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Aichach

26.11.2020

Corona: Wie der Aichacher Einzelhandel das Weihnachtsgeschäft retten will

Parfüms sind klassische Weihnachtsgeschenke. Elke Schmid betreibt die Parfümerie Elke am Aichacher Tandlmarkt.
Foto: Marlene Weyerer

Plus In der Adventszeit macht der Einzelhandel normalerweise das größte Geschäft im Jahr. Durch die Angst vor Corona und Online-Shopping könnte das heuer anders sein.

In die vorweihnachtliche Idylle mischte sich bis jetzt auch jedes Jahr hektisches Einkaufstreiben. Viele Einzelhändler machen in den Wochen vor Weihnachten den größten Jahresumsatz. Doch in diesem Jahr stellt die Corona-Pandemie auch die Adventszeit auf den Kopf. Die neuen Regelungen erlauben in großen Geschäften nur einen Kunden pro 20 Quadratmeter, in kleinen Geschäften weiterhin einen pro zehn Quadratmeter. Zu den Regelungen kommt die Angst vor Ansteckung. Fällt das Weihnachtsgeschäft diesmal aus?

Ein Kunde pro 20 Quadratmeter Ladenfläche: Das stellt so manchen Geschäftsbetreiber vor Herausforderungen.
Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa (Symbolfoto)

In Aichach nicht, sagen die Einzelhändler. Susanne Schneider ist Filialleiterin in der Buchhandlung Rupprecht am Stadtplatz. Sie sagt, gerade in Aichach hielten die Menschen den Händlern vor Ort bewusst die Treue und belebten die Innenstadt. Gerade während des Lockdowns im Frühjahr sei sie dankbar für ihre treuen Kunden gewesen. Seit Beginn der Pandemie bestellen laut Schneider mehr Menschen online bei der Buchhandlung und lassen sich telefonisch beraten. Zum Schmökern kommen die Menschen nicht mehr in den Buchladen. Auch, was die Kunden kaufen, hat sich verändert. Mehr Sachbücher im Bereich Politik und Gesundheit, aber auch mehr Handarbeits-, Bastel- und Kochbücher. "Man merkt, dass die Leute mehr zu Hause sind und sich beschäftigen", erzählt Schneider.

Läden in Aichach verlängern Öffnungszeiten

Sie erwartet, dass das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr funktioniert, wenn auch mit Abstrichen. "Man darf nicht den Fehler machen, mit den Vorjahren zu vergleichen." Trotzdem befürchtet Schneider, dass sie im Advent Kunden wegschicken und darum bitten muss, später zu kommen. Um den Ansturm auf den Buchladen zu entzerren, verlängert sie während der Adventszeit ihre Öffnungszeiten. Sollte es verkaufsoffene Sonntage geben, wie von manchen Politikern gefordert, würde sie mitmachen, ebenfalls um die Anzahl der Kunden zu entzerren.

Der Online-Versandhandel bereitet vielen Einzelhändlern in der Region Sorgen.
Foto: Robert Kneschke, Adobe Stock (Symbolfoto)

Elke Schmid ist zwar kein Freund von verkaufsoffenen Sonntagen, könnte sie sich im Advent aber dennoch vorstellen. Schmid betreibt die Parfümerie Elke am Aichacher Tandlmarkt. Trotz der Corona-Einschränkungen ist sie momentan mit dem Umsatz zufrieden - auch dank ihrer Stammkunden. Das integrierte Kosmetikstudio muss derzeit geschlossen bleiben. Verkauft werden in der Vorweihnachtszeit vorwiegend Düfte. Zwar dürfen stets nur zwei Kunden gleichzeitig in den Laden, aber das Personal arbeite sehr zügig und die Kunden seien sehr geduldig. Zudem macht der Laden im Advent keine Mittagspause mehr und öffnet an den Samstagen länger.

