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Prozess in Aichach

21.08.2019

Betrunkener will Polizisten mit Kopfstoß ausknocken

Ein 19-jähriger Aichacher musste sich am Aichacher Amtsgericht dafür verantworten, dass er gegenüber der Polizei agressiv geworden ist.
Bild: Archivfoto: Christian Kirstges

Ein 19-jähriger Aichacher lässt sich mit dem Taxi kutschieren. Geld hat er nicht. Als der Taxler die Polizei ruft, wird er aggressiv. Das hat Folgen.

Schon einen Tag später schämte er sich in Grund und Boden. Im Januar war der 19-Jährige aus Aichach nicht nur auf einen Taxifahrer losgegangen, sondern auch auf Polizisten. Einen Beamten, der ihn festhielt, versuchte er mit einem Kopfstoß auszuknocken. Erinnern kann er sich daran nicht mehr. Gestern stand er wegen tätlichen Angriffs auf den Polizisten und Körperverletzung vor dem Aichacher Jugendgericht. Dort hinterließ er einen guten Eindruck. Verurteilt wurde er trotzdem.

Im Klub trinkt der 19-jährige Aichacher diesmal sehr viel

Freunde hatten den 19-Jährigen im Januar überredet, mit ihnen einen Klub im Landkreis Augsburg zu besuchen. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit trank der Aichacher kräftig Alkohol; Bier, Wodka und Whiskey wie er vor Gericht zugab. Irgendwann fuhren die Freunde scheinbar ohne ihn heim. Betrunken wie er war, entschied er sich, ein Taxi zu nehmen. Allerdings: Jacke samt Hausschlüssel lagen im Auto der Freunde. Auch Geld hatte er nicht mehr. Zu Hause angekommen, wurde er aggressiv. Warum? Das konnte der Angeklagte vor Gericht selbst nicht mehr nachvollziehen. Eigentlich hätte er nur bei seinen Eltern klingeln und nach Geld für das Taxi fragen müssen, sagte er.

Mit geballten Fäusten torkelt der Aichacher auf die Polizisten zu

Stattdessen war er so unangenehm, dass der Taxifahrer schließlich die Polizei rief. Von den Beamten forderte er, dass sie ihm die Haustüre öffnen müssten. Schließlich würde er Steuern und damit ihren Lohn zahlen, begründete er. Ein Polizist erzählte als Zeuge: „Er wollte nicht einsehen, dass das nicht unsere Aufgabe ist.“ Irgendwann sei der Aichacher „mit geballten Fäusten auf uns zu getorkelt“. Die Beamten versuchten, ihn festzuhalten. Dagegen wehrte sich der Angeklagte mit dem Kopfstoß-Versuch. Er habe sich rechtzeitig weggedreht, berichtete der Polizeibeamte. Der 19-Jährige streifte ihn nur noch leicht an der Schläfe.

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Am nächsten Tag ist der 19-Jährige voller Reue

Schon am nächsten Tag erhielt die Polizeiinspektion ein Schreiben des Angeklagten, in dem er sich für sein „unverschämtes Verhalten“ entschuldigte. „Meine Reaktion war in keiner Weise gerechtfertigt“, schrieb der 19-Jährige. Auch bei dem Taxifahrer entschuldigte er sich sofort am nächsten Tag und bezahlte ihm die Fahrt- und die Reinigungskosten: insgesamt 260 Euro.

Nicole Jehle von der Jugendgerichtshilfe bescheinigte dem 19-Jährigen in der Verhandlung einen ehrlichen und vernünftigen Eindruck. Sie berichtete, dass er psychisch sehr unter seinem Ausraster gelitten habe. „Er hat gar nicht fassen können, was er getan haben soll.“ Das hatte der Angeklagte erst nach seiner Nacht in der Ausnüchterungszelle von der Polizei erfahren. Jehle sprach sich für Sozialstunden aus.

Seine Reue und die Entschuldigungen rechnete Staatsanwältin Stefanie Dylla dem 19-Jährigen an. Gegen ihn sprach jedoch sein Angriff auf den Polizeibeamten: „Der macht auch nur seinen Job und sollte sich eigentlich nicht mit Besoffenen herumschlagen müssen, die es in ihrer Trunkenheit nicht hinkriegen, einen Taxifahrer zu bezahlen.“ Sie plädierte für 40 Sozialstunden sowie einen Freizeitarrest.

Er habe ein unmögliches Verhalten gegenüber der Polizei an den Tag gelegt, fand Jugendrichterin Eva-Maria Grosse. Er könne im Gefängnis ein Wochenende lang darüber nachdenken, dass ein Kopfstoß sehr schlimm sei, sagte sie. Sie verurteilte ihn wegen tätlichen Angriffs und vorsätzlicher Körperverletzung zu einem Freizeitarrest sowie einer Geldbuße von 400 Euro.

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