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Ingolstadt

19.03.2019

Sinkende Absatzzahlen: Audi streicht Nachtschicht

Audi streicht in Ingolstadt eine Dauernachtschicht.
Bild: Gebert, dpa (Archiv)

Der schwächelnde Autohersteller Audi treibt seinen Sparkurs voran. In Ingolstadt soll ab Mai eine Dauernachtschicht entfallen. Grund ist die sinkende Auslastung.

Audi reagiert auf die sinkende Nachfrage und streicht am Standort Ingolstadt eine Dauernachtschicht auf der Montaglinie eins. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher unserer Redaktion am Dienstagmorgen. Betroffen sind laut Audi rund 450 Mitarbeiter, die direkt an der Montagelinie arbeiten, sowie eine unbestimmte Zahl von Beschäftigten aus angrenzenden Bereichen. Die Mitarbeiter seien am Montagabend von ihren Vorgesetzten informiert worden. Für sie werde nun nach Lösungen gesucht. Details sollen in den nächsten Tagen und Wochen gemeinsam zwischen Fachbereichen, Personalwesen und Betriebsrat ausgearbeitet werden. Ziel sei die Umsetzung im Mai.

Die Unternehmensführung von Audi hatte im Februar offiziell beantragt, eine Dauernachtschicht in Ingolstadt zu streichen. Am Montag einigte sich die Standortleitung nun offenbar mit dem Betriebsrat auf die Bedingungen und den Entfall der Nachtschicht. "Das reduzierte Produktionsvolumen am Standort Ingolstadt lässt sich ohne diese Dauernachtschicht langfristig erreichen und stellt so eine wirtschaftlichere Schichtfahrweise sicher", heißt es in einer Mitteilung an die Belegschaft. Die Mitarbeiter aus der Dauernachtschicht würden zudem für "die aktuellen Herausforderungen neuer Fahrzeugprojekte wie den Neuanlauf der Audi A3 Limousine und des Audi A3 Sportback dringend gebraucht".

Audi-Betriebsrat betont Beschäftigungssicherung bis 2025

Der Audi-Betriebsrat teilte am Dienstagvormittag, die Auflösung der Nachtschicht erfolge sozialverträglich zugunsten der betroffenen Kollegen. Das Unternehmen habe "glaubwürdige" Planungsunterlagen zur Auslastung des Werkes Ingolstadt für die kommenden Jahre vorgelegt, wonach sich nach heutigem Stand mit neun Schichten eine unwirtschaftliche Fahrweise ergibt.

"Die aktuelle Lage ist nicht von der Belegschaft verschuldet", so der Audi-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Mosch. "Die Bewältigung der 'Dieselkrise' sowie der gleichzeitig stattfindende Umbruch zu neuen Mobilitätskonzepten sind große Herausforderungen" In diesem Zusammenhang weist der Betriebsrat ausdrücklich auf die vom Vorstand gegenüber der Belegschaft gemachten Zusagen vom November 2017 hin. Und zwar die Beschäftigungssicherung bis 2025 einzuhalten, die Einrüstung von E-Fahrzeugen an beiden deutschen Standorten umzusetzen sowie die Auslastung der Werke sicherzustellen." Für die 61.000 Audi-Beschäftigten im Stammwerk Ingolstadt und im württembergischen Neckarsulm gilt noch bis 2025 ein Kündigungsschutz.

Audi will Personal abbauen und in E-Mobilität investieren

Audi hatte im vergangenen Jahr wegen Problemen bei der Umstellung auf den neuen Abgasmessstandard WLTP nur noch 1,8 Millionen Autos verkauft und ist damit weit hinter die Konkurrenten Mercedes und BMW zurückgefallen. Der Umsatz sank auf 59,2 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn brach um 24 Prozent ein auf 3,53 Milliarden Euro. Diesel-Nachrüstungen und das von der Münchner Justiz wegen Manipulation der Abgaswerte verhängte Bußgeld schlugen mit 1,2 Milliarden Euro zu Buche.

Audi setzte seine E-Offensive systematisch fort und zeigt auf dem Genfer Automobilsalon vier Modelle mit reinem Elektroantrieb, die bis Ende 2020 ihre Premiere in der Serienversion feiern. Mit dem Audi Q4 e-tron concept zeigt Audi ein kompaktes, viertüriges SUV, dessen Verwandtschaft zum Audi e-tron auf den ersten Blick erkennbar ist. Zwei Elektromotoren sorgen für 225 kW Systemleistung. Dank Allradantrieb absolviert das Konzeptfahrzeug den Sprint von null auf 100 km/h in nur 6,3 Sekunden. Mit einer Akkukapazität von 82 Kilowattstunden kommt der Q4 e-tron concept so auf eine Reichweite von mehr als 450 Kilometern.
Video: wesat-tv

Mit einem harten Sparprogramm und Stellenabbau will Audi-Chef Bram Schot sein Unternehmen nun wieder auf Kurs bringen. Unter anderem soll das mittlere Management ausgedünnt, Schichten, Zulagen, Modell- und Motorvarianten unter die Lupe genommen, die Aufgaben zwischen den Werken neu verteilt und gemeinsame Plattformen mit VW und Porsche stärker genutzt werden. Bis 2022 sollen zudem insgesamt 15 Milliarden Euro gespart werden, um die hohen Investitionen in die Elektromobilität stemmen zu können. (drs)

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