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Wallfahrt

26.08.2020

Individuell zur Wertinger Napoleonstanne pilgern

„In der momentanen Zeit müssen wir kreativ denken lernen.“Ziel der Wertinger Wallfahrt wird am 6. September nicht Violau sondern die Napoleonstanne auf der Anhöhe zwischen Gottmannshofen und Hohenreichen sein. Die Menschen sind eingeladen, ganz individuell dorthin zu pilgern. Um 15 Uhr gibt es einen gemeinsamen Gottesdienst.
Bild: Birgit Hassan

Plus Wertingens Stadtpfarrer Rupert Ostermayer hat mit seinem Team einen Ersatz für die Violau-Wallfahrt kreiert. Ganz allein werden die Gläubigen allerdings nicht gelassen. Wie sie sich Impulse für ihren individuellen Weg holen können.

Traditionell wanderten, radelten, wallfahrten die Menschen aus Wertingen und Umgebung alljährlich Anfang September in Richtung Violau. Dieses Jahr musste die Wallfahrt – wie so vieles aus unserem Alltag – coronabedingt abgesagt werden. Die Absage hat Wertingens Stadtpfarrer Rupert Ostermayer aber keineswegs frustriert, sondern eher inspiriert. Gemeinsam mit seinem Team hat er eine durchaus interessante Alternative kreiert – eine individuell zu gestaltende Wallfahrt. Ziel ist am Sonntag, 6. September, die Napoleonstanne auf der Anhöhe zwischen den Wertinger Stadtteilen Gottmannshofen und Hohenreichen.

Gottesdienst in der freien Natur

Klar war seit längerem, dass alle Arten von Prozessionen und Wallfahrten bis einschließlich Ende August abzusagen sind. „Wir dürfen uns nicht gemeinsam auf den Weg machen“, erklärt Wertingens Stadtpfarrer Rupert Ostermayer die Anordnung. Darauf zu warten und zu hoffen, dass sich daran bis Anfang September etwas ändern würde, wollte der 52-jährige Priester nicht. „Eine Woche ist zum Organisieren zu knapp“, entschied er und sagte die traditionelle Violau-Wallfahrt der Wertinger Pfarreiengemeinschaft bereits frühzeitig ab.

Schon bald taucht parallel dazu der Gedanke einer ortsinternen Wallfahrt auf: „Jeder macht sich alleine auf den Weg, und wir treffen uns erst vor Ort – zu einem Gottesdienst in freier Natur.“ Wichtig war, einen geeigneten Platz als Ziel zu finden. Nach einigem Hin und Her kristallisiert sich als ideal die Fläche rund um die Napoleonstanne heraus. Als die Stadt grünes Licht dafür gibt, machen Ostermayer und seine Mitarbeiter sich an die detaillierte Planung. Persönlich soll die Wallfahrt werden und ganz individuell gestaltbar. Allein, als Familie, Nachbarn oder kleine Freundesgruppe können sich die Menschen auf den Weg machen. Wahlweise zu Fuß oder mit Fahrrad – ganz direkt oder mit beliebig vielen Umwegen.

Wallfahrtsimpulse liegen in der Wertinger Kirche auf

Ganz allein gelassen werden die Teilnehmer dabei keineswegs. „In der Kirche liegen Zettel mit Wallfahrtsimpulsen aus“, erzählt Rupert Ostermayer. In seiner Vorstellung ziehen die Menschen los, machen auf ihrer individuellen Route immer wieder Halt, lesen, beten, reden, singen miteinander oder für sich. „Alle sind gefordert, sich ihre Wallfahrt selbst zu organisieren und kreativ zu sein.“

An drei Stellen werden auch die Mitarbeiter der Pfarrei – Gemeindereferent Michael Hahn, Pfarrhelferin Rita Hilscher und Pfarrhelfer Andreas Reimann – anbieten, den Weg zu unterbrechen. Hier bekommen die Wallfahrer je nach Wunsch einen kleinen Impuls oder die Möglichkeit zum Gespräch, können laut Pfarrer Ostermayer beispielsweise erzählen, was ihnen auf ihrem Weg bisher äußerlich und innerlich begegnet ist: „Wie es bei einem Marathon Erfrischungsstationen gibt, bekommen unsere Teilnehmer geistige Erfrischungen.“

Der Pfarrer selbst will sich währenddessen auf den Gottesdienst konzentrieren. Die Menschen, die nach und nach bei der Napoleonstanne „eintrudeln“, empfangen. Ostermayer rechnet derzeit mit maximal 200 Teilnehmern.

Persönliche Erinnerungen des Wertinger Pfarrers

Bei dem 52-Jährigen tauchen im Zusammenhang mit der Wallfahrt persönliche Erinnerungen auf, beispielsweise an seine wiederholten Reisen nach Lourdes. Dafür musste er sich ebenfalls bereits zuhause vorbereiten, sprich einen Koffer packen. Für den Weg zur Napoleonstanne biete sich ebenfalls an, sich bereits zuhause vorzubereiten, statt überstürzt loszuziehen. „Indem wir uns Gedanken machen, überlegen, was wir mitnehmen, welchen Weg wir einschlagen – uns buchstäblich innerlich aufmachen.“ Ostermayer verbindet damit auch ein bewussteres Beten und ein bewussteres Dabeisein. Er hört von vielen, wie wichtig ihnen die Natur ist und wie gerne sie in der Natur unterwegs sind. „Vieles kommt dabei innerlich zum Schwingen – die Sinne weiten sich.“

Gerade in der momentanen schwierigen Zeit könnten Menschen immer wieder Unterstützung brauchen. Aufgrund der Bestimmungen müssten an den Kircheneingängen derzeit Helfer stehen. Ostermayer: „Hier ergeben sich immer wieder kleine Gespräche, die den großen Bedarf zum Reden und Austausch zeigen.“ Wie sich die Menschen auf ihrem Weg zur Napoleonstanne austauschen, bleibt ihnen selbst überlassen. „In der momentanen Zeit müssen wir kreativ denken lernen“, sagt Pfarrer Ostermayer.

Alternative bei schlechtem Wetter

Dass ausgerechnet die Napoleonstanne als Ziel auserkoren wurde, führt der Pfarrer auf rein pragmatische Gründe zurück: ein großzügiger zentral gelegener Platz, schöne geschwungene Bänke samt zweier Tische für den Gottesdienst und ein toller Ausblick. Die Schlecht-Wetter-Variante sieht einen Gottesdienst um 15 Uhr in der Stadtpfarrkirche vor. In diesem Fall würden um halb drei in allen Kirchen der Wertinger Pfarreiengemeinschaft die Glocken läuten.

Ansonsten treffen sich alle Wallfahrer – ebenfalls um 15 Uhr – zum gemeinsamen Gottesdienst auf der Anhöhe zwischen Gottmannshofen und Hohenreichen. Egal aus welcher Richtung sie kommen und wie lange sie bis dahin unterwegs waren.

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