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Wertingen

03.12.2019

Wertinger Storchenversammlung

14 Störche auf einmal bekommt man nicht alle Tage auf ein Bild. Am Montag machte Friedrich Wiedenmann vom Wertinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten dieses Foto. Die Vögel stehen symbolisch für Geburten – in dieser Hinsicht könnte 2019 tatsächlich zu einem Rekordjahr werden.
Bild: Friedrich Wiedenmann

2019 brüteten viele der Vögel in der Region. Umweltreferent Ludwig Klingler erklärt, warum sie sich versammeln. Und in der Verwaltung ist man gespannt, ob erneut mehr Kinder zur Welt kommen.

Als Friedrich Wiedenmann am Montag sein Büro verließ, um den Kopierer im Gang zu benutzen, schweifte sein Blick kurz aus dem Fenster. Da bot sich ihm ein Anblick, wie er ihn noch nie gesehen hatte: Auf dem Dach des Wertinger Rathauses sah er Störche. Viele Störche. Schnell zückte er sein Handy, um ein Foto zu machen.

Die adretten Vögel mit den langen Beinen und Schnäbeln sind beliebte Motive für Hobbyfotografen. Doch ein Bild mit 14 Tieren hat die Wertinger Zeitung bislang noch nicht erreicht. Bemerkenswerter als die Zahl der Störche ist allerdings, dass sich diese Szene im Dezember ereignet hat, sagt Wertingens Umweltreferent und passionierter Storchenbeobachter Ludwig Klingler. Größere Ansammlungen von Störchen seien zunächst nichts außergewöhnliches, sagt Klingler. „Sie bilden immer Gruppen, wenn sie in den Süden aufbrechen.“

Nur: Es ist unwahrscheinlich, dass sich diese Gruppe von Störchen noch zu einer weiten Reise in den Süden aufmacht, glaubt Klingler. Früher sei es für die Störche Ende August bis Mitte September Zeit geworden, den langen Flug in wärmere Gefilde zu beginnen. Nicht, weil es ihnen selbst zu kalt geworden wäre. „Die Kälte selbst macht den Störchen nicht besonders viel aus“, sagt Klingler. Vielmehr waren es einst die Schneemassen, welche den Blick auf das Futter versperrte. „Störche ernähren sich nicht primär von Fröschen, sondern zu einem großen Teil von Mäusen“, sagt Klingler. Wie sollte jedoch Meister Adebar satt werden, wenn sich seine Beute unter einer vielen Zentimeter dicken Schneedecke verbergen kann?

Wertinger Storchenversammlung

Doch große Schneemengen müssen die Störche in unseren Gefilden wegen des Klimawandels längst nicht mehr jeden Winter befürchten – zumindest nicht solche Schneemassen, die monatelang liegen bleiben. Deshalb hat Klingler im Lauf der Jahre eine Verhaltensänderung bei den Vögeln beobachtet. „Viele scheinen die weite Reise in den Süden mittlerweile sein zu lassen. Oder sie fliegen nur noch eine recht kleine Strecke in den Süden.“

Ihre Urinstinkte veranlassen die Störche dennoch, sich in Gruppen zusammen zu finden. Für eine Zusammenkunft eignet sich ein hoch gelegenes großes Dach wie das des Wertinger Schlosses natürlich gut.

Wie viele der von Friedrich Wiedenmann beobachteten Tiere aus der Region stammen, kann man nicht mit Sicherheit sagen – wahrscheinlich aber einige. In diesem Jahr brüteten viele Storchenpaare in der Region. Auf dem Wertinger Kirchdach wurden zwei Storchenjunge ausgebrütet. Der Fristinger Gasthof „Storchennest“ wurde seinem Namen gerecht und bot einem Storchenpaar Platz, um gleich vier Junge auszubrüten. Weitere Nester fanden sich auf dem Lauterbacher Pfarrhof, der Zusamaltheimer Grundschule, in Wittislingen, dem Höchstädter Schloss und dem Dillinger Finanzamt. Besonders beliebt bei den Störchen war heuer die Stadt Gundelfingen, wo Vogelfreunde sich über gleich drei Nester freuen konnten.

Viel Nachwuchs also bei den Störchen im Landkreis. Die Vögel zeichnen nach alter Überlieferung auch verantwortlich dafür, wie viele Kinder geboren werden. Und in der Zusamstadt Wertingen könnte 2019 in dieser Hinsicht zu einem Rekordjahr werden. Schon das Vorjahr 2018 stellte mit seinen 95 Geburten alles zuvor dagewesene in den Schatten. Heuer wurden in den bisherigen elf Monaten 85 Neugeborene in der Zusamstadt verzeichnet. Nicht ausgeschlossen also, dass der Vorjahresrekord gebrochen wird – wie es die Storchenschar auf dem Rathaus andeuten könnte.

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