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Wir brauchen Film, Musik und Kommunikation

Wir brauchen Film, Musik und Kommunikation
Kommentar Von Birgit Alexandra Hassan
09.03.2020

Ein Film-Event im Wertinger Filmtheater zeigt womöglich auf, was bei Kinobesuchern gefragt ist. Jedenfalls herrscht großer Andrang.

Braucht das Zusamstädtle Wertingen wirklich ein eigenes Kino? Eingebettet in eine Umgebung mit mehreren Großkinos, die Filme parallel in verschiedenen Sälen anbieten. Alle locker mit dem Auto erreichbar in 12 bis 30 Minuten. Gleichzeitig werfen Beamer die Filme zuhause auf großflächige Wohnzimmerwände, bieten Fernseh-Bildschirme im XXL-Format nach kürzester Zeit die Möglichkeit, die Streifen auf DVD, Blue Ray und über Streaming-Kanäle anzuschauen. Die Beine hoch, Bier und Cola aus dem Kühlschrank, Chips und Popcorn aus dem Supermarkt. Was brauchen wir mehr?

Ausgerechnet ein Dokumentarfilm über Bäume hat am Sonntagabend gezeigt, dass viele Menschen durchaus etwas anderes wollen. In Zeiten von Corona-Fieber und Event-Absagen suchen Menschen Gemeinschaft vor der Kinoleinwand. Darauf zeigt der Film das Wesen von Bäumen und Wäldern auf. Förster Peter Wohlleben beleuchtet die „Gemeinschaft der Bäume als sozialen, kommunikativen, ja sogar empathischen Lebensraum“. Suchen das die Kinobesucher womöglich an diesem Abend ebenfalls?

Fraglich ist, ob das Wertinger Filmtheater sich regenerieren wird wie ein Baum – ganz von selbst, unendlich langsam. Wer etwas für den Wald tun will, sollte laut Wohlleben die Hände in die Tasche stecken und einfach zugucken. Für die Natur, so Wohlleben, brauchten wir keinen Naturschutz betreiben. Nicht die Natur brauche die Unterstützung, sondern wir.

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Vielleicht verhält es sich mit dem Filmtheater ganz ähnlich. Ein Film braucht uns Besucher in Wertingen vermutlich gar nicht. Doch wir brauchen sie – die kulturellen Zusammenkünfte, Film-, Musik- und Tanzangebote, kommunikative Zusammenkünfte sozusagen.

Die kleinen (Bäume) werden von den alten gestillt, heißt es in dem Film weiter. Und: „Bäume arbeiten zusammen und erreichen dadurch viel.“ Wie’s scheint, lief am Sonntag genau der passende Film.

Jetzt müssen sich die Wurzeln der über Jahrzehnte gewachsenen Institutionen nur noch mit denen der frisch motivierten Triebe verbinden, um ein tragfähiges Fundament zu bilden – sprich Kinobetreiberinnen, Stadt und Unterstützerkreis zusammenarbeiten. Einen Anfang haben sie mit dem Kino-Event und ersten ernsthaften Gesprächen am Sonntag gemacht.

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