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Aichach-Friedberg

12.07.2018

Kulturbunter Jugendtreff: Wo Fremde zu Freunden werden

Treffen sich regelmäßig im Rahmen des Projekts „Kulturbunt/d“ und sind mittlerweile gute Freunde: (von links) Morteza, Nour, Ahmad, Projektleiterin Franziska Möker, Nemat und Bdour. Gemeinsam wollen sie der Gesellschaft helfen und engagieren sich deshalb ehrenamtlich.
Bild: Claudia Egger

„Kulturbunt/d“ bringt junge Leute mit und ohne Migrationshintergrund aus dem Landkreis zusammen. Sie kochen und fotografieren gemeinsam – und wollen helfen.

Ahmad, Nour, Morteza, Bdour und Nemat treffen sich schon zum fünften Mal. Kennengelernt haben sich die Jugendlichen, die zwischen 19 und 26 Jahre alt sind, durch das Projekt „Kulturbunt/d“, das sich an junge Leute mit und ohne Migrationshintergrund richtet, um neue Freundschaften zu schließen und durch gemeinsame Aktivitäten den Integrationsprozess zu unterstützen.

Nour ist mit 19 Jahren die Jüngste der Gruppe. Sie besucht die 11. Klasse der Friedberger Fachoberschule. Ahmad macht eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann und möchte nach der Ausbildung an der Uni seinen Master machen. Bis dahin hofft er, sprachlich dafür gewappnet zu sein. Morteza besucht in Aichach die Berufsschule und macht nebenher ein Praktikum. Nemat arbeitet bei einer Aichacher Firma und Bdour, die mit 26 Jahren die Älteste ist und in Syrien ihren Bachelor in Wirtschaft abgeschlossen hat, hofft, noch einen Ausbildungsplatz zur Bankkauffrau zu finden. Trotz ihres in Deutschland anerkannten Studienabschlusses, einiger Praktika und Bewerbungen hat die ehrgeizige junge Frau bisher leider nur Absagen bekommen. Jetzt steht sie vor einer Berufsumschulung bei der IHK. Ihre Hoffnung gibt sie aber nicht auf.

„Kulturbunt/d“ wurde im Jahr 2017 von der Freiwilligenagentur „mitanand und füranand im Wittelsbacherland“ des Landratsamtes Aichach-Friedberg und dem Kreisjugendring ins Leben gerufen. Geleitet wird das Projekt von der Masterstudentin Franziska Möker. Ob Strick- oder Cajón-Workshops, gemeinsames Brunchen oder die Teilnahme an der Kaltwasser-Grill-Challenge – es gibt vielfältige Aktionen, an der die überwiegend aus Syrien stammenden Jugendlichen teilnehmen können.

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Beim zweiten Planungstreffen in lockerer Runde bringen die Jugendlichen ein Stück ihrer Heimat ins Friedberger Jugendzentrum. Es wird gemeinsam das in Syrien beliebte arabische Fleischgericht „Shawarma“ zubereitet. Gewürztes und gegartes Hähnchenfleisch, mit Beilagen eingewickelt in türkisches Fladenbrot und verfeinert mit Granatapfelsirup.

„Nach den stattgefundenen Workshops haben wir das Projekt etwas umstrukturiert“, berichtet Franziska Möker. In der ersten Monatshälfte werden anstehende Projekte besprochen und gegen Ende des Monats ausgeführt. So haben die jungen Leute bei der letzten Aktion zusammen mit dem Friedberger Bürgernetz älteren Menschen Nachhilfe bei der Benutzung von Smartphones und digitalen Geräten gegeben, was nicht nur bei den Senioren super ankam. „Es hat einfach richtig Spaß gemacht, zu helfen“, findet Nour, und die anderen stimmen ihr zu. „Tu Gutes, gib’s zurück“, heißt das Motto.

„Die Jugendlichen können durch die Unterstützung von bereits bestehenden ehrenamtlichen Angeboten vielfältige Eindrücke bekommen“, sagt Franziska Möker. Die Aktionen bieten Einblicke mit Lerncharakter und neuen Kontakten. Die 19-jährige Nour ist regelrecht begeistert. „Wir haben hier in Deutschland sehr viel Unterstützung und Hilfsbereitschaft erfahren. Durch unsere Hilfe können wir den Menschen etwas davon zurückgeben, was wir auch bekommen haben. Das ist ein schönes Gefühl!“

Als Nächstes steht ein Fotoprojekt auf der Tagesordnung. Hierbei können die Jugendlichen mit einer Einwegkamera 27 Bilder machen und sollen somit bildlich ausdrücken, was Deutschland für sie bedeutet. Durch die Studie einer Regensburger Psychologin ist Möker auf die Idee gestoßen.

„Die Jugendlichen können bildlich ihre eigenen Gedanken zum Ausdruck bringen. Dadurch wird ihnen auch bewusst gemacht, dass ihre Sichtweise einen hohen Stellenwert hat und wichtig ist“, so die Projektleiterin. Beim nächsten Treffen werden die Bilder gemeinsam ausgewertet und sollen dann im Landratsamt großformatig ausgestellt werden. Im Mittelpunkt werden die Eindrücke der jungen Fotografen und ihre Geschichten stehen. Auch das nächste Projekt, an dem die fünf teilnehmen werden, steht schon fest: Beim Südufer Festival am 20./21. Juli in Friedberg werden sie als Volunteers die Festivalcrew unterstützen.

Infos Informieren über das Projekt kann man sich bei Franziska Möker unter Telefon 0157/87070846 oder per E-Mail an franziska.moeker@kjr-aichach-friedberg.de sowie auf Facebook.

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