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28.07.2010

Denkmalpflege: Praxistipps in Mönchszellen

Thierhaupten Im Thierhaupter Kloster wird derzeit Russisch gesprochen: Drei Architektur-Studentinnen aus der Stadt Tomsk in Sibirien sind mit einer Dozentin zu Gast beim Bauarchiv des Landesamts für Denkmalpflege. Xenia Jakimova, Marina Utochkina und Aljona Drygant absolvieren ein vierwöchiges Praktikum im Fachbereich Bausanierung. Uni-Lehrerin Dr. Helena Sitnikova begleitet die Studentinnen und sammelt ebenfalls erste Auslandserfahrungen.

Wohnhäuser brauchen viel Pflege

Diese Erfahrung können sie gut brauchen, denn in ihrer Heimatstadt gibt es viele historische Gebäude, die überholt werden müssen, erklärt Nadeshda Kusnezowa.

Die Professorin für deutsche Sprache an der Staatlichen Universität für Architektur und Bauwesen Tomsk lebt einige Monate pro Jahr bei ihrem Mann in Langerringen bei Schwabmünchen und hat den Besuch der Studentinnen organisiert. "Tomsk ist über 400 Jahre alt und besitzt viel alte Bausubstanz, die bald unter den Schutz der Unesco gestellt werden könnte", sagt die Professorin. Sibirien ist reich an Bodenschätzen und in Tomsk siedelten sich viele wohlhabende Kaufleute an. Daher gibt es dort auch eine große Zahl prunkvoller Häuser mit kunstvoll verarbeitetem Holz- und Mauerwerk. Damit muss sich die 500 000-Einwohner-Stadt nicht vor berühmteren Metropolen Russlands verstecken, findet Kusnezowa: "Das Zentrum sieht aus, wie das von St. Petersburg."

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Für die Sanierung von solch alter Bausubstanz fehlt es in Russland allerdings an Erfahrung. "Diesen Fachbereich gibt es erst seit etwa 20 Jahren, aber es entwickelt sich schnell vorwärts", erklärt Kusnezowa. Erfahrungsaustausch mit ausländischen Fachleuten beschleunigt diesen Prozess. Die Studentinnen wurden für den Besuch ausgewählt, weil sie sehr gute Leistungen gezeigt haben und Deutsch verstehen. Archivleiter Gerhard Klotz-Warislohner zeigt seinen Gästen, wie man in Deutschland an die Sanierung alter Gebäude herangeht sowie die Methodik und das durchdachte Vorgehen bei einem Projekt. "Ich spiele alle Arbeitsschritte einer Sanierung mit ihnen durch, damit sie auch praktische Erfahrungen mitnehmen können."

Als Übungsfeld dienen die Fenster und Wände der alten Mönchszellen im Kloster. Zuerst wird der Zustand der zu sanierenden Fläche geprüft, dann die Schäden aufgezeichnet und schließlich ein Werkplan erstellt. Ausbessern müssen die Studentinnen die schadhaften Stellen ebenfalls: "Anders als bei Neubauten bestehen historische Wände aus vielen Materialschichten. Sie müssen lernen, wie man damit umgeht", erklärt der Archivleiter. Für diese Erfahrungen opfern die jungen Russinnen gerne einen Monat ihrer Semesterferien. "Wir müssten ja auch zu Hause ein Praktikum machen, an Freizeit geht uns also nichts verloren", sagt Xenia Jakimova. Zum Studium gehören mehrere kurze Ausflüge in die Arbeitswelt. "Das ist anders als in Deutschland, wo die Studenten meist ein langes Berufspraktikum absolvieren", erklärt Nadeshda Kusnezowa.

Schöner Arbeitsplatz

Der Sprung von der Großstadt Tomsk ins beschauliche Thierhaupten ist den Frauen leicht gefallen, sagt Marina Utochkina: "Es ist schön hier. Wenn wir frei haben, gehen wir schwimmen oder spazieren." Neben dem Praxisunterricht im Kloster hat das Team des Bauarchivs Besuche bei Sanierungsobjekten wie dem Kreuztor in Ingolstadt oder der Kirche von Biburg (Landkreis Kelheim) organisiert.

Am Mittwoch tritt die Delegation die Heimreise an. Nadeshda Kusnezowa wünscht sich, dass sich eine regelmäßige Zusammenarbeit zwischen ihrer Uni und dem Archiv entwickelt.

Und auch Marina Utochkina hat einen Wunsch: "Ich würde später gern hier arbeiten."

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