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Wertingen

08.05.2020

Vom Schüler zum Rektor am Wertinger Gymi

Sebastian Bürle wird der Rektor des Wertinger Gymnasiums. Er dürfte damit der jüngste Schulleiter Bayerns werden, genauere Informationen rückt das Kultusministerium nicht heraus. Die Freude über seine neue Stelle wird für ihn derzeit aber von der Leere der Schule aufgrund der Pandemie getrübt.
Bild: Benjamin Reif

Plus Mit 39 Jahren wird Sebastian Bürle am 1. August Rektor des Wertinger Gymnasiums. Er ist damit der wahrscheinlich jüngste Rektor Bayerns – und hat mit seiner Stelle ein „Heimspiel“.

Als Sebastian Bürle das erste Mal über den Fußboden des Wertinger Gymnasiums geschritten ist, hätte er sich niemals träumen lassen, dass er das auch einmal in der Funktion als Schulleiter tun würde. Dass er es einmal sein würde, der die Schüler begrüßt, und nicht andersherum, wie damals im September 1992.

„Es war aufregend“, erinnert sich Bürle. „Ich war gespannt darauf, neue Dinge zu lernen, neue Mitschüler kennenzulernen. Aber eine große Portion Ungewissheit war auch dabei.“ Er könne sich immer noch sehr gut in die Schüler hineinversetzen, wenn diese das erste Mal diese Schule betreten. Doch für ihn beginnt ab August ein gänzlich anderer Lebensabschnitt: Er wird Rektor der Schule sein, die ihn für sein Leben prägte.

Es immer noch derselbe Fußboden

Der Fußboden, auf dem die Schüler in die Aula oder zu ihren neuen Klassenzimmer gehen, ist immer noch derselbe, auf dem das Bürle einst tat. Der Rest sei heute kaum mit dem Gymnasium von vor 28 Jahren zu vergleichen. Den Trakt mit den Chemiesälen und den Räumen für die Ganztagsbetreuung gab es damals ebenso wenig wie die heutige Mensa, und die Fassade erschien noch in der typischen Humorlosigkeit der frühen 70er-Jahre. Doch die inneren Werte der Schule seien dieselben gewesen, wie Bürle sagt: „Die Leitlinien haben überdauert. Humanismus, der individuelle Blick auf jeden Schüler, das Gemeinschaftsgefühl als Schulfamilie – das hat überdauert.“

Einige der Lehrer, deren unmittelbarer Chef Bürle künftig sein wird, haben den 38-Jährigen schon zu seinen Schülerzeiten unterrichtet. Komisch oder befremdlich sei der Perspektivenwechsel aber nicht, sagt Bürle. Vergangenes Jahr kam der Ostendorfer, der mittlerweile in Thierhaupten lebt, schon als Konrektor an seine alte Schule. Seine Kollegen, jung wie alt, hätten ihm viele schöne Rückmeldungen darüber gegeben und sich mit ihm gefreut. Er wolle an der Spitze der Schule nicht nach dem Motto „Ich entscheide alles“ agieren, sagt Bürle. „Ich will den Teamgedanken vorleben, das Arbeiten innerhalb unserer schönen Schulfamilie gelingt immer gemeinsam“, sagt der begeisterte Fußballer, der für den VfL Westendorf in der Altherrenmannschaft kickt. Das sei es, was die Schule in seinen Augen zu einem großen Teil auszeichne.

Trotz seiner jungen Jahre hat der Erdkunde- und Wirtschaftslehrer schon einige Stationen hinter sich. Sechs Schulen hat er schon als Lehrer kennengelernt, etwa Mindelheim und Donauwörth. Dann folgten fünf Jahre im Kultusministerium, wo er sich schwerpunktmäßig mit der Gestaltung des neuen neunjährigen Gymnasiums beschäftigte. 2018 kam er für ein Jahr als Konrektor ans Sailer-Gymnasium, vergangenes Jahr dann als Konrektor ans Wertinger Gymi. Das Kultusministerium will nicht damit herausrücken, ob er der jüngste Rektor Bayerns wird, das lasse der Datenschutz nicht zu. Verneinen wollte es ein Sprecher des Ministeriums aber auch nicht.

Die Lebenswirklichkeit der Schüler ist anders geworden

Ob er einen anderen Blick auf die Schüler habe, als das bei älteren Kollegen der Fall ist? Einen besseren Zugang zu ihrer Lebenswirklichkeit? Das habe mit dem Alter eines Lehrers nichts zu tun, glaubt Bürle. „Das ist eine Frage der Einstellung.“ Die Lebenswirklichkeit der Schüler sei jedoch eine völlig andere als noch vor den zwei Jahrzehnten, als er selbst die Schule mit dem Abitur in der Tasche verließ. Die Digitalisierung gut zu meistern, mit all ihren Chancen und Gefahren, das sei die vielleicht größte Herausforderung für den Schulalltag. „Wir müssen hier immer mehr die Aufgabe wahrnehmen, den Schülern einen klaren Blick auf die digitalen Angebote zu vermitteln“, sagt Bürle.

Dieses Jahr ist das Jubiläumsjahr für das Wertinger Gymnasium, das vor 50 Jahren gegründet wurde. Eigentlich hätte es ein wunderschönes Jahr mit zahlreichen Aktivitäten von Schülern und Lehrern werden sollen, das die Schulfamilie wohl noch enger zusammengebracht hätte. Bürle und seine Konrektor-Kollegin Barbara Meyer waren federführend bei den Vorbereitungen dabei. Doch bekanntlich sind es wegen Corona keine normalen Zeiten, und nach einer Jubiläumsfeier ist niemandem mehr zumute. „Ich hätte mir das natürlich anders gewünscht“, sagt Bürle. Er vermisse den Anblick eines vollen Pausenhofs. Stattdessen gibt es nun auf den Gängen Pfeile auf dem Boden, welche die Gehrichtung anzeigen, um Zusammenstöße der Schüler zu vermeiden. Der „Infektionsschutz“, dieses sperrige Wort, ist allgegenwärtig geworden im Schulalltag. Doch Bürle will den optimistischen Blick wahren. „Es wird auch wieder anders. Wir werden einen anderen, schöneren Schulalltag haben.“

Viele schöne Erinnerungen

Und was war er selbst für ein Schüler? Er sei schon „öfter mal kritisch“ gewesen, sagt Bürle, aber kein Revoluzzer. Er habe sich viel eingebracht, bei der Schülerzeitung ebenso wie in der Fußballmannschaft und im Unterricht. „Ich habe viele schöne Erinnerungen aus dieser Zeit“, sagt der zurzeit noch 38-Jährige. Und er hofft, dass es den Schülern während seiner Zeit als Rektor ebenso gehen wird.

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