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Augsburg

19.02.2020

Nach nur dreieinhalb Monaten: Kuka trennt sich von Technik-Chef

Kuka-Roboter finden sich in vielen Unternehmen.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Peter Hofmann verlässt nach kurzer Zeit den Augsburger Automatisierungsspezialisten Kuka. Grund sollen unterschiedliche Auffassungen in der Führungsspitze gewesen sein.

Noch vor kurzer Zeit hatte der Roboter- und Anlagenbauer Kuka große Hoffnungen mit dem neuen Technik-Vorstand Peter Hofmann verbunden. "Peter Hofmann ergänzt mit seinen übergreifenden Technologie-Kenntnissen den Kuka-Vorstand ideal", schwärmte Aufsichtsratschef Andy Gu, als im August 2019 die Entscheidung zugunsten von Hofmann fiel. Im November hatte der Manager dann seine Arbeit in Augsburg angetreten. Jetzt kommt nach nur dreieinhalb Monaten der Knall: Kuka trennt sich von Hofmann. Der Aufsichtsrat des Unternehmens und Technik-Vorstand Professor Peter Hofmann hätten sich am Mittwoch entschieden, "die Zusammenarbeit aus persönlichen Gründen zu beenden", teilte das Unternehmen am gleichen Tag mit. Eine dürre Nachricht, hinter der nach Informationen unserer Zeitung offenbar ein größerer Streit steckt.

Hofmann, 1964 im baden-württembergischen Tuttlingen geboren, war im Herbst vom Maschinenbauer Krones gekommen. Dort war er zuständig für Forschung, Entwicklung und Digitalisierung. An der TU Dresden ist Hofmann zudem 2003 zum Honorarprofessor für mechatronische Systeme im Automobil berufen worden. Mit ihm war bei Kuka anscheinend der Anspruch verbunden, das Unternehmen technisch stärker nach vorne zu bringen.

Der Posten des CTO war erst geschaffen worden

Hofmann bekam dafür eine Doppelfunktion bei Kuka: Zum einen wurde er als Chief Technology Officer (CTO) Teil des Vorstands, dem auch Vorstandschef Peter Mohnen und Finanzchef Andreas Pabst angehören. Diese Position war bei Kuka neu geschaffen worden. Daneben arbeitete Hofmann als Geschäftsführer des Bereichs Forschung und Entwicklung in einem besonderen Geschäftsbereich von Kuka – der Robotik. Hier sollte Hofmann Innovationen vorantreiben. Neben der Robotik gibt es bei Kuka andere Geschäftsbereiche, darunter den Anlagenbau oder die Logistiktochter Swisslog. Die Robotik hat aber besondere Bedeutung für die Augsburger, die in erster Linie als Roboterbauer bekannt sind.

Die Doppelfunktion Hofmanns scheint bei der jetzigen Trennung eine wichtige Rolle zu spielen. Dies wird nicht offen angesprochen, ist aber aus Kreisen des Unternehmens zu hören. Demnach muss es zwischen Vorstandschef Peter Mohnen und Hofmann Differenzen gegeben haben, wo der Schwerpunkt von Hofmanns Arbeit liegt. Dem Vernehmen nach wünschte sich der Vorstand vor allem ein Engagement in der Robotik-Sparte, weniger auf Vorstandsebene.

Kuka: Differenzen um Ämterausübung? 

Als es über die Art der Ausübung der beiden Ämter keine Einigung gab, soll Vorstandschef Mohnen selbst die "Notbremse" gezogen haben. Der Aufsichtsrat des Unternehmens habe der Trennung zugestimmt. Im Rahmen eines Vertrages hätten sich Kuka und Hofmann einvernehmlich getrennt.

Hofmanns schneller Abschied nach nur drei Monaten erinnert daran, dass sich das Unternehmen bereits im November 2018 vorzeitig und überraschend vom langjährigen Chef Till Reuter getrennt hatte. Davor, im Jahr 2016, hatte der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea Kuka übernommen. Aus Firmenkreisen heißt es aber, dass die chinesischen Eigentümer für den Abschied Hofmanns nicht ausschlaggebend gewesen seien. Die Entscheidung habe Unternehmenschef Mohnen getroffen und anschließend mit dem Aufsichtsrat abgestimmt.

Peter Hofmann muss nach kurzer Zeit bei Kuka als CTO gehen.
Bild: Kuka

Kuka spürt anhaltend schwache globale Konjunktur

Kuka durchlebt angesichts der Abkühlung in der Weltkonjunktur und der Schwäche in der Auto-Industrie derzeit eine schwierige Phase. Im dritten Quartal 2019 verbuchte der Automatisierungsspezialist einen Auftragsrückgang von 16,7 Prozent, stark betroffen war insbesondere der Bereich Robotik. Der Umsatz im dritten Quartal war aber leicht auf 832,9 Millionen Euro gestiegen, der Gewinn vor Zinsen und Steuern legte deutlich auf 35,6 Millionen Euro zu. Um wirtschaftlich zu bleiben, hat Kuka davor ein Sparprogramm aufgesetzt. Im Frühjahr 2019 teilte das Unternehmen mit, dass am Hauptsitz in Augsburg 350 Vollzeitstellen gestrichen werden sollten.

Kuka-Chef Mohnen bedankte sich beim scheidenden Technik-Vorstand: "Wir danken Peter Hofmann für seinen Einsatz und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute." Innovation und Technologie seien für Kuka von zentraler Bedeutung. Daher konzentriere man sich auf eine zeitnahe Nachfolgeregelung für die Robotiksparte.

Herauszulesen ist, dass es zwar einen neuen Technik-Chef für die Robotik geben soll. Den Posten des CTO auf Vorstandsebene will Kuka aber vorerst wohl nicht mehr besetzen. Einen Nachfolger für Peter Hofmann als Geschäftsführer der Robotik-Sparte habe man zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht, heißt es aus dem Unternehmen.

Der Augsburger IG-Metall-Chef und Kuka-Aufsichtsrat Michael Leppek sagte unserer Redaktion, er bedauere die Trennung. Andererseits sei dies etwas, was auch in anderen Unternehmen vorkommen könne. "Manchmal passt es nicht, das ist dann so", sagt Leppek und blickt schon wieder in die Zukunft: "Wichtig ist, dass wir jetzt wieder einen technischen Experten für die Robotik finden, der uns bei den Innovationen weiterbringt."

Lesen Sie dazu auch: Kuka schrieb mit Robotern "made in Augsburg" Geschichte 

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