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Aichach-Friedberg

17.06.2019

Landkreis Aichach-Friedberg ist „Gesundheitsregion plus“

Andreas Michel (Mitte) ist Leiter der Geschäftsstelle der Gesundheitsregion plus im Landkreis Aichach-Friedberg. Am 2. Mai trat er seine Stelle an. Bei der offiziellen Vorstellung begrüßten ihn Landrat Klaus Metzger (links) und Friedrich Pürner (rechts), Leiter des Gesundheitsamtes.
Bild: Nicole Simüller

Seit kurzem ist die Geschäftsstelle der „Gesundheitsregion plus“ Aichach-Friedberg besetzt. Wie das Projekt die medizinische Versorgung verbessern soll.

Die geschlossene Geburtsstation im neuen Aichacher Krankenhaus, Gemeinden ohne einen einzigen Arzt, weite Wege zum nächsten Orthopäden oder Kinderarzt – Probleme in der medizinischen Versorgung im Landkreis wie diese sind bekannt. Doch auch abseits davon gibt es Defizite. Die wohnortnahe medizinische Versorgung sicherzustellen, die regionale Versorgung und Vorsorge zu verbessern und bei alledem mehr Effizienz und Qualität zu erreichen – das sind Ziele der „Gesundheitsregion plus“ im Wittelsbacher Land.

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Im April wurde die „Gesundheitsregion plus“ gegründet

Sie wurde am 1. April gegründet. Am 2. Mai nahm der Leiter der am Gesundheitsamt angesiedelten Geschäftsstelle seine Arbeit auf: Andreas Michel aus Lenting im Raum Ingolstadt hat eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger absolviert und arbeitete danach bei einem ambulanten Pflegedienst und in einer stationären Pflegeeinrichtung. Nach einem Studium der angewandten Gesundheitswissenschaften in Furtwangen im Schwarzwald war er kurze Zeit für einen Wohlfahrtsverband tätig. „Ich freue mich, dass ich jetzt zurück bin in meiner Heimatregion“, sagte der 26-Jährige bei seiner Vorstellung.

Ob es seine Stelle und die „Gesundheitsregion plus“ je geben würde, war anfangs nicht klar. Als Friedrich Pürner, Leiter des Gesundheitsamts, das Projekt im Juli 2018 im Kreisentwicklungsausschuss vorstellte, war die Skepsis bei einigen Mitgliedern groß. Sie befürchteten einen Papiertiger, wollten nicht noch eine zusätzliche Stelle im Landratsamt oder wandten ein, dass es bei generellen Problemen im Gesundheitswesen keine Rolle spiele, ob der Landkreis „Gesundheitsregion plus“ ist– etwa bei dem bürokratischen Aufwand, den Einzelkämpfer-Ärzte auf dem Land neben ihrer Arbeit stemmen müssten.

Landkreis Aichach-Friedberg ist „Gesundheitsregion plus“

Befragung der Bürgermeister in Aichach-Friedberg führte zum Umdenken

Eine Befragung der 24 Bürgermeister im Landkreis führte zum Umdenken. 14 schickten den Fragebogen ausgefüllt zurück. Landrat Metzger zufolge waren vor allem die Rathauschefs der kleineren Orte für die „Gesundheitsregion plus“. Die der größeren Gemeinden hätten sich solidarisch erklärt. Metzger gab nun bei der Vorstellung Michels zu: „Ich war immer etwas zurückhaltend.“ Doch das Konzept an sich sei gut.

Das Projekt wird vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wissenschaftlich begleitet und vom bayerischen Gesundheitsministerium finanziell gefördert. Die neue Stelle am Gesundheitsamt im alten Aichacher Krankenhaus ist zunächst auf fünf Jahre befristet. Ihre Kosten trägt mit 223 000 Euro größtenteils der Freistaat, mit 107 000 Euro ist der Landkreis dabei. Michel nennt den Erhalt und die Verbesserung des Gesundheitszustands der Menschen im Landkreis und die Verbesserung der gesundheitsbedingten Lebensqualität als Ziele. Dafür werde sektorenübergreifend zusammengearbeitet.

Bedarfsanalyse soll klären, wo es hakt

Zunächst soll eine Bedarfsanalyse, möglicherweise mit einer Universität als Partner, klären, wo es Probleme gibt – abseits derer, die ohnehin bekannt sind. Sie dient als Arbeitsgrundlage. Steuerungsorgan der „Gesundheitsregion plus“ wird ein Gesundheitsforum unter Leitung von Landrat Metzger. Eingebunden werden sollen beispielsweise örtliche Krankenkassen, Wohlfahrtsverbände, Interessengruppen für Senioren oder Menschen mit Behinderung, Ärzte und weitere Akteure im Landkreis.

Michel hofft, dass sie miteinander „regionale Gesundheitsziele“ festlegen. An ihnen sollen Arbeitsgruppen weiterarbeiten, die das Gesundheitsforum einsetzt. Michel könnte sich vorstellen, die Gruppen nach Lebensphasen zu unterteilen. Er koordiniert zwischen den Gremien, begleitet sie inhaltlich und organisatorisch, evaluiert die Arbeit und übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit.

Mängel bei fachärztlicher und psychotherapeutischer Versorgung

Erste Hinweise, wo es hakt, ergab bereits die Befragung der Bürgermeister. Sie bemängelten unter anderem die fachärztliche, insbesondere die kinderärztliche und psychotherapeutische Versorgung in ihren Gemeinden sowie die schwierige Neu- oder Nachbesetzung von Praxen vor allem auf dem Land. Auch die Pflege war ein Thema.

Metzger hofft mit der Bedarfsanalyse auf mehr Schlagkraft – zum Beispiel, was die stationäre Versorgung von Menschen mit psychischen Problemen anbelangt: „Dann liegen die Analysen als Fakten auf dem Tisch und niemand kann mehr darüber hinweggehen“, sagt er in Anspielung auf das lange Ringen um eine psychiatrische Institutsambulanz. Wie berichtet, soll sie spätestens Anfang 2020 am Aichacher Krankenhaus eingerichtet werden. Der Landkreis galt hier bislang als gut versorgt – zumindest laut Statistik. (mit cli, gth)

Lesen Sie auch den Bericht Landkreis will Gesundheit in Aichach-Friedberg verbessern
und den Kommentar
Gesundheitsregion: In kleinen Schritten zum Ziel

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