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Natur

27.07.2016

Aufgepasst: Der Borkenkäfer ist im Wald

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Diese Fichten müssen weg. Abteilungsleiter Forsten im AELF Augsburg, Ralf Gang, (vierter von rechts) erklärt den Waldbesitzern die Notwendigkeit schnellen Handelns.
Bild: Martin Golling

Waldbesitzer im Landkreis Aichach-Friedberg sind aufgerufen, bei Befall sofort zu reagieren. Das Amt für Landwirtschaft und Forsten informiert über die Möglichkeiten

Affing-Haunswies Wer geglaubt hat, der regnerische Sommer hat die Fichtenbestände derart gestärkt, dass der Borkenkäfer keine Chance auf Massenvermehrung hat, der steht derzeit ernüchtert vor seinen Fichten. Zum Beispiel östlich von Affing-Haunswies: „Dort hat der Waldbesitzer Pech gehabt“, erklärte Ralf Gang den rund zwei Dutzend Waldbesitzern jetzt bei einem Informationstreffen. Gang ist der Nachfolger von Reinhold Hoyer als Abteilungsleiter Forsten im Amt für Landwirtschaft und Ernährung (AELF) in Augsburg.

Nach den Sturmschäden durch Niklas und dem Borkenkäferbefall nach der Trockenheit 2015 hat Eigentümer Josef Hugl reagiert und einige Stämme entfernt. Doch nun sind weitere 40 starke Fichten mit Durchmessern von zum Teil 60 Zentimetern dem Tod geweiht. Wenn schon mal überall am Stamm braunes Bohrmehl zu sehen ist, dann ist der Baum nicht mehr zu retten, da sind sich Bernhard Breitsameter und Martin Holfelder von der Waldbesitzervereinigung (WBV) Aichach mit ihrem Beratungsförster Rudi Brandl einig.

Eigentümer Hugl hat nun 60 Kubikmeter Frischholz zur Vermarktung bei der WBV Aichach gemeldet. „So reagiert der Waldbesitzer richtig“, stellt WBV-Vorsitzender Peter Erhard erleichtert fest: „Denn, ist erst mal die Rinde ab, ist sowohl der gute Preis fürs Frischholz, als auch der Käfer weg.“

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Forstabteilungsleiter Gang erklärt, dass die Waldbesitzer im Moment den Zeitpunkt erleben, an dem die erste Borkenkäfer-Generation 2016 ausgeflogen ist und sich in neue Stämme eingebohrt hat. Rudi Brandl und Peter Erhard warnen: „Wenn diese Generation in vier Wochen ungehindert ausfliegen kann, kommt es – wie 2015 schon – zu einer dritten Generation.“ Dann sei der Bestand ringsum kaum zu retten.

Anders als im Vorjahr, als die Waldbesitzer bei Fichten-Borkenkäferbefall zögerlich Holz einschlugen, um ein Wiederansteigen des Holzpreises abzuwarten, raten die Experten heuer zum sofortigen Handeln. „Wir als WBV garantieren derzeit, dass innerhalb von 14 Tagen Einschlag und Abtransport abgewickelt sind“, bekräftigt Bernhard Breitsameter und rät zum „großzügigen Räumen“. Er argumentiert: Der Holzpreis sei mit 85 Euro weit weniger gefallen als der Ölpreis oder andere landwirtschaftliche Produkte. Zudem bestünde bei einem Einschlag aufgrund einer Kalamität, also einem Schädlingsbefall, Aussicht auf bis zum halben Steuersatz. Allerdings sei der WBV vor dem Einschlag rechtzeitig die Holzmenge mitzuteilen, und auch nach getaner Arbeit sei eine Meldung erforderlich. Äste und Gipfelholz seien 500 Meter außerhalb des Waldes zu lagern. Für Ralf Gang ist dieses Informationstreffen mit der WBV Aichach die Auftaktveranstaltung zu einer Reihe von ähnlichen Zusammenkünften. „Amt und private Verbände ziehen an einem Strang – besonders bei der Waldgesundheit“, versicherte Gang.

Martin Neukäufer aus Aindling-Stotzard wollte wissen, ob der Borkenkäfer auch in die Tannen geht. Ralf Gang erklärte, das wäre eine andere Art Borkenkäfer. Bei der Tanne bestehe wegen ihres sporadischen Auftretens aber nicht die Gefahr einer Massenvermehrung des Schädlings.

Die Fichte bleibt der Brotbaum der Waldbesitzer. Warum dann Mischwald, lautete eine Fragestellung. Bernhard Breitsameter erklärte, dass ein Fichtenbestand bis zu dreißig Prozent anderer Baumarten ohne Ertragseinbußen verträgt. Zudem nutzt etwa die Buche tiefere Bodenschichten, um an Nährstoffe zu gelangen. Über den herbstlichen Blattabwurf kommen die Nährstoffe auch der Fichte zugute.

Rudi Brandl zum selben Thema: Wir waren im Rückblick im letzten Viertel-Jahrhundert nur am Beseitigen von Kalamitäten. Die Einschlagsmengen und -zeiten bestimmten Naturereignisse. Wenn es uns gelingt, den Wald klimagerecht und nachhaltig aufzubauen, können wir endlich einschlagen, was der Markt jetzt gerade braucht.“

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