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Bayerischer Heimattag

01.07.2017

Staunen über Dillingens Schätze

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Schauen und staunen: Die Barockbibliothek der früheren Jesuiten-Universität in Dillingen war gestern anlässlich des Bayerischen Heimattages bei einer Führung erstmals nach der Renovierung wieder öffentlich zugänglich

Der Bayerische Heimattag findet im Schwäbischen Rom statt – und Gäste sind begeistert. Stadtführer erzählen, was sie an der einstigen Universitäts-Stadt fasziniert

„Stadt – Land – Fluss“ wird zwei Tage lang in Dillingen gespielt. Dies ist das Motto des Bayerischen Heimattags, der seit 1949 alle zwei Jahre in einem der sieben bayerischen Regierungsbezirke stattfindet. Dillingen bietet nach 1975 bereits zum zweiten Mal die Bühne. Der Auftakt am Freitagnachmittag in der Königstraße ist vielversprechend. Die Unterillertaler Tanzmusikanten spielen Blasmusik vom Feinsten. Und die Höchstädter Familie Lorenz erinnert in historischer Tracht an die Grafen von Dillingen. Sarah Lorenz ist dabei eine adelige Dame aus der Zeit um 1260. Der Geschichts-Studentin gefällt es, dass der Bayerische Heimattag in Dillingen stattfindet. „Stadt und Landkreis können sich hier gut präsentieren“, sagt die Höchstädterin.

Der Dillinger Heinz Wagner zählt zu den Besuchern, die das Angebot an den Ständen interessiert. „Heimat ist dort, wo dein Herz ist“, sagt Wagner. Heimattag-Organisator Michael Ritter, Mitarbeiter beim Bayerischen Landesverein für Landespflege, sagt gleich zu Beginn, dass Dillingen „eine gute Wahl“ für den Heimattag gewesen sei. Er freut sich über die gute Resonanz, denn etwa 100 Bürger haben sich für die drei Führungen bei Werner Gutmair, Peter König (beide Historischer Verein) und Akademieleiter Christoph Henzler angemeldet.

Mit Gutmair geht es zum Dillinger Schloss. „Das ist eines der bedeutendsten Bauwerke in ganz Nordschwaben“, sagt der langjährige Museumskurator. Die Emblem-Decke im kleinen Rittersaal des früheren Residenzschlosses der Augsburger Bischöfe hat es Gutmair besonders angetan, denn dort könne man programmatisch viele Lebensweisheiten lesen, die heute noch aktuell seien. Der Dillinger nennt ein paar Beispiele: „Die Rede gleiche den Gedanken“, „Sei immer besorgt bei Gunsterweisen, Schmeicheleien und übertriebenem Lob“ oder „Leiden sind Lehren“ ist dort zu lesen.

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Die Tour mit Peter König führt ins Stadt- und Hochstiftmuseum. Die Verwaltung des weltlichen Herrschaftsgebiets der Augsburger Bischöfe (des Hochstifts) lag einst in Dillingen, im heutigen Vermessungsamt. Als der Mitarbeiter des Museumsarbeitskreises vor 47 Jahren aus Münchberg im Fichtelgebirge in die Kreisstadt kam, war er seltsam berührt. „Die flache Donauebene hat mich furchtbar gestört“, sagt König. „Heute fühle ich mich aber sehr wohl, die Stadt ist für mich zur zweiten Heimat geworden“, betont der Oberfranke. „Alle sagen, diese Stadt ist einfach schön“, hat König festgestellt.

So geht es auch Christoph Henzler, dem Direktor der Akademie für Lehrerfortbildung, die in den Räumen der einstigen Jesuiten-Universität untergekommen ist. „Das ist doch der Hammer“, schwärmt der Krumbacher, als er die Gruppe von der König- in die Kardinal-von-Waldburg-Straße führt. „Da taucht dann eine Front mit einer stattlichen Länge von 250 Metern auf.“ Dillingen sei heute noch von der einstigen Residenz der Augsburger Bischöfe und der Universität geprägt.

Henzler führt in Hörsäle, den Goldenen Saal und die Studienkirche. Ein Höhepunkt ist die barocke Bibliothek der einstigen Uni, die zuletzt bei Kosten von etwa 900000 Euro renoviert wurde. Es ist das erste Mal seit der Restaurierung, dass Gäste bei einer öffentlichen Führung das Barockjuwel sehen. Die Besucher schauen und staunen. Heimatpflegerin Isolde Kalter etwa ist bis aus Neustadt bei Coburg nach Dillingen gekommen. „Dieses Städtchen gefällt mir“, sagt sie. Und die Bibliothek sei natürlich ein Traum, stellt Kalter fest, die selbst Bibliothekarin ist.

Akademiedirektor Henzler hat das Ziel ausgegeben, die Bibliothek künftig „an dem ein oder anderen Tag“ für die Bürger zu öffnen. Deshalb habe er auch sofort zugesagt, beim Bayerischen Heimattag eine Führung anzubieten. Die Öffnung der Barock-Bibliothek sei aber nicht so einfach. Die kostbaren Bücher seien in Reichweite – Exemplare könnten gestohlen werden. Der wertvolle Boden müsse geschützt werden. Und an Werktagen, so Henzler, könne er die Akademie nicht für Besucher öffnen, weil dort Lehrgänge stattfinden. Schon nach dem Auftakt sind viele Gäste des Heimattages vom Schwäbischen Rom, wie Dillingen früher gerne genannt wurde, in Bann gezogen. Monika Monnig aus Diedorf sagt: „Ich habe mich so in diese Stadt verliebt.“ Dillingen sei ein Traum. "Diese Woche"Seite 31

Am Freitagabend begann die zentrale Veranstaltung des Bayerischen Heimattages im Festsaal des Dillinger Schlosses. Dort wurde auch der neue Gedichtband des Kreisheimatpflegers Alois Sailer vorgestellt. Am Samstag gibt es Vorträge und nachmittags Führungen im Landkreis, zu denen sich Interessierte im Vorfeld angemeldet haben.

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