Keine Gastronomie, keine Bummler in Aichach

Im Schuhhaus Winkler in Aichach ist derzeit deutlich zu merken, dass die Gastronomie in der Innenstadt geschlossen hat. Wie Inhaberin Birgit Winkler berichtet, kommen keine "Bummler" vorbei. Seit dem sanften Lockdown verzeichnet das Schuhhaus deutlich weniger Kunden. Hinzu komme, dass es in diesem Jahr keine Weihnachtsfeiern oder ähnliche Anlässe gebe, für die neue Schuhe gekauft werden müssten.

Allerdings, so erzählt Winkler: "Die Menschen, die kommen, steuern den Laden gezielt an und kaufen auch etwas." Inbesondere Kinderschuhe gehen gut. Generell verlaufe die Vorweihnachtszeit für Schuhläden aber eher ruhig, da ein Schuh kein klassischer Geschenkartikel sei, so Winkler. Wenn allerdings Schnee fällt, komme auch wieder mehr Kundschaft, um feste, warme Schuhe zu kaufen.

Den Black Friday gibt es auch in Aichach

Viel los ist in der Vorweihnachtszeit dagegen in der Regel in Spielwarenläden. 19 Kunden dürfen nach den aktuellen Corona-Regeln gleichzeitig in den Laden von Spielwaren Krömer am Aichacher Milchwerk, der ebenfalls viele Stammkunden hat. Nur ganz selten müssten Kunden vor der Tür warten, weil der Laden voll ist, erzählt Geschäftsführer Christian Krömer. Diesen Freitag und diesen Samstag könnte das aber durchaus der Fall sein, denn wegen des Black Fridays, der mittlerweile nicht mehr nur in den USA als Beginn der großen Weihnachtseinkaufssaison gehandelt wird, gibt es besondere Rabatte.

Dicht gedrängte Einkaufsbummel sollte es in Corona-Zeiten nicht geben – viele Kunden klicken sich stattdessen lieber durch die Angebote.
Foto: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

Überhaupt versucht die Firma Krömer, die 24 Filialen betreibt, die Kunden in diesem schwierigen Jahr mit vielen Aktionen - sowohl übers Internet als auch vor Ort - an sich zu binden. So gibt es beispielsweise das "Private Christmas-Shopping", bei dem Kunden das Geschäft nach Feierabend eine Stunde lang für sich allein buchen können. "Wir gehören nicht zu den Corona-Gewinnern, aber auch nicht zu den Verlierern", sagt Christian Krömer. Die Branche profitiere beispielsweise davon, dass die Leute mehr zu Hause sind und mehr spielen und puzzeln. So könnten einige Verluste aus dem harten Lockdown im Frühjahr ausgeglichen werden.

Ein Streitpunkt sind verkaufsoffene Sonntage vor Weihnachten

Martin Fischer von Sandra Womenswear am Tandlmarkt sieht dem Weihnachtsgeschäft mit einem gewissen Zwiespalt entgegen. "Zum einen wünscht man sich Kundenfrequenz, zum anderen sollten aufgrund der politischen Vorgaben wegen Corona Kontakte eingeschränkt werden", erklärt Fischer. Zusätzliche verkaufsoffene Sonntage sieht er sowohl als Einzelhändler als auch als Mitglied im Vorstand der Aktionsgemeinschaft Aichach (Aga) kritisch. Schließlich müssten die zusätzlichen Zeiten auch mit Personal bespielt werden. Seit dem Frühjahr sei sein Geschäft "unter Corona-Aspekten" okay verlaufen, erzählt Fischer. Daher ist er auch "positiver Dinge", was das Weihnachtsgeschäft angeht. Ob es wirklich ein guter Advent wird, kann Fischer allerdings nicht sagen. "Da müsste ich in die Glaskugel reinschauen."

Hören Sie sich dazu auch unsere Podcastfolge über die Firma Boxbote an, die wir 2019 aufgenommen haben:

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar:

Trotz Corona: Den Weihnachtseinkauf vor Ort machen

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