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Studie
22.06.2014

Mond stört nur durch sein Licht den Schlaf

Für viele Menschen, die nicht schlafen können, ist der Übeltäter schnell gefunden: der Vollmond. Doch dass der wirklich schuld ist an den ruhelosen Nächten, können Münchner Forscher nicht bestätigen.
Foto: Daniel Naupold, dpa

Die Erdströme sind schuld, Elektrosmog, das Wetter. Wer nicht schlafen kann, sucht Erklärungen. Jetzt gibt es neue Antworten.

Die Hexen tanzen auf dem Blocksberg, und der Werwolf zieht um die Häuser auf der Suche nach Opfern: Vollmond. Kein Wunder, dass die Menschen nicht schlafen können – glauben viele. Doch eine Studie, die kurz vor dem Tag des Schlafes am Samstag veröffentlicht wurde, räumt jetzt auf mit dem Mythos von der ruhelosen Vollmondnacht. Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen konnten Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München keinen Zusammenhang zwischen dem Schlaf und den Mondphasen finden.

Für die im Journal Current Biology präsentierte Untersuchung analysierten die Forscher große, bereits vorhandene Datensätze über den Schlaf von insgesamt 1265 Teilnehmern aus 2097 Nächten. „Nachdem wir diese große Anzahl von Daten ausgewertet hatten, konnten wir frühere Ergebnisse aus anderen Studien nicht bestätigen“, sagt Mitautor und Neurowissenschaftler Martin Dresler.

Nicht der Mond, sondern das Licht stört beim Schlafen

Was der Vollmond in klaren Nächten bringe und die meisten Menschen tatsächlich im Schlaf beeinträchtige, sei das Licht. „Helligkeit steht der Ausschüttung des Einschlafhormons Melatonin entgegen und hat damit eine schlafstörende Wirkung“, sagt Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.

Jenseits des Vollmondes gibt es erwiesene „Schlaf-Störer“: große Hitze, zu viel Alkohol oder Nikotin. Auch körperliche und psychische Krankheiten können Gründe für gestörten Schlaf sein – und umgekehrt: „Für viele somatische Krankheiten und die meisten psychiatrischen Krankheiten ist gestörter Schlaf ein Risikofaktor“, sagt Dresler. Das reiche von Angststörungen über Schizophrenie bis zu Depression und – im körperlichen Bereich – Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Das ist ein großer volkswirtschaftlicher Faktor.“ Darüber hinaus gibt es laut Dresler Hinweise, dass die Menschen in den Industrienationen immer weniger schlafen. Ob es am Stress im Job liege, an der steigenden Reizüberflutung, an immer mehr Unterhaltungsangeboten oder mehr Partylaune, sei unklar.

Die meisten Menschen brauchen sieben bis acht Stunden Schlaf

Dass die Menschen sich an das wenige Schlafen gewöhnen oder gar daraus Profit ziehen, ist nicht absehbar. „Anpassungsfolgen im positiven Sinne sind nicht erkennbar.“ Sieben bis acht Stunden Schlaf brauchen den Schlafexperten zufolge die meisten Menschen, manchen reichen fünf bis sechs Stunden.

Vor einiger Zeit widerlegte eine Studie einen weiteren Volksglauben: dass Schäfchenzählen beim Einschlafen hilft. Die Eintönigkeit soll dabei schläfrig machen. Wissenschaftler der Oxford University untersuchten nach einem Bericht der New York Times in Testgruppen unterschiedliche Einschlafmethoden. Das Ergebnis: Wenn jemand Schäfchen zählte oder an nichts Bestimmtes dachte, brauchte er länger, als wenn er sich eine entspannende Szene vorstellte, etwa am Strand oder an einem Bach. Er schlief im Schnitt 20 Minuten schneller ein. Das Zählen der Schafe fanden die Probanden eher anstrengend und obendrein eintönig. Tipp der Forscher: Nicht Schafe zählen, sondern an Angenehmes und Entspannendes denken. dpa/Sabine Dobel

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