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28.12.2017

Media-Markt-Gründer Kellerhals: Vom Ofenverkäufer zum Milliardär

Dieses Foto von Erich Kellerhals und seiner Frau Helga entstand im August dieses Jahres. An Weihnachten ist der Unternehmer und Media-Markt-Mitgründer aus Ingolstadt verstorben.
Bild: Franz Neumayr, dpa

Der Ingolstädter Erich Kellerhals gründete zusammen mit seiner Frau Helga und zwei Partnern die Elektro-Kette Media Markt. Nun ist der Unternehmer gestorben.

Die Lebensgeschichte von Erich Kellerhals erinnert an einen Hollywood-Film: Ohne Ausbildung schaffte er es zum Multimilliardär. Er brachte sich alles selbst bei: Technikverständnis, Billanzenlesen und Jura. So wurde er einer der reichsten Deutschen. Denn Kellerhals hatte zur richtigen Zeit die richtige Idee. Zusammen mit seiner Ehefrau Helga und den Partner Walter Gunz und Leopold Steifel gründete er die Elektro-Markt-Kette Media Markt. Am 25. Dezember ist Kellerhals im Alter von 78 Jahren im Kreis seiner Familie verstorben. Das bestätigte ein Sprecher seiner Vermögensverwaltungs-Firma Convergenta gestern.

1979 gründete Kellerhals den ersten Media Markt

Sein Erfolg begann 1963. Damals eröffnete der geborene Ingolstädter in seiner Heimatstadt zusammen mit seiner Frau ein Geschäft, in dem sie Fahrräder, Elektrogeräte und Öfen verkauften. Nach und nach wuchs der Betrieb und hatte irgendwann fünf Filialen in Bayern. Richtig erfolgreich wurde das Ehepaar Kellerhals, als sie sich mit Gunz und Stiefel zusammentaten und in München den ersten Media Markt eröffneten. Eine Neuheit in der damaligen Handelslandschaft. Denn der Laden verkaufte alles vom Rasierer bis zur Waschmaschine und das zu günstigeren Preisen als die Mitbewerber. Ein Grund: Statt auf Innenstädte setzte Media Markt von Anfang an auf die Stadtrandlage, wo die Mieten billiger waren. In kurzer Zeit wuchs die Zahl der Filialen und der Mitarbeiter. Ein Erfolgsgarant: Die Geschäftsführer der jeweiligen Märkte waren am Unternehmen beteiligt – und damit motivierter.

1988 dann wurde Media Markt von der Kaufhof Warenhaus AG übernommen, die die Elektronikkette Saturn in die Ehe einbringt. Mit diesem Verkauf beginnt die eigentliche Expansion – in Deutschland und international. Heute verfügt die Media-Saturn-Gruppe über mehr als 1000 Läden in Europa und ist in neun Ländern Marktführer.

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Vier Jahre nach dem Verkauf zog sich Kellerhals aus der Unternehmensführung zurück, behielt aber 21,67 Prozent der Anteile – und ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen, das er sich vertraglich garantieren ließ. Daran ändert sich nichts, als die Kaufhof AG in der neu gegründeten Metro AG aufgeht. Doch als der Online-Handel das erfolgsverwöhnte Unternehmen in Turbulenzen stürzt und die Umsätze einbrechen, wird Kellerhals’ Vetorecht zum Streitpunkt zwischen ihm und der Metro-Führung – zunächst unter Vorstandschef Eckhard Cordes, dann unter Olaf Koch.

Jahrelang stritt sich Kellerhals mit der Metro-Gruppe

Kellerhals hält wenig von der Kompetenz der Metro-Führung und sieht „sein“ Unternehmen auf falschem Kurs. Die Metro empfindet Kellerhals als Bremser, der die Neuausrichtung im Online-Handel und China-Geschäft behindert. Der Streit eskaliert: Cordes versucht, die Macht von Kellerhals zu beschneiden – und der wehrt sich erbittert. „Das war eine Kriegserklärung“, sagte Kellerhals in einem Gespräch mit der Zeit. Die Folge: Es kommt zu einer Flut von Gerichtsverfahren zwischen Kellerhals und der Metro, bei denen meist Metro siegt.

Auch die im Juli 2017 vollzogene Aufspaltung der Metro in eine Lebensmittel- und eine Elektroniksparte kann Kellerhals, der damals schon lange in Salzburg wohnte, trotz einer Klage nicht verhindern. In der öffentlichen Berichterstattung fühlt sich der Unternehmer missverstanden und falsch dargestellt. Er gibt selten Interviews, schildert seine Ansichten aber auf einem eigenen Blog.

Mit dem Tod des Unternehmers war der Streit kurz vergessen. Die Metro betonte: „Wir haben mit Betroffenheit vom Tod von Erich Kellerhals erfahren.“ Und hob die „unternehmerische Leistung“ des Kontrahenten hervor. Der Vorstand des Media-Markt-Mutterkonzerns Ceconomy zollte der „bemerkenswerten Unternehmerpersönlichkeit“ Respekt. (hhc, dpa)

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