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Asylrecht

22.04.2015

Die Trommeln in Petersdorf werden verstummen

Hier sorgten zwei Asylbewerber, die in Petersdorf leben, mit ihren Trommeln für afrikanisches Flair im Fasching.

Die sechs Flüchtlinge aus dem Senegal, die seit November im Ort leben, müssen wohl den Landkreis verlassen.

Seit Wochen sind immer mittwochs aus dem ehemaligen Raiffeisengebäude in Petersdorf ungewöhnliche Geräusche zu vernehmen. Dort wird getrommelt; Asylbewerber aus dem Senegal geben den Takt vor und Leute aus dem Ort machen begeistert mit. Doch im Laufe der nächsten Monate werden diese Trommeln verstummen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das Sextett, das seit Anfang November 2014 in Petersdorf lebt, seine Wahlheimat heuer verlassen müssen.

Nadine Wurzer vom Asylkreis sagt: „Die Chancen, dass sie hier bleiben dürfen, gehen gegen null.“ Die Männer dürften nicht mehr arbeiten, außer für die Gemeinde und die Kirche. Vor einer Woche informierte Wurzer die Flüchtlinge über die neue Entwicklung, die ihr vom Landratsamt in Aichach mitgeteilt worden war. Wurzer: „Sie waren den Tränen nahe.“ Der Senegal wird offiziell als sicheres Land eingestuft, in dem keine Verfolgung der Bürger zu befürchten sei.

Nadine Wurzer sagt: „Jetzt haben sie die Möglichkeit, dass sie einen Flug nach Hause kriegen.“ Als Alternative steht eine Rückkehr nach Italien zur Debatte. Was dort auf sie warten würde, vermag keiner abzuschätzen. Auch zum zeitlichen Ablauf lässt sich nichts Konkretes sagen. Wurzer: „Vielleicht kommt schon morgen der Brief.“ Vielleicht auch erst in einigen Wochen.

Es dauerte einige Zeit, ehe sich die Leute aus dem Großraum von Dakar im Wittelsbacher Land akklimatisiert hatten. In den ersten Tagen in Petersdorf blickten sie noch recht unsicher drein, bisweilen auch ängstlich, weil sie überhaupt nicht abschätzen konnten, was auf sie zukommen würde.

Die Afrikaner leben ruhig und unauffällig in Petersdorf. Bei verschiedenen Gelegenheiten mischen sie sich unter die örtliche Bevölkerung, etwa beim Jaudus oder bei Veranstaltungen im Pfarrheim. Dienstags radeln sie regelmäßig zum Stammtisch nach Axtbrunn, um dort hobbymäßig Fußball zu spielen. Zweimal die Woche kommen sie zum Deutschunterricht in den Raum, der vor einigen Jahren noch dem Gemeinderat für die Sitzungen diente. Die Fortschritte sind nicht zu übersehen. Sie hellten die Gesichter der Männer auf.

Jetzt ist ihnen nicht mehr so sehr zum Lachen zumute. Nun sieht die Zukunft wieder unsicher aus, weil keiner zu sagen vermag, welchen Weg die sechs Asylbewerber in ein, zwei Jahren einschlagen werden.

Seit dem 1. April arbeiten sie im Dienst der Gemeinde. Bürgermeister Richard Brandner äußerte sich am Montag im Gemeinderat dazu: „Sie sind mit Eifer dabei. Man hat schon einiges umgesetzt. Dienstbeginn ist um 7 Uhr, Dienstende nach einer Mittagspause von 12 bis 13 Uhr um 16.30 Uhr. Sie sind pünktlich gekommen. Wir sind sehr zufrieden. Funktioniert ganz gut.“

Bislang wurden Arbeiten an den Grünanlagen verrichtet, etwa auf dem Kinderspielplatz in Alsmoos. In nächster Zeit soll mithilfe der Senegalesen der Hausmeister an der Schule in Willprechtszell unterstützt werden. Entlohnt werden sie mit 1,10 Euro pro Stunde, diese Kosten übernimmt der Landkreis Aichach-Friedberg.

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