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Aichach-Friedberg

04.12.2020

Akute Personalnot in Pflegeheimen: Der Landkreis Aichach-Friedberg greift ein

Corona verändert den Alltag in Seniorenheimen. Und stellt Mitarbeiter vor große Herausforderungen.
Bild: Jonas Güttler, dpa (Symbolfoto)

Plus Wenn Personal wegen Corona in Quarantäne muss, kann die Arbeit in Pflege- und Seniorenheimen kaum noch gestemmt werden. Ein Pflege-Pool soll helfen.

Ein Corona-Ausbruch im Seniorenheim: Dieses Schreckensszenario ist inzwischen vielerorts traurige Realität. Meist erwischt das Virus auch einen Teil des Personals, dann kommt eine weitere Sorge für Heimleiter hinzu: Wie sollen die Bewohner mit zu wenig Personal gepflegt werden? Um dem entgegenzusteuern, hat die Heimaufsicht im Landratsamt Aichach-Friedberg einen Plan.

Im Seniorenheim Haus an der Paar in Aichach befürworten die Verantwortlichen die Idee eines Pflege-Pools.
Bild: Erich Echter

Ein Pflege-Pool soll helfen, spontan Arbeitskräfte für Pflege- und Seniorenheime zu organisieren. Bürger, die möglichst über pflegerisches oder medizinisches Grundwissen verfügen, können sich bei der Heimaufsicht melden und ihre Arbeit anbieten. Sobald es in einem Heim zu Personalengpässen kommt, vermittelt die Heimaufsicht dann die Arbeitskräfte. Ein solcher Pflege-Pool war laut Gabriele Bott von der Heimaufsicht notwendig: „Zwei Einrichtungen haben uns gesagt, sie steuern auf einen akuten Personal-Notstand hin." Diesen versucht Bott abzufedern.

Pflege-Pool in Aichach-Friedberg: Keine Ausbildung notwendig

Dabei ist die genaue Qualifikation der Helfer nicht entscheidend. „Wir haben es absichtlich offen gelassen", erklärt Bott. Das Ziel sei, befristete Anstellungen zu vermitteln. Je nach Ausbildung können die Personen dann in verschiedenen Bereichen des Heims aushelfen. Bereits im Frühjahr gab es einen Helferpool, der bayernweit gebildet wurde. Bott zufolge waren zehn bis zwölf Personen aus dem Landkreis dabei. Angelehnt daran hat die Heimaufsicht den neuen Pool gestartet. Bereits am ersten Tag hätten sich drei Frauen gemeldet, erzählt Bott.

Heimleiterin Lolita Höpflinger vom Haus an der Paar in Aichach findet die Idee „grandios". Corona gehört in dem Pflegeheim seit Mitte November zum Alltag. 16 der 84 Bewohner und ein Mitarbeiter sind laut Höpflinger positiv getestet worden. Dass das Virus sich bisher nicht stärker im Heim und vor allem unter den Mitarbeitern ausgebreitet habe, erklärt Höpflinger zum einen mit den Corona-Schnelltests, die bei den Mitarbeitern gemacht werden. Damit sei auch der eine Corona-positive Mitarbeiter sofort entdeckt worden. Zum anderen tragen laut Höpflinger ihre Mitarbeiter während der Schichten durchgehend FFP2-Masken. „Es ist eine enorme Belastung, aber das einzige, was hilft."

Corona kann schnell zu Personal-Mangel in Seniorenheimen führen

Mit nur einem Mitarbeiter weniger ist das Haus an der Paar von einem Personal-Notstand weit entfernt. Außerdem könnten im Zweifelsfall noch weitere Mitarbeiter aus anderen Häusern der Korian-Gruppe hinzukommen. Für Heimleitung Höpflinger wäre eine Quarantäne von mehreren Mitarbeitern aber bereits ein Problem. Denn die Dienstpläne werden immer im Vormonat erstellt, lange vor der Quarantäne.

Im Seniorenheim Pro Seniore in Friedberg geht es bergauf.
Bild: Alexandra Sieber

Wenn also mehrere Mitarbeiter ausfielen, sei es schwierig, den Dienstplan aufrechtzuerhalten. Auch in normalen Zeiten kann es passieren, dass einer oder mehrere Mitarbeiter krank werden und spontan ausfallen. Dann müsse man mit einer geringeren Besetzung arbeiten oder freie Mitarbeiter einspringen, erzählt Höpflinger. „Kurzfristig geht das, aber langfristig kommen die Mitarbeiter an ihre Grenzen oder die Bewohner werden nicht gut gepflegt."

Corona verändert Pflegealltag im Seniorenheim

Hinzu kommt, dass der Pflegealltag sich bei einem Corona-Ausbruch verändert. Sämtliche positiv getesteten Bewohner sind isoliert in einem eigenen Gang. Die Zugänge zu dem Corona-Bereich gelten als Schleusen, Mitarbeiter müssen hier ihre komplette Schutzausrüstung wechseln. „Das ist zeitaufwändig, eine wahnsinnige Herausforderung", sagt Höpflinger

Die Heimleiterin erzählt, eine Angehörige habe sie nach dem Pflege-Pool-Aufruf angerufen und gesagt, sie könne das Heim unterstützen. „Das fand ich sehr schön", sagt Höpflinger. Auch wenn sie es gerade nicht braucht, gefällt ihr, „dass man sich in der Gemeinschaft hilft". Dabei werde nicht ausschließlich Pflegepersonal gebraucht. Eine Hilfe könne laut Höpflinger auch sein, wenn jemand Essen verteilt und Geschirr zusammenräumt. "Oder nur mit den Bewohnern redet."

Friedberger Heim Pro Seniore mit eigener Eingreiftruppe

Auch die Verantwortlichen der Seniorenresidenz Pro Seniore in Friedberg befürworten die Idee eines Pools für Pflegekräfte. Beim Träger, der deutschlandweit Seniorenheime betreibt, gebe es laut Pressesprecher Peter Müller bereits etwas Vergleichbares: „Wir haben schon länger, also auch schon vor Corona, eine Eingreiftruppe gegründet, falls es an einem Standort eng wird."

Das Konzept aus dem Landkreis Aichach-Friedberg ist dem Pressesprecher bekannt. Die Friedberger Heimleiterin Jeanette Kleespies habe Müller bereits informiert: „Das gibt es in anderen Bundesländern auch. Gerade in diesen Zeiten eine gute Idee."

Im Friedberger Seniorenzentrum gab es am 23. November den ersten positiven Corona-Fall. Die Zahl der positiv getesteten Personen stieg danach an, mittlerweile sei die Lage wieder etwas entspannter. Laut Müller waren am Freitag 24 Bewohner sowie 13 Mitarbeiter infiziert.

„Silberstreif zur Weihnachtszeit" in Friedberg

Der Pressesprecher spricht von einem „Silberstreif zur Weihnachtszeit" und lobt die Mitarbeiter in Friedberg: „In so einer Situation arbeiten alle am Anschlag. Aber es geht bergauf. Es ist schön, zu sehen, dass die Mitarbeiter und Bewohner Unterstützung erfahren." Müller berichtet von zahlreichen Plätzchen und Weihnachtsgebäck, die Bürger, Vereine und Parteien abgegeben hätten. Insgesamt hat die Friedberger Seniorenresidenz 103 Bewohner und 96 Mitarbeiter.

Entwarnung will Müller aber trotz der sinkenden Fallzahlen nicht geben: „Wir müssen weiter vorsichtig sein. Wenn zu viele Mitarbeiter ausfallen, wird es auch für uns schwierig." In so einem Fall könne auch für Pro Seniore ein Pflege-Pool notwendig werden. Müller: „Etwa, wenn unsere eigenen Kräfte anderorts gebraucht würden."

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