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Fendt

22.08.2020

Fendt: AGCO-Chef Richenhagen nennt Trump einen "Heißluft-Erzeuger"

Martin Riechenhagen zieht sich zum Jahresende aus dem operativen Geschäft zurück.
Bild: Imago Images

Martin Richenhagen hört nach 16 Jahren als Chef des amerikanischen AGCO-Konzerns auf. Über seine besondere Beziehung zum Traktorenhersteller Fendt.

Martin Richenhagen ist einer, der Klartext redet. Und wenn er findet, dass der mächtigste Mann der Welt seinen Job nicht gut macht, dann sagt er das auch. Einen „Heißluft-Erzeuger“ nennt er US-Präsident Trump gegenüber unserer Zeitung. Ungewöhnlich offen für einen Mann an der Spitze eines der 500 größten US–Konzerne. Zumal wenn man weiß, dass Richenhagen Mitglied im Business Council, dem prestigeträchtigsten Managerzirkel der USA, ist und den Präsidenten auch mehrfach zu Gesprächen getroffen hat.

Richenhagen: Eine ungewöhnliche Karriere geht zu Ende

Bald wird es ruhiger werden um Richenhagen. Der AGCO-Konzern hat verkündet, dass sich Richenhagen zum Jahresende aus dem operativen Geschäft zurückzieht. Damit geht eine der steilsten und ungewöhnlichsten deutschen Managerkarrieren zu Ende. Richenhagen studierte Romanistik, Theologie und Philosophie. In den frühen 1980er-Jahren war er Religionslehrer an einem Gymnasium bei Köln.

Der Zufall brachte ihn mit dem Großindustriellen Jürgen Thumann zusammen. Richenhagen wechselte in die Stahlindustrie und erklomm die Karriereleiter – bis er 2004 Chef des AGCO-Konzerns (mit Sitz in Duluth/Georgia) wurde, des weltweit drittgrößten Landmaschinenherstellers (Umsatz: neun Milliarden Dollar). Der Wechsel in die USA sorgte dafür, dass er fortan regelmäßig ins Ostallgäu reisen sollte – als oberster Chef der Konzerntochter Fendt in Marktoberdorf. Als Vorsitzender des Aufsichtsrates initiierte und unterstützte er das Wachstum der Hightech-Marke: Allein 300 Millionen Dollar flossen in das laut Konzern „effizienteste und produktivste Traktorenwerk der Welt“.

Gute Beziehungen zwischen Ostallgäu und Amerika

Die Entwicklung bei Fendt ist beeindruckend: Seit 2004 stieg der Absatz von Traktoren um über 70 Prozent (knapp 19000 Fahrzeuge 2019). Mit fast 6000 Beschäftigten an den sechs deutschen Standorten hat sich die Zahl der Mitarbeiter mehr als verdoppelt. Zudem wurde Fendt von einem Traktor-Bauer zum Landmaschinen-Vollsortimenter: Neben Traktoren, Mähdreschern, Häckslern und Ballenpressen gibt es ein breit angelegtes Futterernteprogramm.

Der Chef des AGCO-Konzerns ist einer, der stets Klartext spricht: Martin Richenhagen hört auf.
Bild: Ralf Lienert

Bei AGCO gilt Fendt als „Technologie- und Innovationsführer“. Die Bedeutung des Allgäuer Unternehmens zeigt sich auch darin, dass in Marktoberdorf das 200 Mitarbeiter starke Kompetenzzentrum des Konzerns für die Digitalisierung beheimatet ist. AGCO investiert jährlich aktuell 75 Millionen Euro in das Forschungs- und Entwicklungszentrum. Und so steht zu erwarten, dass sich unter dem neuen AGCO-Chef Eric Hansotia die guten Beziehungen zwischen Amerika und Ostallgäu fortsetzen.

Füße hochlegen? Für Richenhagen keine Option!

Schon 2016 war abgemacht worden, dass Richenhagen bis Ende 2020 an der Spitze des Konzerns bleibt. Der 68-Jährige hatte also Zeit, sich auf den Ruhestand einzustellen. Die Füße hochlegen wird er eher nicht: Richenhagen sitzt im Aufsichtsrat des Linde-Konzerns, ist Vorsitzender des renommierten Thinktanks AICGS für die deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Und dann gibt es ja noch die Pferde. Richenhagen ritt lange Zeit Dressur auf höchstem Niveau und blieb der Reiterei immer treu. So war er 2008 Chef der deutschen Equipe bei den Reiterwettbewerben der Olympischen Spiele in Peking. Und mit seiner Frau betreibt er in der Nähe von Atlanta ein Gestüt.

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