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Prozess

11.07.2017

Dose voller Drogen im Büro gelagert

Um Marihuana ging es jetzt in einer Schöffensitzung im Aichacher Amtsgericht.
Bild: Symbolfoto/dpa/Oliver Berg

28-Jähriger aus dem Landkreis Aichach-Friedberg soll mit Haschisch und Marihuana gedealt haben. Nun verurteilte ihn das Schöffengericht zu zweieinhalb Jahren Haft.

Wollte der 28-jährige Angeklagte das ganze Marihuana in seinem Büro wirklich selbst rauchen? Oder sollte es doch zu großen Teilen weiterverkauft werden? Diese Frage hat gestern das Schöffengericht im Aichacher Amtsgericht beschäftigt. Angeklagt war ein Mann aus dem Landkreis Aichach-Friedberg, der offenbar von seinem Dealer bei der Polizei benannt worden war.

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Von diesem Dealer soll der 28-Jährige drei Mal 50 Gramm Marihuana gekauft haben, ein Mal 150 Gramm und ein Mal 180 Gramm. Außerdem habe er zwei Mal 100 Gramm Haschisch erworben, hieß es im Gerichtssaal.

Der Angeklagte gab an, am Tag etwa drei Joints zu rauchen. Die Drogen dafür habe er in einer Box auf dem Schreibtisch seines Büros in der Wohnung aufbewahrt.

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Genau das war in der gestrigen Verhandlung ein Problem. Staatsanwältin Saskia Eberle sah es wie der Vorsitzende Richter Walter Hell: „Größere Mengen Marihuana gehören in den Kühlschrank oder in den Tiefkühlschrank, so was weiß man“, sagte Hell. „Es sei denn, man verkauft es gleich wieder weiter.“ Der Richter erklärte dem Angeklagten, er habe nun schon viele Jahre Drogendelikte im Gericht verhandelt. Dass der Angeklagte das Marihuana zum Eigengebrauch langfristig in einer Dose in seinem Büro lagern würde, hielt der Richter nach dieser langen Erfahrung jetzt für unglaubwürdig.

Die Staatsanwältin fand es zudem befremdlich, dass der Angeklagte mit seinem Einkommen „gleich mit einem Tausender losgeht“, um sich einen Marihuana-Vorrat allein für den Eigenbedarf anzuschaffen. Sie hatte ebenfalls keinen Zweifel daran, dass größere Mengen der Droge zum Weiterverkauf bestimmt gewesen seien und forderte eine Gesamtstrafe von drei Jahren Haft für den 28-Jährigen.

Dessen Verteidiger rechnete dem Gericht anschließend vor, dass sich die Einkäufe über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren erstreckt hätten. Der Angeklagte habe rein rechnerisch im Durchschnitt also 0,93 Gramm Marihuana oder Haschisch am Tag verbraucht. Demnach sei nicht auszuschließen, dass der 28-Jährige sich nur für den Eigenbedarf bei seinem Dealer eingedeckt hatte. Den Führerschein habe sein Mandant bereits abgegeben. Der Verteidiger hielt eine Gefängnisstrafe von insgesamt zwei Jahren für angemessen.

Angeklagter bereits aktenkundig

Der Richter warf dem Angeklagten vor, nur die Fälle des Rauschgifterwerbs zugegeben zu haben, die der Polizei ohnehin schon bekannt waren. Vor gut drei Jahren hatte der Angeklagte wegen eines Drogendelikts schon einmal mit der Polizei zu tun, damals war das Verfahren aber eingestellt worden. Jetzt stellte Richter Hell klar: „Sie haben damals schon mitbekommen, dass die bayerische Justiz damit nicht spaßt.“ Wegen Besitzes, Handelns und Erwerbs von Betäubungsmitteln muss der Angeklagte nun zwei Jahre und sechs Monate in Haft. Es sei denn, er geht in Berufung und erreicht dabei doch noch eine Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Hell verwies in diesem Zusammenhang auf die Kronzeugenreglung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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