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Coronavirus

27.01.2020

Coronavirus: Wird die Gesundheitskrise in China zur Wirtschaftskrise?

Nur noch mit Mundschutz bedient werden Kunden dieser Tage in China. Hier ein Bild vor einer Apotheke.
Bild: Xiong Qi, XinHua, dpa

China hat mit einer angeschlagenen Wirtschaft zu kämpfen. Nun drohen Einschränkungen wegen des Corona-Virus. Steht das Land nun auch vor einer Wirtschaftskrise?

Am Sonntag trat Ma Xiaowei, der Leiter der nationalen Gesundheitskommission, gleich mit zwei Hiobsbotschaften vor die internationale Presse in Peking: Zum einen würde sich die Übertragungsfähigkeit des mysteriösen Corona-Virus verbessern. Und der neuartige Erreger aus Wuhan. Dies macht eine Eindämmung ungleich schwerer, schließlich dauert es bis zu zwei Wochen, dass unwissentlich Infizierte erste Symptome der Lungenkrankheit zeigen.

Wie stark wirkt sich das Coronavirus in China auf die Wirtschaft aus?

Bereits jetzt ist deutlich, dass der Virus-Ausbruch neben der menschlichen Tragödie auch zu wirtschaftlichen Einbußen führen wird. Die Epidemie erfolgt schließlich zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Die derzeit stattfindende Ferienwoche zum chinesischen Neujahr gilt als eine der wichtigsten Perioden für den Binnenkonsum. 2019 gaben die Chinesen während dieser Zeit umgerechnet 149 Milliarden Dollar aus – vor allem in den Bereichen Gastronomie, Tourismus und Einzelhandel. Aufgrund der Quarantäne und der verunsicherten Stimmung sind genau jene Bereiche nun besonders eingebrochen.

Das wird die angeschlagene Wirtschaft weiter schwächen. Derzeit wächst diese nur mit 6,1 Prozent, so langsam wie seit 30 Jahren nicht mehr. In einer ersten Einschätzung geht der Analysedienst Economist Intelligence Unit von einem Einbruch des Wirtschaftswachstums von bis zu einem Prozentpunkt für 2020 aus. Die nächsten Tage und Wochen werden entscheidend dafür sein, ob sich die Gesundheits- auch zur Wirtschaftskrise auswächst.

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Das schätzen auch deutsche Wirtschaftsvertreter so ein. Rolf Langhammer vom Kieler Institut für Weltwirtschaft zeigt sich auf Anfrage dennoch verhalten optimistisch: „Wir können zurzeit nur den Vergleich zum Sars-Virus 2003 ziehen. Dort hielten sich die negativen Wirkungen für die chinesische Wirtschaft auch aufgrund der weltweiten Hochkonjunktur und des rasanten chinesischen Wachstums von über zehn Prozent in Grenzen.“ Heute sei das Umfeld ungünstiger, etwa wegen des niedrigeren Wachstums. Aber, so Langhammer: „Sollten die sehr drastischen Kontrollen gegen die weitere Ausbreitung greifen, schätze ich die Auswirkungen für das chinesische Wachstum moderat ein, zumal die Regierung die negativen Auswirkungen auf den Einzelhandel mit konjunkturstimulierenden Maßnahmen im Jahresverlauf kompensieren kann.“ In Deutschland müssten sich, so Langhammer, vor allem der Einzelhandel, der Tourismus und die Branchen in der Fertigwarenindustrie wappnen, die aus den betroffenen Städten zugeliefert bekommen und warten müssen, bis sich die Lage beruhigt hat.

Der Außenwirtschaftschef Volker Treier vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag erklärt, die deutsche Wirtschaft vor Ort befürchte zunächst vor allem, dass es zu weniger Geschäftsreisen nach China komme und dies den Handel indirekt treffen werde. Der Großteil der deutschen Firmen sei aber wegen des Frühlingsfestes ohnehin noch bis Ende Januar geschlossen.

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