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Wertinger Ried

29.03.2011

Kröten und Frösche wandern gefährlich

Dieses Krötenmännchen schaffte es nicht in rettendes Gewässer.
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Dieses Krötenmännchen schaffte es nicht in rettendes Gewässer.

Auf 200 Metern entlang der Feuchtbiotope sind die Tiere derzeit unterwegs. Autofahrer um Rücksicht gebeten

Wertingen „Da schon wieder eine, und hier auch!“ Hilde Kapfer zeigt auf den Boden und Reimut Kayser kann nur nickend zustimmen. Auf einer Strecke von nicht ganz 200 Metern liegen fast 20 tote Erdkrötenweibchen und -männchen.

Die Binswangerin war mit ihrem Mann Anton vergangenen Sonntag auf dem Fahrrad im Ried unterwegs und bemerkte zwischen 18 und 19 Uhr die rege Wanderung der Kröten und Frösche. „Leider mussten wir aber auch viele bereits überfahrene Tiere entdecken.“ Sie wandte sich daher an Reimut Kayser vom Bund Naturschutz in Dillingen.

Feldweg führt vorbei an neu entstandenen Feuchtbiotopen

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Wenn man vom Reutenhof, von Wertingen her kommend, geradeaus etwa 2,5 Kilometer ins Wertinger Ried fährt, dann erreicht man die Stelle. Bei den neu entstandenen Feuchtbiotopen, ausgewiesenen Brutgebieten für Vögel, führt der Feldweg vorbei. Und über diesen wandern die Grasfrösche und Erdkröten, um in den Gewässern ab zu laichen.

„Eigentlich müsste man den Weg hier sperren“, wünscht sich Hilde Kapfer und hätte es am liebsten selbst getan. „Sicher denken sich einige, das sind doch nur ein paar Kröten. Aber diese Tiere gehören ins Ried.“

Vor zehn Jahren hätten sie und ihr Mann noch einem richtigen Froschkonzert lauschen können, doch das sei längst vorbei. „Man muss sich auch nicht immer fragen, welchen Nutzwert diese Tiere haben. Sie sind Geschöpfe, die das Recht zu leben haben“, gibt Hilde Kapfer zu bedenken. Und Reimut Kayser fügt an, dass ein großes Grasfroschweibchen ungefähr 3000 Eier und eine Erdkröte bis zu 8000 Eier in sich trägt. „Es handelt sich zwar nur um ein lokales Aussterben, aber dennoch haben wir die Verpflichtung, dass wir unnötige Tötungen vermeiden. Man muss wissen, dass diese Amphibien im Haushalt der Natur eine wichtige Aufgabe erfüllen.“

Wirtschaftlich betrachtet sind sie Schädlingsbekämpfer und fressen zum Beispiel Schnecken, die wiederum die Kulturpflanzen anfressen.

Die wenigen lokalen Vorkommen an Kröten und Fröschen sollte man daher erhalten, dafür könnte man schon ein paar Wochen bekannte Wege schützen, in denen die Wanderungen stattfinden, so Kayser.

Von etwa Ende Februar, Anfang März bis Ende April in der Zeit von 18 Uhr bis 6 Uhr morgens sollte der Feldweg gesperrt sein, um die Tiere vor dem Überfahren zu bewahren.

„Es ist ja keine direkte Verbindungsstraße, der Feldweg endet. Man muss hier nicht zwingend fahren“, so Hilde Kapfer und appelliert an die Einsicht der Autofahrer, einfach einige hundert Meter früher zu parken.

„Problematisch ist, dass vor allem die Erdkröten bei heran nahenden Autos nicht wie die Säugetiere weglaufen, sondern erst recht instinktiv sitzen bleiben und sich ruhig verhalten.

Und genau dies wird ihnen zum Verhängnis. Da oft die Männchen schon auf den Weibchen sitzen, erwischt es dann auch gleich zwei auf einmal“, erklärt Reimut Kayser.

Tierschützer wünschen sich offenes Auge der Autofahrer

Da diese Marschroute der Frösche und Kröten im Ried nunmehr bekannt ist, wäre es nach den beiden Tierschützern wünschenswert, in den wenigen Wochen der Wanderung verstärkt Rücksicht zu nehmen und auch ansonsten ein offenes Auge in der Natur für die Tiere zu haben.

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