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Personalabbau

28.10.2020

Die Lufthansa-Misere schlägt auch auf München durch

Der Flugverkehr erholt sich langsamer als erhofft. Das setzt die Lufthansa weiter unter Druck. 
Bild: Arne Dedert, dpa (Symbol)

Nachdem es in den Sommermonaten wieder mehr Flüge gegeben hat, folgt mit dem Winterflugplan eine harte Landung. Was das für die Lufthansa bedeutet.

Der Winter wird hart, so viel ist sicher. Alles andere ist bei Deutschlands schwer angeschlagener Vorzeigeairline Lufthansa weiter in der Schwebe. Noch im Sommer ging man davon aus, im vierten Quartal wieder 50 Prozent der Kapazität im Vergleich zum Vorjahr verkaufen zu können. In den Monaten Juli und August war der Flugplan wieder ausgeweitet worden. Auch die erheblichen Fixkosten konnte man drücken. Doch alle Sparbemühungen reichen nicht, wenn das Geschäft wegen einer zweiten Coronawelle sowie laufend ausgeweiteter Reisewarnungen und Quarantänebestimmungen nicht in Schwung kommt.

In den ersten neun Monaten des Jahres summierte sich der Verlust der Lufthansa auf rund 4,2 Milliarden Euro. Noch immer verliert der Konzern umgerechnet 500.000 Euro in jeder Stunde. Mittlerweile hat der Vorstand reagiert und angekündigt, im vierten Quartal quer über alle Konzernairlines nur noch maximal 25 Prozent der Vorjahreskapazität anzubieten. So soll sichergestellt werden, dass zumindest die angebotenen Flüge profitabel bleiben. 125 Flugzeuge werden oder bleiben also geparkt. Weiter gespart werden muss natürlich auch. Ersatzteile sollen künftig, wo immer möglich, aus stillgelegten Flugzeugen ausgebaut werden. Auch Büro- und Verwaltungsflächen sollen schrumpfen.

Intern kommunizieren die Führungskräfte des Konzerns regelmäßig in sogenannten Webcasts, Videoansprachen mit der Möglichkeit, anschließend Fragen zu stellen. Dort wurde den Piloten des Konzerns jüngst auch erklärt, dass die Langstrecke vorläufig schwerpunktmäßig von Frankfurt aus bedient werden soll. Insgesamt acht moderne und sparsame A350-Maschinen werden dafür von München abgezogen. Nach wie vor ist die Auslastung ein großes Problem, bei der Langstrecke liegt sie wohl nur bei rund 25 Prozent, wie ein erfahrener Pilot im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigt. Je nach weiterem Verlauf der Krise rechnet man in München nicht vor 2024 mit einer Wiederherstellung der Lufthansaflottenstärke von 2019, heißt es auch in einer aktuellen Mitteilung der Flughafengesellschaft. Die Langstreckenverbindungen können nicht beliebig gestrichen werden. Sie sind das Rückgrat des Netzwerks. Wenn sie ausfallen, sind auch viele kurze Zubringerstrecken nicht zu halten.

Die Gespräche mit den Gewerkschaften stocken seit Monaten

Eine der größten und nach wie vor ungelösten Baustellen des Vorstands ist jedoch der anvisierte Personalabbau. Weltweit sollen rund 30.000 Stellen gestrichen werden. Doch bislang gelang es erst mit der das Kabinenpersonal vertretenden Gewerkschaft UFO einen Krisenbeitrag zu verhandeln. Mit Verdi und der Vereinigung Cockpit, die die Piloten vertritt, stocken die Gespräche seit Monaten. Für große Empörung auf der Arbeitnehmerseite sorgt unter anderem die geplante Etablierung einer neuen Ferienflieger-Marke unter dem Namen Ocean. Die Gewerkschaften werfen der Konzernführung Tarifflucht auf Staatskosten vor. Denn nachdem bereits die Touristiktochter Sun Express Deutschland aufgelöst wurde und die Germanwings kurz davor stehen soll, können sich nun deren Beschäftigte bei Ocean bewerben – für neue Stellen ohne Tarifbindung.

 

„Das ist ein klassisches Instrument des Tarifdumpings“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Sven Bergelin. Zudem mache die mit Staatsgeld gerettete Lufthansa damit im Bereich der Ferienflieger den ebenfalls mit Staatsgeld gestützten Gesellschaften Condor und Tuifly Konkurrenz. In der kommenden Woche sollen die Verhandlungen zwischen Lufthansa und Gewerkschaft wieder aufgenommen werden, nachdem der Konzern im September einen Gewerkschaftsvorschlag mit Einsparungen von rund 620 Millionen Euro abgelehnt hatte. Nun gibt es ein neues Papier von Lufthansa, das aber noch „stark verhandlungsbedürftig“ sei, heißt es bei Verdi.

Für die Piloten ist weiter keine Lösung in Sicht

Auch bei den Piloten ist die Lage mit dem Wort unübersichtlich noch zurückhaltend beschrieben. Denn sowohl die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit als auch das Unternehmen haben intern offenbar Probleme, eine einheitliche Linie zu finden. Für Reibungen sorgt zudem, dass das Unternehmen auf getrennten Verhandlungen mit Cockpit und der Personalvertretung besteht. Dies erschwere die Suche nach kreativen Lösungen, sagt ein Betroffener: „Wenn die Gewerkschaft nicht über den Personalabbau verhandelt, wie soll sie dann Flexibilität bei Gehaltseinbußen zeigen?“

Mit einem freiwilligen Ausscheiden einer größeren Zahl hoch bezahlter Piloten ist wohl ebenfalls nicht zu rechnen. Für die Lufthansa wäre dies teuer: Wer vorzeitig geht, bekommt vom Unternehmen laut Tarif eine Übergangsversorgung bis zur Rente. Weil derzeit die meisten Piloten in Kurzarbeit sind, wiegen die Personalkosten aber nicht so schwer. Zudem ist die Übergangsversorgung nicht insolvenzgesichert. Das heißt, sollte der Konzern pleite gehen, bevor Betroffene das Rentenalter erreichen, müssten sie mit erheblichen Einbußen rechnen.

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