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Osram

07.10.2016

Wann startet der Abwehrkampf des Osram-Chefs?

Osram könnte bald von chinesischen Investoren übernommen werden. Anteilseigner Siemens

Bei Osram verdichten sich die Anzeichen auf eine chinesische Übernahme. Anteilseigner Siemens entzieht Osram-Chef Berlien das Vertrauen. Der bleibt aber noch ruhig.

Noch haben sich die Angreifer nicht aus der Deckung gewagt. Doch die Gerüchte verdichten sich, dass chinesische Investoren an einer Übernahme der in München sitzenden und börsennotierten Osram Licht AG interessiert sind. Zuletzt war aus Finanzkreisen zu hören, der chinesische Halbleiter-Konzern San’an Optoelectronics sei bereit, Osram-Anteilseignern rund 70 Euro pro Aktie zu bieten. Gestern notierte das Papier des deutschen Unternehmens bei knapp 58 Euro. Die anschwellenden Spekulationen einer noch in diesem Jahr bevorstehenden asiatischen Attacke hatten den Kurs zuletzt schon in der Spitze auf etwa 60 Euro nach oben bugsiert.

Die Osram-Aktie hat damit Hummeln im Hintern, nachdem sie Anfang des Jahres nach einem Absturz auf Werte um 35 Euro Trauer trug. Vorangegangen war ein gewagter Schachzug des Konzern-Chefs Olaf Berlien, der Anteilseigner und darunter auch den rund 17,5 Prozent haltenden Großaktionär Siemens zutiefst verstörte.

Denn der Osram-Boss hatte die eine Milliarde Euro verschlingende Investition zum Aufbau einer Chipfabrik in Malaysia verkündet – eine Strategie, die von Experten als zu riskant eingeschätzt wird. Schließlich gibt es in Asien in der preissensiblen Branche mächtig Konkurrenz auf dem Gebiet der Produktion von LED-Chips.

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Siemens: Bisher keine Bereitschaft, für Osram zu kämpfen

Die kecke Aktion Berliens habe, vermuten Insider, chinesische Spieler auf den Plan gerufen, Osram anzugreifen. Das Licht-Unternehmen könnte dabei eine relativ leichte Beute werden, hat es doch mit Siemens nur einen großen Aktionär, der Widerstand gegen den Asien-Aggressor leisten kann. Bisher ist jedenfalls keine Bereitschaft des Münchner Elektro-Konzerns zu erkennen, als weißer Ritter für ein deutsch bleibendes Unternehmen Osram in den Kampf zu ziehen.

Das würde auch den strategischen Zielen von Siemens widersprechen: Der Elektro-Riese hat sich ja über einen Börsengang von seinem Licht-Geschäft weitgehend getrennt, denn aus Sicht von Konzern-Chef Joe Kaeser ist es zu großen konjunkturellen Schwankungen und Risiken ausgesetzt. So wäre es nur folgerichtig, wenn Siemens auch die restlichen 17,5 Prozent abstößt. Der Anteil ist derzeit gut 1,1 Milliarden Euro wert, rechnete die Frankfurter Allgemeine aus. Siemens verfügt zwar über mehr als genug Geld, aber bei einer solchen Summe kann Kaeser schwer widerstehen, zumal ihn Berlien mit seiner Hauruck-Aktion in Malaysia verärgert hat. In der Folge entzog Siemens bei der Hauptversammlung dem Osram-Chef das Vertrauen, zu verschnupft war Kaeser, weil die einstige Tochter mit der Bekanntgabe des Malaysia-Investments den Wert des Siemens-Pakets an dem Licht-Konzern vorübergehend deutlich geschmälert hatte.

Angst um Arbeitsstellen bei chinesischer Übernahme

Nun kommt Kaeser eine Schlüsselrolle zu. Die Asiaten können bei Osram nur durchmarschieren, wenn Siemens sein Aktien-Paket abgibt. Wie in München zu hören ist, geht Kaeser dabei überlegt vor. Er will auf keinen Fall am Ende als Buhmann dastehen, wenn Osram in die Fänge eines chinesischen Finanzhais gerät, der es vor allem auf die Ausschlachtung der 18000 Patente des Licht-Spezialisten abgesehen hat. Skeptiker glauben, manch asiatischer Interessent wolle vor allem deutsche Hochtechnologie zur Produktion in China aufkaufen und sei nicht an den Jobs in Deutschland interessiert. In Bayern arbeiten in Schwabmünchen gut 300 Mitarbeiter für Osram, in Regensburg sind es mehr als 2000. Das frühere Osram- und jetzige Ledvance-Werk in Augsburg (Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen) mit 900 Beschäftigten wurde bereits von chinesischen Investoren übernommen.

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Mit Verwunderung nehmen allerdings Politiker in Berlin wie München zur Kenntnis, dass der Osram-Chef bisher noch nicht mit einem Abwehrplan nach außen getreten ist. Weil die Bundesregierung keine Möglichkeit hat, die Übernahme des Unternehmens zu verhindern, wird zumindest erwartet, dass Berlien über Siemens hinaus einen neuen deutschen oder europäischen Großaktionär präsentiert.

Bundeswirtschaftsminister Gabriel: Kein Rettungsplan für Osram

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel scheint jedenfalls nicht gewillt, einen Osram-Abwehrriegel gegen die Chinesen zu organisieren. Im Fall des Augsburger Roboterherstellers Kuka, der vom chinesischen Haushaltsgeräte-Riesen Midea übernommen wird, hatte der SPD-Chef – wenn auch vergeblich – versucht, einen weißen Ritter für Kuka zu finden. Der schwäbische CSU-Europa-Abgeordnete Markus Ferber macht jedenfalls deutlich, auch Brüssel könne eine Übernahme Osrams durch die Chinesen nicht verhindern. „Ein Patent-Ausverkauf wäre eine Katastrophe für den Standort Deutschland“, sagte er unserer Zeitung.

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