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Interview

11.01.2019

Kuka-Chef Mohnen zum Jobabbau: "Wir müssen das tun"

Kuka-Chef Peter Mohnen kündigt einen Sparkurs an.
Bild: Bild: Ulrich Wagner

Plus Die Ankündigung von Stellenstreichungen verwundert. Peter Mohnen erklärt, warum in Augsburg trotz der Job-Garantie der Chinesen Arbeitsplätze wegfallen.

Herr Mohnen, Sie kündigen Personalmaßnahmen an. Wie hart wird der geplante Stellenabbau Augsburg treffen?

Peter Mohnen: Noch wissen wir im Kuka-Vorstand erst, dass es zu Personalanpassungen kommen wird – und das nicht nur, aber auch in Augsburg. Wir müssen das tun, nachdem sich die Auftragseingänge nicht so positiv entwickeln, wie wir das ursprünglich angenommen haben. Wir müssen also unsere Kapazitäten anpassen, wenn unsere Kunden nicht so investieren wie erwartet.

Aber noch einmal: Wird Augsburg mit seinen 4000 Arbeitsplätzen besonders hart personell bluten müssen?

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Mohnen: Erst kommt die Analyse und dann die Aktion. Wir erörtern erst einmal die Lage, treffen dann im Vorstand Entscheidungen und sprechen dann wiederum mit den Arbeitnehmervertretern über Personalmaßnahmen. Und erst nach diesen Gesprächen wird die Presse informiert.

Geht das nicht schneller?

Mohnen: Es wird keine Schnellschüsse geben. Die Analyse und der anschließende Austausch mit den Arbeitnehmervertretern sind mir extrem wichtig.

Doch die Ankündigung von Stellenstreichungen verwundert. Die Vertreter des chinesischen Kuka-Eigentümers Midea haben doch in einer Investorenvereinbarung hoch und heilig geschworen, dass sie die Beschäftigung auch in Augsburg garantieren. Ist also der Vertrag nicht sein Papier wert?

Mohnen: Dazu muss man wissen, dass nicht Midea das nun angekündigte Effizienzprogramm von über 300 Millionen Euro beschlossen hat, sondern der Kuka-Vorstand in Augsburg. Wir müssen uns schnell auf das härtere Umfeld einstellen. Daher sind wir auch in Augsburg durch die rückläufige Nachfrage dazu gezwungen, Kapazitäten anzupassen, also auch Stellen abzubauen. Über diese Entscheidung haben wir danach den Kuka-Aufsichtsrat und damit die in diesem Gremium sitzenden Midea-Vertreter informiert. Wir als Vorstand haben die Verantwortung und die Pflicht, Entscheidungen zu treffen – und das tun wir unabhängig von Midea.

Und was ist mit der Beschäftigungsgarantie von Midea?

Mohnen: Was wir als Kuka-Vorstand nun machen, hat nichts mit der Beschäftigungsgarantie von Midea zu tun. Diese im Investorenvertrag bis 2023 festgelegten Garantien sichern, dass Midea uns als Kuka-Vorstand nicht anweisen kann, etwa Personalmaßnahmen vorzunehmen. Meine Botschaft lautet also: Wir müssen jetzt bei Kuka die Herausforderungen meistern und unsere Hausaufgaben machen. Aber klar ist auch: Nur weil wir jetzt einmal eine schwierige Phase erleben, dürfen wir nicht überreagieren.

Investieren Sie weiter in Augsburg? Hier wurde ja 2017 ein Programm von gut 100 Millionen Euro beschlossen. Bauen Sie etwa – wie versprochen – den 17-stöckigen und 80 Meter hohen Kuka-Turm in der Stadt?

Mohnen: Wir halten als Kuka an unserem Rekord-Investitionsprogramm von rund 500 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren fest und zwar weltweit. Wir machen keinen Kompromiss, was die Zukunftssicherheit von Kuka angeht. Das gilt auch für den Standort Augsburg. Schließlich arbeiten 800 bis 900 unserer Mitarbeiter in Augsburg in Container-Büros. Sie brauchen ordentliche Arbeitsplätze.

Immer wieder wurde spekuliert, Kuka könne sich vom Anlagenbau trennen und auf die Robotik konzentrieren. Gibt es dafür Pläne? Und was ist mit der dritten Sparte, der Logistik? Steht sie zur Disposition?

Mohnen: Wir stellen die Kuka nicht infrage. Wir bieten ein breites Spektrum und sind im Zusammenspiel der Sparten sehr gut für die Fabrik der Zukunft gerüstet.

Zur Person: Peter Mohnen, 50, lebt in München. Der verheiratete Vater von drei Kindern nennt die Familie sein größtes Hobby. Der Manager ist auch sportlich und läuft gerne, auch beim Augsburger Firmenlauf wurde er schon gesichtet. Lesen und Reisen gehört auch zu seinen Hobbys. Seit 2012 war er Finanzchef von Kuka und seit 6. Dezember 2018 Vorstandsvorsitzender der Aktiengesellschaft.

Hier lesen Sie die Analyse unseres Chefkorrespondenten Stefan Stahl zum Thema: Erst Osram, dann Kuka: Der Pessimismus wächst

Auch in der aktuellen Folge unseres Podcasts "Bayern-Versteher" geht es um Kuka. Stahl, der das Unternehmen bereits seit vielen Jahren intensiv beobachtet, analysiert gemeinsam mit Michael Stifter, Leiter des Ressorts Politik und Wirtschaft, die Lage beim Augsburger Roboterbauer. Hier können Sie reinhören:

 

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12.01.2019

"... warum in Augsburg trotz der Job-Garantie der Chinesen Arbeitsplätze wegfallen."
Wie blauäugig muss man sein um so eine Aussage ernst zu nehmen? Die Chinesen wollen nichts anderes als das "know-how" und ein paar Maschinchen aus dem Park, alles andere haben sie selbst im Überfluß um die Welt damit zu beliefern! Langsam kommen die Beschwichtigungen und Gier nach Kohle der Verantwortlichen dieses Deals ans Tageslicht. Man wird seine Wunder erst noch erleben, das ist nur der Anfang des Niederganges.

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11.01.2019

Nein, müssen sie nicht. Das machen nur Unternehmen, denen die Angestellten und Arbeiter vollkommen egal sind !

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