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Brauchtum

03.05.2018

Die Größe ist nicht alles – oder?

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Freuen sich bereits sehr auf des geplante Fest im August gemeinsam mit Baumbesitzer Udo Venema und dem MSC Ilmmünster: die Burschenvereine Randelsried und Sielenbach.
Bild: Burschenverein Randelsried

Der Diebstahl des „höchsten Maibaums Deutschlands“ ist endlich restlos geklärt. Ein nahezu gleich hoher Baum steht derweil in Affing – doch der hat ein Geheimnis

Von Christoph Lotter und Alice Lauria

Affing/Sielenbach Das Schicksal des längsten Maibaums Deutschlands scheint wohl endlich abschließend geklärt. Trotzdem sorgt der 50-Meter-Koloss weiter für Furore. Seit am Dienstag in Affing ein fast gleich hoher Baum aufgebaut worden ist, stellt sich die Frage: Haben die Sielenbacher und Radelsrieder Burschen tatsächlich den höchsten Maibaum Deutschlands gestohlen?

Der Besitzer des langen Baumes, den die Sielenbacher bei Hohenwart aufgetan haben, gibt selbst Anlass zu Zweifel. Die Aussage „der größte Maibaum Deutschlands“ sei keinesfalls als Fakt anzusehen, gibt Udo Venema auf Nachfrage zu: „Diese Behauptung ist reine Spekulation. Es gibt keine Möglichkeit, das nachzuprüfen. Aber mein Ziel ist klar formuliert: je größer, desto besser.“ Dafür hat der Nordsee-Hotelier die ursprünglich 61 Meter hohe Douglasie extra aus dem Schwarzwald bestellt. Denn Venema ist sich sicher: „So große Bäume gibt’s in Bayern nicht.“

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Tatsächlich steht in Affing seit Dienstag sehr wohl ein nahezu identisch hoher Maibaum. Beeindruckende 48,50 Meter misst das Schmuckstück. Gerade mal eineinhalb Meter weniger, als der vermeintlich „höchste Maibaum Deutschlands“ also. Doch der geschmückte Baumstamm der Affinger birgt ein Geheimnis.

Der Affinger Maibaum besteht aus Fichtenholz. Und wie der findige Baumkenner weiß, wachsen die Fichten in den hiesigen Wäldern in aller Regel nicht 48,5 Meter in die Höhe. Andreas Widmann, Mitglied der Affinger Maibaumfreunde, lüftet das Geheimnis: „Der Maibaum ist aus zwei Fichten zusammengesetzt.“ Die beiden Stämme montierten die Maibaumfreunde bereits am Boden zusammen und ließen die Konstruktion dann in ein zweieinhalb Meter tiefes Betonfundament ein, das für ausreichend Stabilität sorgt. Anschließend stellten zwei Kräne das eindrucksvolle Prachtstück auf.

Ähnlich aufwendig wird auch der Aufbau in Abbehausen in Nordenham, wo der vermeintlich größte Maibaum Deutschlands am 12. Mai vor dem Hotel am Butjadinger Tor aufgestellt wird. Und Venema freut sich schon auf seinen Maibaum, denn der sorge bei den Touristen regelmäßig für erstaunte Gesichter: „Die fragen sich natürlich, was so ein traditionell bayerischer Maibaum bei uns im Norden zu suchen hat“, erklärt er und fügt hinzu: „Das mit dem Maibaum ist übrigens eine echte Schnapsidee.“ Sie geht auf 1984 zurück. Damals habe ihm eine ehemalige Bewohnerin aus München einen „echten bayerischen Maibaum“ versprochen. Gesagt, getan. Der Maibaum sei daraufhin mit dem ICE angeliefert worden. Mit 23 Metern Höhe war dieser aber verhältnismäßig überschaubar. Weil der Maibaum trotzdem sehr gut bei seinen Gästen ankam, entschloss sich Venema, eine eigene Tradition daraus zu machen. Von da an wuchsen seine Maibäume jedes Mal, und aus 23 Metern Höhe wurde schließlich ein 50-Meter-Koloss. Der sorgt für ordentlich Werbung: Bei guter Sicht sei sein aktueller Maibaum aus über 25 Kilometern Entfernung zu sehen – dank eigens angebrachter Lichterketten sogar nachts.

Bis spät in die Nacht geht es vermutlich auch am 18. August. Dann erhalten der der Burschenverein Sielenbach und Burschen- und Mädchenverein Randelsried für die Rückgabe des vermeintlich größten Maibaums Deutschlands 70 Portionen Braten mit Beilagen plus unbegrenzt Freibier – oben drauf gibt’s zehn Kästen Bier für die Zeit der Bewachung. Gefeiert wird gemeinsam mit dem Besitzer des geklauten Maibaums und dem „Bewacher“-Verein MSC Ilmmünster. Das war den Maibaum-Dieben ein großes Anliegen. Als die Burschen die 50 Meter hohe Douglasie am Montagabend nach Englmannsberg im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm zurückgebrachten, bekamen sie sogar noch ein alternatives Auslöse-Angebot. Der Gutsbesitzer von Englmannsberg, Ignaz Graf zu Törring-Jettenbach von der Brauerei Törring, bot den Burschen die Teilnahme am Volksfest Hohenwart an – allerdings mit Biermarken für weniger als 70 Mann statt „Bier-Flat-rate“. Dieses Angebot lehnten die beiden Vereine dankend ab – auch weil der MSC nicht an dem Fest hätte teilnehmen können.

Der Maibaum der Affinger hat laut Andreas Widmann übrigens nichts mit norddeutscher Höhengier zu tun: „Das hat sich eben so ergeben, aus den zwei Bäumen, die für die Spende zur Auswahl standen.“ Eine kleine Spitze lässt sich Widmann jedoch nicht nehmen: „Mir ist kein höherer Maibaum im Landkreis bekannt.“

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