierte Schnecke gedreht wird. Sie befördert die in den Trichter eingefüllte Masse zum Aufsatz. Dabei wird die Masse verdichtet und homogenisiert. Das Prinzip ist bis heute gleich geblieben. Das Besondere am Museumsmodell ist das Schwungrad, das eine wesentliche ergonomische Erleichterung bedeutet. Vom Aufsatz kann dann die Fleischmasse in das Werkzeug zum Füllen der Wurst gepresst werden. Auf diese Weise entstehen unter anderem Kochsalami, Wienerle, Rauchwurst und die bekannten Wertinger Schüblinge.

Der Innenraum wurde aus Hygienegründen emailliert.

Letzter Nutzer dieser Geräte war Alois Wagner aus Gottmannshofen. Dessen Vater Bernhard Wagner bekam die Werkzeuge nach seiner Lehre und benutzte sie von 1927 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs, aus dem er nicht mehr heimkehrte. Seine Ehefrau hob die Gerätschaften auf und übergab sie ihrem Sohn Alois Anfang der 1970er Jahren. Er ist wie der Vater auch gelernter Metzger. Ab 1972 hat er die beiden Werkzeuge zu den Leuten für Hausschlachtungen mitgenommen. Unter anderem war er mit Hausschlachtungen auch für den Häufle-Wirt Buhl tätig. Er benutzte die beiden Werkzeuge bis 1977. Sie waren meist bei Hausschlachtungen am Wochenende im Einsatz. Oft wurden sie auch ausgeliehen. Ende der 1970er Jahre kaufte sich Alois Wagner eine größere Maschine, die er nun anstelle der alten Werkzeuge einsetzte.

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