Newsticker

Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Corona lässt Einzelhändler in Aichach kreativ werden

Aichach

07.04.2020

Corona lässt Einzelhändler in Aichach kreativ werden

Ob man sich jemals an einen solchen Anblick gewöhnt? Es ist ein wunderschöner Frühlingstag und Aichach wie ausgestorben.
Bild: Erich Echter

Plus Weil Geschäfte geschlossen bleiben, lassen sich viele etwas einfallen - vom "Fashion-Notruf" über Gutscheine für die Zeit nach Corona bis zum "Drive-in".

Die Läden sind zu. Der regionale Einzelhandel, der nicht zu den Grundversorgern gehört, leidet unter der Coronakrise. Um die Zeit ohne regulären Verkauf zu überstehen, werden die Aichacher Geschäftsinhaber kreativ: Sie haben einen „Fashion-Notruf“ eingerichtet, bieten Lieferservice oder „Drive-in-Verkauf“ an. Manche können der Krise sogar etwas Positives abgewinnen.

Birgit Winkler vom Schuhhaus Winkler freut sich schon jetzt, wenn sie ihren Laden wieder aufsperren darf. Bis es so weit ist, können Kunden sich bei ihr auf der Internetseite online Modelle ansehen und reservieren lassen. Nach Absprache würden sie die Schuhe dann verschicken oder zu den Kunden bringen, so Winkler. Sie sagt: „Online ist gut und schön, aber ganz unpersönlich.“ Das Zwischenmenschliche fehle.

Die Zeit des Stillstands nutzt Robert Burkhard, um sein Geschäft am Stadtplatz umzubauen. Auch die Außenansicht wird verändert.
Bild: Gerlinde Drexler

Um die Zeit ohne regulären Verkauf zu überstehen, startete das Schuhhaus eine Aktion, bei der über Facebook und Instagram Gutscheine gekauft und später eingelöst werden können. Winkler möchte auch mit Plakaten für diese Aktion werben. Eine andere Idee war ihr vom Landratsamt nicht genehmigt worden. Sie hatte speziell für Kinderschuhe Sonderöffnungszeiten beantragt und wollte für die Beratung stündliche Termine vergeben. Gerade online seien Schuhe für Kinder schwierig zu bestellen, weil sie unterschiedlich ausfallen, sagt Winkler.

Mitarbeiter bauen Überstunden ab oder sind in Kurzarbeit

Von ihren Mitarbeitern sind momentan nur die beiden Auszubildenden im Geschäft. Sie kümmern sich um Onlineangebot und Auslieferungen. Die anderen Mitarbeiter bauen entweder Überstunden und Urlaub ab oder sind in Kurzarbeit. Winklers Appell: „Es ist wichtig, dass die Kunden auf uns warten.“

Jede Pflegekraft der Sozialstation Augsburg Hochzoll Friedberg und Umgebung fährt nur in der Schutzmontur zu den Klienten. Dazu gehören der Schutzanzug, der Mundschutz, die Schutzbrille wie auch die Schutzanschuhe. Pflegedienstleitung Ulrike Hopfes hat die Montur hier für das Foto angezogen.
65 Bilder
In Bildern: So wirkt sich die Corona-Krise auf den Landkreis aus
Bild: Caritas Augsburg/Bernhard Gattner.

Die Mitarbeiter von Mode und Sport Burkhard sind derzeit auch in Kurzarbeit. Auf Empfehlung seines Steuerberaters habe er sie prophylaktisch bis zum Ende des Jahres beantragt, sagt Inhaber Robert Burkhard. „Man kann die Kurzarbeit ja wieder aufheben.“ Schön würde er es finden, wenn er seinen Laden nach dem 19. April wieder aufmachen dürfte. „Aber ich glaube nicht wirklich daran.“ Burkhard sagt: „Die Gesundheit hat Vorrang. Das andere werden wir mithilfe von Staat und Bank schon überstehen.“

Der entgangene Umsatz lässt sich nicht aufholen

Das Problem, mit dem die Modebranche kämpft, ist laut Burkhard, dass Ware geordert und auch bezahlt ist, aber nicht verkauft werden kann. Nach dem Ende der Coronakrise werde der Handel schnell wieder anspringen, ist er überzeugt. „Aber den entgangenen Umsatz wird man nicht aufholen.“ Kunden können auch bei ihm Gutscheine erwerben, und für Notfälle hat er einen „Fashion-Notruf“ eingerichtet. Er glaubt aber: „Die Leute haben andere Probleme, als Klamotten zu kaufen.“

Sechs Wochen früher als geplant machte die Druckertankstelle in der Werlbergerstraße zu. Sie bietet nun einen Lieferservice an.
Bild: Gerlinde Drexler

Seine Philosophie: Füße still halten. Burkhard kann dem Ganzen auch etwas Positives abgewinnen: Er kann sich ganz auf den Umbau seines Geschäfts konzentrieren, bei dem die Sportabteilung verkleinert und die Anzugabteilung vom Keller in das Obergeschoss verlegt wird. „So einen entspannten Umbau hatte ich noch nie.“

Drucker und Zubehör gibt es nach Anmeldung im Vorbeifahren

Früher als geplant machte Gabriele Dornecker, Inhaberin der Druckertankstelle in der Werlbergerstraße, ihren Laden zu. Statt wie vorgesehen Ende April schloss sie wegen der Coronakrise bereits eineinhalb Monate früher, Mitte März, das Geschäft. Die Umstellung auf einen Lieferservice hätten sie sowieso vorgehabt, erzählt Ehemann Robert Dornecker. Daheim in Allenberg (Gemeinde Schiltberg) richtete das Ehepaar einen „Drive-in“-Verkauf ein. Nach telefonischer Voranmeldung können Kunden dort Druckerkartuschen nachfüllen lassen oder Drucker und Zubehör kaufen.

Mit den Fördergeldern, die sie beantragt haben, will das Ehepaar die Miete für den Laden bis Ende April und die laufenden Personalkosten finanzieren. Momentan hätten sie fast keine Einnahmen, sagt Robert Dornecker. Geld für Werbung auszugeben ist deshalb überhaupt keine Überlegung. Er ist dennoch optimistisch: „Jede Krise ist auch eine Chance.“ Jeder müsse mal aus seiner Wohlfühlzone raus und „sein Hirn anspringen“ lassen, sagt Dornecker. Er findet es „toll, wie die Leute zusammenhalten“.

Lesen Sie dazu auch unseren Artikel: Bei diesen Läden können Sie im Wittelsbacher Land online einkaufen".

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren