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Wertingen

23.11.2019

Ein Stromkraftwerk auf dem Balkon - Wertingen fördert Klein-Fotovoltaikanlagen

Hier ist ein Solarmodul an einem französischen Balkon angebracht. In Wertingen werden solche Mini-Kraftwerke künftig bezuschusst.
Bild: Ulrich Weigel

Plus Die Stadt Wertingen will den Bau von Fotovoltaikanlagen finanziell unterstützen. Vor allem kleine Anlagen sollen gefördert werden. Warum der Beschluss Mietern hilft

200 Kuchen backen oder 3000 Hemden bügeln, und das ganz ohne Stromkosten. Dies machen Klein-Fotovoltaikanlagen auf Balkon oder Terrasse möglich. Im Durchschnitt generieren diese kleine Kraftanlagen, natürlich je nach Größe und Leistung, bis zu 250 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Zumindest werben die unterschiedlichen Hersteller mit dieser Ertragsangabe. Mit einem kommunalen Förderprogramm will die Stadt Wertingen ab 2020 den Bau der Mini-Kraftwerke unterstützen. Bereits im kommenden Jahr werden sowohl Klein-Fotovoltaikanlagen als auch größere Anlagen im gesamten Stadtgebiet mit einer solchen kommunalen Förderung bedacht. Bis zu 500 Euro beträgt der maximale Zuschuss.

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Das Öko-Projekt sorgt für Diskussionen

Diese Finanzspritze für die privaten Solaranlagen geht auf einen Antrag der Wertinger Grünen zurück. Stadtrat Peter Hurler brachte den Vorschlag bereits vergangene Woche im Haupt- und Finanzausschuss vor. In der jüngsten Stadtratssitzung wurde das Vorhaben fraktionsübergreifend und einstimmig genehmigt. Dennoch sorgte das Öko-Projekt unter den einzelnen Fraktionen im Stadtrat für Diskussionen.

„Es ist alles glatt gelaufen“, sagt Stadtrat Hurler zufrieden. Der Hintergrund für seinen Antrag sei der soziale Aspekt, sagt der Grünen-Politiker auf Nachfrage. Bereits in der Stadtratssitzung nannte sein Parteikollege, Fraktionsvorsitzender Ludwig Klingler, die Förderung der Klein-Fotovoltaikanlagen nicht nur als einen Beitrag zur Energiewende, sondern in erster Linie als „eine sozialpolitische Geste“. Denn so können auch Mieter den Vorteil einer eigenen, kleinen Solaranlage genießen.

Ein Stromkraftwerk auf dem Balkon - Wertingen fördert Klein-Fotovoltaikanlagen

Sie werden auf dem Balkon oder der Terrasse aufgestellt

Hettlingens Ortssprecher und Elektromeister Franz Stepan (CSU) machte im Rahmen der Diskussion auch auf die Gefahren der sogenannten Plug-in-Anlagen aufmerksam. Zur Technik: Die Mini-Fotovoltaikanlagen, die auch Plug-in-Anlagen genannt werden, bestehen aus einem oder mehreren Solarmodulen, die auf dem Balkon oder auf der Terrasse aufgestellt werden. Mit Hilfe eines Wechselrichters wird der durch die Solarmodule erzeugte Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt. Mit einem „normalen“ Stecker, gemeint ist hier ein sogenannter Schukostecker, gelangt die Sonnenenergie in das Stromnetz.

„Wenn man’s richtig macht, ist es eine super Sache“, sagt Stepan gleich vorneweg und begrüßt die Entscheidung der Stadt. Aber er will auch auf die möglichen Gefahren hinweisen. Die im Internet angebotenen Anlagen seien oftmals nicht mit einem Energiestecker versehen, erklärt Stepan auf Nachfrage. Eine mögliche Folge kann ein Stromschlag sein. Zudem bestehe die Gefahr einer Überlastung des Stromkreises, die im schlimmsten Fall zu einem Brand führe. Und auch die Problematik mit den Stromzählern ohne Rücklaufsperre sei zu bedenken, betont der Elektromeister.

Der Finanzausschuss, in dem der Antrag bereits vorab diskutiert wurde, hatte sich auf Vorschlag der CSU dafür ausgesprochen, den Antrag auszudehnen und auch größere Anlagen zu fördern. Letztendlich sollen alle privaten Solaranlagen mit bis 25 Prozent des Anschaffungspreises mit einer Deckelung von maximal 500 Euro gefördert werden, erklärt Bürgermeister Willy Lehmeier auf Nachfrage die Eckdaten. Insgesamt 5000 Euro sieht der Haushaltsplan derzeit für die Förderung vor. Der Bürgermeister versichert aber, dass bei Bedarf das Thema im Rat besprochen und das Budget gegebenenfalls aufgestockt werde. „Wir wollen allen gerecht werden“, sagt der Rathauschef.

Wahlkampfbedingter Überbietungswettbewerb?

Weniger die Sache selbst als ihre Begleiterscheinungen sorgten für Trubel im Rat. Die angeregte Erweiterung der Förderung für größere Anlagen bezeichnete Klingler als „wahlkampfbedingten Überbietungswettbewerb“ von Seiten der CSU. Und auch Hurler glaubt, dass die CSU sich mit der Unterstützung und Ergänzung seines Antrags einen „grünen Anstrich“ verleihen möchte. Für die Grünen ist klar, dass nur ein Mix aus erneuerbaren Energien die Wende in der Stromversorgung herbeiführt. Und dazu gehört die Windkraft. Klingler liegt viel an einer besseren Strom-Erzeugungsstruktur – „was wir eigentlich brauchen, sind Windkraftanlagen“. Der fehlende Windstrom könne nicht mit Fotovoltaik-Bezuschussung wett gemacht werden, bedauerte er die derzeitige Flaute auf dem Windstrom-Sektor. Und auch Hurler spricht sich ganz klar für einen „Strommix“ aus. Mit den Balkon-Solaranlagen werde nur ein kleiner Beitrag geleistet.

„Eine kleine Fotovoltaikanlage hat mehr einen symbolischen Charakter“, sagt Wertingens Zweiter Bürgermeister Johann Bröll am Telefon. Gemeinsam mit seiner Fraktion aus CSU und CSW setzte sich Bröll dafür ein, dass die kommunale Förderung auch auf größere Anlagen ausgeweitet wird. Den Vorwurf, dass die Christdemokraten nur wegen des anstehenden Wahlkampfs sich für „grüne Themen“ interessieren, lässt Bröll nicht gelten. „Das ist nicht so“, sagt er entrüstet. Die Fraktion wolle stets die ökologischen Themen vorantreiben. Dabei verweist er auch auf die geplante Zusammenarbeit mit der Jugendbewegung Fridays-for-Future.

Auf der Stadtratssitzung verkündete Bürgermeister Lehmeier auch, dass die Stadt ihre Liegenschaften mit Solaranlagen ausstatten möchte. Neben der Ausstattung des Kindergartens soll erneut geprüft werden, ob nicht auch die Stadthalle mit Solarmodulen bestückt werden kann. Bisher scheiterte das Vorhaben stets an den Auflagen des Denkmalschutzes, da die Veranstaltungshalle an historische Gebäude grenzt. (mit hek)

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