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Aichach

15.07.2014

Gemeinsam kochen, singen, lernen

Ein Film und ein Lied sind bei den beiden Treffen entstanden. Beides bekamen die Besucher des dritten Teils der Flüchtlingsgespräche im evangelischen Gemeindehaus in Aichach vorgeführt.
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Ein Film und ein Lied sind bei den beiden Treffen entstanden. Beides bekamen die Besucher des dritten Teils der Flüchtlingsgespräche im evangelischen Gemeindehaus in Aichach vorgeführt.
Bild: Gerlinde Drexler

Flüchtlingsgespräche:Asylbewerber aus Aichach und Studenten der Uni Augsburg arbeiten an zwei Tagen bei einem Projekt zusammen. Beide Seiten sehen für sich darin einen Gewinn

Eine ganz eigene Dynamik haben die „Flüchtlingsgespräche“, ein Projekt der Universität Augsburg, entwickelt. Zwei sehr intensive Tage haben einige Asylbewerber aus Aichach und Gallenbach mit Studenten der Uni verbracht. Über die Erfahrungen und Ergebnisse der beiden Projekttage berichteten Studenten und Asylbewerber am Samstagabend bei einem dritten Treffen im evangelischen Gemeindehaus in Aichach.

Es ist eine Atmosphäre wie bei einem großen Familientreffen. Bunt gemischt sitzen Asylbewerber, Studenten und Besucher an den Tischen im Gemeindehaus. Eine Gruppe Jugendlicher spielt Karten, ein paar Studentinnen lassen sich von einer Asylbewerberin zeigen, wie das traditionelle Kopftuch gebunden wird.

Selbst verfasstes Lied in Deutsch und Arabisch

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Die zwei Tage, die sie zusammen verbracht haben, haben für beide Seiten, Studenten wie Asylbewerber, viele neue Erfahrungen gebracht. „Es war alles sehr offen“, berichten Clara Sterzenbach und Sofia Lindsey, zwei der Studentinnen. In verschiedenen Gruppen haben sie zusammen mit den Asylbewerbern in Gallenbach und bei einem Besuch in der Uni Augsburg gearbeitet.

Eine Gruppe hat Sprichwörter zusammengetragen, die die gleiche Bedeutung haben, in den verschiedenen Ländern aber unterschiedlich formuliert werden. „Ganz ohne Plan“ war die Musikgruppe gestartet, die bei dem Treffen im Gemeindehaus ein selbst verfasstes Lied in Deutsch und Arabisch vorstellte. Die Gartengruppe hatte sich Gedanken darüber gemacht, was man zum Pflanzen braucht und auf was zu achten ist. Die Ergebnisse hatte sie auf Deutsch und Arabisch auf Plakaten zusammengefasst.

Eine andere Gruppe war mit dem Fotoapparat in Gallenbach unterwegs. Die gefundenen Motive stellten sie im Gemeindehaus aus. Vorgeführt wurde dabei auch der Film, der bei einem Besuch an der Uni Augsburg entstanden war. Die Studenten zeigten den Asylbewerbern einen Hörsaal und die Bibliothek und ließen sie in kurzen Sequenzen auch selbst zu Wort kommen.

Gemeinsam zum Einkaufen gegangen waren die Mitglieder der Kochgruppe. Sie haben auch das Büfett im Gemeindehaus vorbereitet und die dreisprachigen Menükarten verfasst. Viel Gelächter hatte es bei der Übersetzung der Karten gegeben. Wie heißt zum Beispiel Tomate auf Arabisch?

Die Gespräche haben alle am meisten genossen

Die Gespräche, die sich bei der Arbeit in den verschiedenen Gruppen ergeben hätten, waren das Schönste, sagen Sterzenbach und Lindsey. Ein Asylbewerber berichtete ihnen, wie deprimierend es sei, die ganze Zeit in Gallenbach zu sein und nicht wegzukönnen. Die Mitarbeit im Projekt habe ihm viel gebracht. Er habe das Leben wieder lieben gelernt, hatte er den Studentinnen gesagt.

Für Ali, einen 26-jährigen Asylbewerber aus Afghanistan, war das Projekt „unglaublich“. „Es war eine Ablenkung von den Problemen, die wir in Afghanistan haben.“ Alle hätten sich gefreut, daran teilnehmen zu können. Ali: „Wir hätten gerne wieder so eine Veranstaltung.“

„Das Seminarprojekt war riskant und ungewöhnlich“, sagt Projektleiter Friedmann Harzer. Er unterrichtet an der Uni Augsburg Literatur und gibt den Asylbewerbern in Gallenbach Deutschunterricht. Das Thema Gast und Gastfreundschaft hat ihn schon immer interessiert. Harzer: „Meine Utopie wäre, ein Kulturcafé zu haben.“ Mit Deutschkursen, Hausaufgabenbetreuung und verschiedenen kulturellen Angeboten.

Das Projekt ist abgeschlossen, der Kontakt zwischen Studenten und Asylbewerbern besteht aber weiter. Über Facebook und Handy wird fleißig kommuniziert, gemeinsame Treffen sind geplant.

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