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Wertingen

01.07.2019

Wertingens 107-Millionen-Projekt geht an den Start

Baustellenleiter Oliver Lahr (links) und der Pressesprecher von Bayernets, Marc-Boris Rode, besichtigen die Großbaustelle bei Prettelshofen.
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Baustellenleiter Oliver Lahr (links) und der Pressesprecher von Bayernets, Marc-Boris Rode, besichtigen die Großbaustelle bei Prettelshofen.
Bild: Benjamin Reif

Plus Die Gas-Verdichterstation bei Prettelshofen ist quasi fertig. Warum der Start dennoch sehr lange dauern wird und wie man katastrophale Unfälle verhindern will.

Auf der Baustelle von Bayernets nahe Prettelshofen herrscht immer noch Hochbetrieb. Bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad schuften 80 Personen dafür, dass die Verdichterstation des Gasnetzbetreibers planmäßig fertig wird.

Derzeit sieht es dafür gut aus, sagt der Projektleiter, Oliver Lahr. Größere Schwierigkeiten gab es nicht, auch von größeren Arbeitsunfällen ist die Großbaustelle verschont geblieben. Im Juli beginnt die Inbetriebnahme der Station, die im Dezember abgeschlossen sein wird. Insgesamt wird das Projekt rund 107 Millionen Euro kosten.

Die Inbetriebnahme sei kein Zeitpunkt, sondern ein langwieriger Prozess, erklärt Lahr. In der Anlage ist viel hochtechnisches Gerät verbaut. Bevor brennbares Gas in die Anlage geleitet wird, werden die Geräte monatelang aufeinander abgestimmt und erst mit kleinsten Mengen eingespeistem Gas begonnen. Klappt alles, wird die Leistung dann graduell erhöht.

Das Herzstück der Anlage: einer von drei elektrisch betriebenen Verdichtern. In den gelb gekennzeichneten Bereichen befinden sich Turbinenschaufeln, die das Gas verdichten und damit den Druck erhöhen. In der Mitte sitzt ein Elektromotor.

Das Wertinger Großprojekt kostet 107 Millionen Euro

Wenn alles fertig ist, wird die Station das Gas, das durch die Leitungen „Nordumgehung“ und „CEL“ strömt, mit höherem Druck versorgen, so dass es weiter durch die Leitung transportiert werden kann. Für diesen Prozess gibt es drei wesentliche Schritte. Zunächst wird das Gas aus der Leitung in die Station und dort durch eine Filteranlage geleitet. Hier werden alle möglichen Verunreinigungen, etwa Kondensatstoffe oder Rostpartikel, aus dem Gas entfernt.

Danach wandert das Erdgas zum Herzstück der Anlage, den drei elektrisch betriebenen Verdichtern. Diese stehen in einer in drei Abschnitte geteilten, riesigen Halle in der Mitte der Anlage. Das Gas wird in den Verdichtern durch Turbinenschaufeln „verdichtet“, also der Druck erhöht.

Dieser Prozess benötigt große Mengen an Energie. Für den Betrieb der Verdichter wurde von der LEW extra ein Umspannwerk auf dem Gelände errichtet, das ausschließlich die Anlage mit Strom beliefert.

Im letzten Schritt vor der Rückeinspeisung ins Netz wird das frisch verdichtete und damit erhitzte Gas mit dieser Kühleinheit heruntertemperiert.
Bild: Benjamin Reif

Durch den erhöhten Druck wird das Gas heiß

Das so verdichtete Gas kann allerdings noch nicht direkt wieder in die Leitung. Durch die Verdichtung des Gases erhöht sich nämlich dessen Temperatur auf etwa 80 Grad Celsius. „Das kann man sich vorstellen wie den umgekehrten Effekt einer Deo-Dose“, sagt Lahr. Während dort der Druck des Gases bei der Freisetzung abnimmt und somit das Deo auf der Haut kühl wirkt, wird das Gas bei der Verdichtung heiß.

Deshalb muss es vor der Wieder-Einspeisung noch durch einen riesigen Kühler laufen, der mittlerweile ebenfalls schon eindrucksvoll auf dem Gelände zu sehen ist. Gäbe es diesen Schritt nicht, würden die unterirdisch verlaufenden Gasleitungen so viel Energie abgeben, dass es sich ertragsmindernd auf die Böden auswirken könnte. „Das hätten die Landwirte sicher nicht so gerne“, sagt Oliver Lahr.

Sicherheit ist auf der Anlage ebenfalls ein großes Thema. Für den Fall eines Unfalls im Rohrsystem der Anlage gibt es einen großen „Ausbläser“, der ein Stück entfernt von dem Verdichtergebäude und dem Kühlsystem steht. Jeder größere Rohrabschnitt, durch den Gas geleitet wird, hat eine Art Not-Abzweigung verbaut, die direkt zu dem Ausbläser führt.

Wenn irgendwo das Gas nicht so laufen sollte wie geplant, dann können einzelne Abschnitte oder auch das komplette Leitungssystem auf Knopfdruck durch den Ausbläser entleert werden. Bei einem Probelauf anderswo hat Lahr diesen schon in Aktion erlebt. „Das ist eine wirklich laute Angelegenheit“, sagt der Projektleiter. Das Ausblasen könne bis zu eine Stunde dauern und erzeugt ein enorm lautes Geräusch – kein Knall, sondern ein pfeifendes Lüftungsgeräusch. Das Gas entweicht dabei, ohne verbrannt zu werden, in die Luft.

Unterhalb des Verdichters verlaufen Rohrsysteme, die so konstruiert sind, dass sie sich bei Druckschwankungen leicht ausdehnen können.
Bild: Benjamin Reif

Die Wertinger Feuerwehren sollen sich mit dem Gelände vertraut machen

Für den Fall eines Stromausfalls ist ebenfalls vorgesorgt. Damit die Anlage sicher heruntergefahren werden kann, gibt es ein Dieselaggregat, das einspringen kann. Den Betrieb der Verdichter aufrecht erhalten kann dieses freilich nicht – dafür wäre ein richtiges Kraftwerk erforderlich.

Für den schlimmsten anzunehmenden Fall eines Brandes auf der Anlage wollen die Betreiber von Bayernets den Kontakt mit den Feuerwehren der umliegenden Ortschaften intensivieren. Dazu waren schon Vertreter der Feuerwehren aus Prettelshofen, Rieblingen und Wertingen zu Gast, um sich einen ersten Eindruck der Gegebenheiten vor Ort zu machen. In naher Zukunft werde zudem eine Übung mit diesen drei Feuerwehren auf dem Gelände stattfinden.

Hier geht's zum Kommentar des Redakteurs: Super: Früh die Feuerwehren ins Boot geholt

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