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Wertingen

09.05.2019

Eine bronzene Büste für Anton Trauner

Der Künstler Manfred Nittbaur (links) schuf die Büste, der Steinmetz Ulrich Kempter-Kaim den Sockel aus Granit, der noch nicht ganz fertig gestellt ist. Damit soll Trauner, der sich in Korea für die arme Bevölkerung einsetzte, geehrt werden.
Bild: Benjamin Reif

Der Wertinger Glaubensmann ging in den 50er-Jahren nach Korea und setzte sich dort für die Armen ein. In seiner Heimatstadt wird ihm nun eine besondere Ehre zuteil. Das Werk stammt von seinem Bekannten Manfred Nittbaur

Wenn der Wertinger Künstler Manfred Nittbaur heute an den Prälaten Anton Trauner zurückdenkt, sieht er ihn in Gedanken stets mit einem Lächeln im Gesicht. „Er war ein überaus freundlicher Mensch“, sagt Nittbaur.

Trauner ging in den 1950er-Jahren als Missionar in das damals vom Bürgerkrieg gebeutelte Korea. Im Lauf der Zeit machte er sich in der Stadt Busan als „Vater der Armen“ einen Ruf in der Bevölkerung. Lange Zeit verbreitete er den christlichen Glauben in dem asiatischen Land. Für seine Verdienste, vor allem für die Armen und Benachteiligten in der Bevölkerung Koreas, erhielt er vom ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck sogar das Bundesverdienstkreuz. Im Oktober 2017 verstarb Trauner an seinem 95. Geburtstag.

Große Ehre für den Wertinger Missionar Anton Trauner

Nun wird die Stadt Wertingen ihren vielleicht berühmtesten Sohn auf besondere Weise ehren: Vor dem Eingang zur Sakristei, an der Südseite der Stadtpfarrkirche, soll eine Büste aus Bronze aufgestellt werden, auf einer Säule aus Granit aus dem Bayerischen Wald. Der Sockel, auf dem Trauner fortan auf seine Heimatstadt blicken wird, wurde vom Wertinger Steinmetzmeister Ulrich Kempter-Kaim gefertigt. Die beiden diskutieren gemeinsam mit dem langjährigen Vorsitzenden des Missionshilfevereins Wertingen-Busan, Albert Wiesenbauer, was auf dem Sockel stehen soll. Sie einigen sich auf eine schlichte Darstellung eines Kelchs mit Hostie – ein klassisches Priestersymbol, sagt Kempter-Kaim. Darunter sind die Lebensdaten des Prälaten Trauner eingetragen. Der Künstler Nittbaur und der Steinmetz Kempter-Kaim werden an den Seiten der Steinsäule namentlich erwähnt.

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Auf dem grauen Granit wird Trauners Abbild mit lächelndem Blick in die Welt schauen. Die rund 20 Kilo schwere Büste hat Manfred Nittbaur in einem aufwendigen Verfahren im Laufe von über zwei Monaten gestaltet. Zunächst stellte sich für ihn eine wichtige Frage. „In welchem Lebensalter sollte ich ihn darstellen?“, fragte sich der Wertinger Künstler, der lange Jahre auch am Gymnasium unterrichtet hat. Als jungen Mann konnte er ihn nicht guten Gewissens darstellen, denn Trauner kam mit über 30 Jahren nach Korea und wirkte dort ja bis ins hohe Alter. Ihn vom Alter gezeichnet zu porträtieren, wollte Nittbaur ebenso wenig. Also wählte er einen Mittelweg: Er porträtierte Trauner etwa in seiner Lebensmitte, zwischen 50 und 60 Jahren. Der Gesichtsausdruck ist freundlich. Für Nittbaur durfte auch die Brille nicht fehlen, die der Missionar fast immer getragen habe. Er habe längere Zeit hin und her überlegt, ob die Brille zur Büste zwingend dazu gehöre, und sich dann dafür entschieden. Sein Zögern hatte dabei weniger gestalterische Gründe. Nittbaur hat stattdessen Sorge, dass die Brille von Vandalen beschädigt werden könnte. Die bronzene Büste wird mit einem Spezialkleber befestigt.

Um Trauners Abbild in Bronze zu gießen, schuf Nittbaur zunächst ein Abbild des Prälaten aus Ton. Diesem folgte ein Negativbild aus Gips, danach aus Silikon und in einem weiteren eine Form aus Wachs. Um dieses wurde dann die Schalung gelegt. Das Wachs wird in einem Ofen „ausgeschmolzen“. In den Hohlraum wurde schließlich in einer Firma nahe Neuötting die flüssige Bronze gegossen. Nachdem das anfangs rund 800 Grad heiße Gemisch aus Kupfer und Zinn abgekühlt und erhärtet war, war die Skulptur fertiggestellt.

Der Künstler Manfred Nittbaur hat die Skulptur kein Honorar verlangt

Schon seit den 70er-Jahren hat Nittbaur nach eigenen Angaben Erfahrungen mit Bronzeskulpturen gesammelt. So steht beispielsweise in der Realschule in Meitingen ein Abbild des von den Nazis ermordeten, pazifistischen Theologen Max-Joseph Metzger. In der Dillinger Basilika steht eine Büste Nittbaurs, die den Pater Rupert Mayer abbildet.

Manfred Nittbaur will für die Arbeit kein Geld nehmen. „Ich habe das aus großem Respekt vor Anton Trauner getan“, sagt der Wertinger Künstler. Er hat nur gute Erinnerungen an den Wertinger Glaubensmann, der regelmäßig seine Heimatstadt besuchte und Nittbaur bei ihren Zusammentreffen stets als den „lieben Herrn Nachbarn“ begrüßte. Zu Weihnachten schrieben sich der Künstler und der Glaubensmann stets gegenseitig Briefe. Nittbaur, selbst 70 Jahre alt, zeigt ein Bild, dass ihn und den stellvertretenden Landrat Alfred Schneid bei der Kommunion zeigt. Diese wurde damals noch von Anton Trauner zelebriert.

Dass Trauners Wirken ein Denkmal in seiner Heimatstadt gesetzt wird, geht auf den Wunsch der koreanischen Ordensschwestern von „Sisters of Mary“ zurück. Trauner hatte den Orden ins Leben gerufen. Anlässlich seines Todes reiste eine Delegation der Koreanerinnen im Januar 2018 nach Wertingen und äußerte diesen Wunsch auch gegenüber Bürgermeister Willy Lehmeier. Die Stadt Wertingen unterstützt den Wunsch der Glaubensschwestern mit 4000 Euro. „Dafür sind wir der Stadt sehr dankbar“, sagt Trauners langjähriger Weggefährte Albert Wiesenbauer. Die Büste wird voraussichtlich noch im Mai vor der Kirche aufgestellt.

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