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Aichach-Friedberg

14.01.2019

Die Volkshochschule und ihre moderne Aufgabe

Einen Blumenstrauß gab es für Maria Breuer, die seit 30 Jahren Dozentin an der Vhs im Kreis ist: (von links) Vhs-Geschäftsführerin Susanne Gribl, Breuer, Bürgermeister und Vhs-Vorsitzender Klaus Habermann, Vera Mader, stellvertretende Leiterin.
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Einen Blumenstrauß gab es für Maria Breuer, die seit 30 Jahren Dozentin an der Vhs im Kreis ist: (von links) Vhs-Geschäftsführerin Susanne Gribl, Breuer, Bürgermeister und Vhs-Vorsitzender Klaus Habermann, Vera Mader, stellvertretende Leiterin.

Die Volkshochschule im Kreis ist 40 Jahre alt. Ihre Erfolgsformel ist die lokal vernetzte Bildung. Heute sehen die Verantwortlichen eine besondere Herausforderung.

100 Jahre alt und noch immer mitten im Leben ist die Volkshochschule (Vhs) in Deutschland. Die Vhs im Landkreis, die in diesem Jahr 40 Jahre alt wird, feierte das Jubiläum der „alten Dame“ als erste Einrichtung. Bei dem Festakt im Kreisgut in Aichach erfuhren die Gäste zum Beispiel, wie die Region auf den gesellschaftlichen Umbruch im Jahr 1919 reagierte. Es gebe auch heute genug Anlass, die demokratisch wirtschaftliche Bildung in den Mittelpunkt zu stellen, betonten die Redner.

Vor 100 Jahren war die Gesellschaft im Umbruch. Der Erste Weltkrieg war vorbei, die Weimarer Republik wurde gegründet. Was das für die Menschen in Bayern bedeutete, beschrieb Christoph Lang, Leiter des Stadtarchivs und Stadtmuseums, in seinem Vortrag so: „Bayern wurde aus dem Nichts zu einem Staat, in dem das Volk selbst Meinungsträger war.“

Wie überall entstanden auch im Landkreis Bürger-, Arbeiter- und Bauernräte und es kam bei der Wahl zum neuen bayerischen Landtag zu Tumulten. Zum ersten Mal durften Frauen wählen. Von diesem Recht machten in Aichach gut die Hälfte der Frauen Gebrauch. „Von den 20 Stadträten waren 1919 zwei Frauen“, erzählte Lang. Ein Novum damals. Neben einer Notarsgattin zog auch eine Aufseherin aus der Justizvollzugsanstalt in den Stadtrat ein.

Die Männer hörten auf, Tracht zu tragen, und gingen zum Arbeiten in die Stadt. Die Lebenserwartung stieg an und die Säuglingssterblichkeit ging zurück. Lang sagte: „Es war ein wahnsinnig starker demografischer Wandel.“ Allmählich hielt die Elektrizität im Landkreis Einzug und gab den Menschen die Möglichkeit, nach Einbruch der Dunkelheit noch zu lesen. „Und sie tun es auch“, betonte Lang. Im Amtsblatt finden sich mehr und mehr Angebote von Vereinen zur „Volksbildung“. Er fasste zusammen: „1919 war im Landkreis eine bildungsgeschichtliche Epochengrenze, die man feiern darf und soll.“

Volkdhochschule: Ein anderer Blick auf die Vhs

Einen ganz anderen Blick auf die Vhs gab Elisabeth Meilhammer, die an der Universität Augsburg einen Lehrstuhl für Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenen- und Weiterbildung innehat. Sie referierte über „100 Jahre Erwachsenenbildung in öffentlicher Verantwortung“. Ihr Fazit: „Die Vhs ist die traditionsreichste und wichtigste Bildungseinrichtung in Deutschland und ist auch im Ausland anerkannt.“ Ihre Bedeutung für die Grundversorgung der Menschen mit Bildung sei herausragend, betonte die Professorin und ergänzte: „Sie bringt Menschen zusammen, die sich ohne sie vielleicht nicht getroffen hätten.“

Bürgermeister Klaus Habermann, Vorsitzender der Vhs im Landkreis, fand: „Dieses Geschäftsmodell der Erwachsenenbildung ist zeitlos und heute wichtiger denn je.“ Die Vhs gehe mit ihrem Angebot auf neue Bedürfnisse ein und müsse bei der Programmgestaltung die Zeichen der Zeit erkennen, so Habermann. Es sei kein Zufall, dass Sprache, Verständigung, Integration und die Vertiefung geschichtlicher Zusammenhänge gerade in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen hätten. „Bildung lokal vernetzt und nachhaltig zu gestalten, ist eine Erfolgsformel, auf die es aufzubauen gilt“, betonte Habermann. Landrat Klaus Metzger sagte, individuelles Lernen werde dann erfolgreich sein, wenn es an Interessen anknüpfe. Er wünschte sich viele Menschen, die das qualitativ hochwertige Bildungsangebot der Vhs annehmen. „Wir erleben jeden Tag, dass es gesellschaftlich immer wichtiger wird, dass die Menschen wissen, wovon sie reden“, so Metzger.

Dem stimmte Wilhelm Lang, Verbandsdirektor des Bayerischen Volkshochschulverbandes, zu: „Wir haben genug Anlass, auch heute wieder die demokratisch volkswirtschaftliche Bildung in den Mittelpunkt zu stellen.“ Der Verband habe dafür extra eine neue Referentin eingestellt, die das mit unterschiedlichen Formaten zum Thema machen werde. Was Lang immer wieder feststellte: „Wir haben kein Demokratie-Gen.“ Deshalb müsse man aufpassen, um keinen Rattenfängern nachzulaufen.

Lesen Sie dazu den Artikel: So hat sich die Volkshochschule in Aichach-Friedberg entwickelt

Lesen Sie dazu den Kommentar: Volkshochschule im Landkreis bietet populäre Bildung

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